Cyber-Angriff: Hacker stehlen australische Regierungs-Mails

Mindestens zehn Ministerien sind betroffen, darunter das Außen- und Verteidigungsressort: Australiens Regierung ist offenbar Ziel einer umfassenden Hackerattacke geworden. Die Urheber werden in China vermutet.

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Corbis

Hacker-Angriff auf E-Mail-Accounts: Stammen die Drahtzieher aus China?

Sydney - Die Computer der australischen Ministerpräsidentin Julia Gillard und mehrerer ihrer Minister sind Medienberichten zufolge Ziel eines Hacker-Angriffs geworden. US-Geheimdienst-Mitarbeiter hätten die Regierung darauf hingewiesen, dass Hacker auf mehrere tausend E-Mails auf den Computern von mindestens zehn Ministern zugegriffen hätten, berichtet die australische Zeitung "Daily Telegraph" am Dienstag. Neben Gillard sind demnach unter anderem Außenminister Kevin Rudd und Verteidigungsminister Stephen Smith von den Angriffen betroffen, die sich von Februar an über mehr als einen Monat ereigneten. Sowohl Gillard selbst als auch Generalstaatsanwalt Robert McClelland wollten die Berichte weder bestätigen noch dementieren.

Nach Angaben des "Daily Telegraph" verdächtigt die Regierung chinesische Geheimdienste, hinter der Spionage-Aktion zu stehen. Die Zeitung "The Australian" berichtete unter Berufung auf Sicherheitsexperten, die Hacker seien womöglich auf der Suche nach Hinweisen zur Haltung der Regierung zu wichtigen Rohstoffprojekten in Australien gewesen. "Es sind in Australien bedeutende Rohstoffprojekte in Planung, die großes Interesse bei anderen Staaten wecken", sagte Neil Fergus, der Leiter der Beratungsagentur Intelligent Risk. Ob die Regierung den Projekten zustimme, sei von entscheidender Bedeutung.

Hackerangriffe auf Behörden- und Regierungsrechner sind in der jüngeren Zeit beinahe an der Tagesordnung. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Rechnersysteme der Europäischen Kommission zum Ziel eines Hackerangriffs geworden waren. Zeitweilig war deshalb der Zugriff auf E-Mails und das Intranet nur innerhalb des EU-Netzwerks möglich. Mitarbeiter konnten sich nicht von außen einloggen, zudem mussten alle Mitarbeiter ihre Passwörter ändern.

Anfang des Jahres hatte es einen dokumentierten Hackerangriff auf das französische Finanzministerium Anfang des Jahres gegeben. Das Magazin "Paris Match" hatte berichtet, dass mehr als 150 Rechner von Spionagesoftware befallen wurden. Das Schnüffelprogramm habe erfolgreich Dokumente entwendet.

Anfang des Jahres wurde eine Hackerattacke auf Regierungsrechner in Kanada bekannt. Die Angreifer konnten die Kontrolle über die Computer hochrangiger Regierungsbeamter in zwei Ressorts erlangen, scheiterten aber daran, die Passwörter des gesamten Regierungsnetzes zu ergattern. Seit den Angriffen, die im Januar bekannt geworden sind, waren Tausende Regierungsangestellte offline, während Techniker versuchten, Probleme zu beheben, die der Dateneinbruch verursacht hatte. Auch in diesem Fall fiel der Verdacht auf Angreifer aus China.

cis/AFP

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