Bündnis für IT-Sicherheit "Armee der Guten" gegen die Hacker

Deutschland hat einen neuen Verein für IT-Sicherheit: In Bonn haben sich Behörden, Unternehmen und Bundeswehr verbündet, um gegen kriminelle Hacker zu bestehen. Was steckt dahinter? Und warum in Bonn?

Party-Adler auf einem Hacker-Event
Thorsten Schröder

Party-Adler auf einem Hacker-Event

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In Bonn hat sich ein Verein gegründet, und wie das im Rheinland üblich ist, wurde das gebührend gefeiert. Zwei Tage, bevor am heutigen 11.11. die Karnevalsjecken vor dem Alten Rathaus die fünfte Jahreszeit eröffneten, trafen sich darin am Freitag Vertreter aus Politik, Forschung, Wirtschaft und Militär zu einem Gründungsfestakt. Und auch wenn es dabei ernster zuging als auf einer Karnevalsveranstaltung, so gab es doch Parallelen: Die Stimmung war gut, auf der Bühne wurde gewitzelt, es gab Getränke - und manche Gäste trugen Uniform.

Gegründet wurde der "Cyber Security Cluster Bonn e.V.", in dem alle Einrichtungen im Bereich IT-Sicherheit aus der Region gebündelt werden: Mit dabei sind zum Beispiel das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Telekom, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Polizei NRW und das Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr - daher die Uniformen. Auch Firmen gehören zum Verein, alle Mitglieder sind auf seiner Webseite aufgeführt.

Podiumsredner und Moderatorin bei der Gründung des "Cyber Security Cluster Bonn"
Sascha Engst

Podiumsredner und Moderatorin bei der Gründung des "Cyber Security Cluster Bonn"

Gemeinsames Ziel ist es, "den Standort Bonn als das Herz der Cyber-Security in Europa erlebbar zu machen", heißt es in der Presseinformationsmappe. Schließlich nähmen die Cyberangriffe in Deutschland "explosionsartig" zu. Allein die Telekom habe in diesem Jahr 15 Millionen Attacken auf ihre digital aufgestellten Fallen registriert. "Die Sicherheitsbranche ist alarmiert: Wer weiter allein abwehrt, steht gegen immer ausgefuchstere Hacker künftig auf verlorenem Posten", heißt es in der Pressemitteilung.

Geplanter "Rat der Cyber-Weisen"

Also braucht es einen Sicherheitsverein, eine "Armee der Guten", wie es in der Präsentation zum sogenannten Cluster heißt. Vereinsvorsitzender ist Dirk Backofen, Leiter der Telekom Security, insgesamt hat der Vorstand des Clusters neun Mitglieder. Aber was soll der Verein eigentlich tun?

Angedacht ist beispielsweise die Etablierung eines "Rat der Cyber-Weisen" für die Bundesregierung, ein Expertengremium, das Empfehlungen an die Politik geben soll. Man könne sich aber auch vorstellen, dass ein Bonner Stadtteil zum "Schaufenster für sichere Digital-Technologie" werde, heißt es: Hier könnten schlüssellose Zugangssysteme, intelligentes Parken, autonomes Fahren oder digitales Bezahlen "anfassbar" gemacht werden. Außerdem soll bei verschiedenen Veranstaltungen geforscht, gefördert und gefeiert werden.

Warum all das ausgerechnet in Bonn so gut gehen soll, verrieten die Mitglieder beim Festakt: Die ehemalige Hauptstadt sei nicht nur Heimat wesentlicher Security-Behörden und -Unternehmen, sondern nach wie vor das zweite bundespolitische Zentrum in Deutschland, am Rhein sitzt unter anderem die Bundesnetzagentur. Zudem gebe es in der Metropolregion, die ja bis Köln, Düsseldorf oder Aachen reiche, ein "unvergleichlich großes Repertoire an Fachkräften". Nicht zuletzt biete die Stadt eine hohe "Arbeits- und Lebensqualität für die Cyber Security Professionals".

Ein Mitglied mahnt: "Es muss zu Inhalten kommen"

Und so erinnerte das Ganze zum Schluss doch ein wenig an einen karnevalistischen Empfang: Als die Bonner Security-Experten lokalpatriotisch darüber sprachen, wie schön es doch in Bonn sei, mit dem Rhein und dem Siebengebirge.

"Ich bin in Bonn geboren, ich bin hier aufgewachsen", sagt Thomas Kremer aus dem Vorstand der Telekom in einer Talkrunde auf der Bühne. Bonn sei "eine wunderbare Stadt, um hier zu leben", da würden sich die Mitarbeiter und ihre Familien sicher auch wohl fühlen.

Nur der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft dämpfte die heitere Cyberfastnachtsstimmung ein wenig: Auch wenn bei so einem Festakt alle "in einer gewissen Hochstimmung" seien, so sei mit der Gründung eines Clusters allein noch nichts getan, mahnte Reimund Neugebauer.

"Wir sind als Fraunhofer-Gesellschaft an sehr vielen Clustern beteiligt", sagte er, und davon hätten einige nur "Ikarus-Charakter" gehabt. "Es muss zu Inhalten kommen", sagte Neugebauer - letztlich entschieden nur die gemeinsamen Projekte und Erfolge darüber, wie gut und wichtig dieser Verband eines Tages überhaupt werde.



insgesamt 3 Beiträge
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Nonvaio01 11.11.2018
1. und wer beaufsichtigt die?
nur mal eine frage....
peer.seus 11.11.2018
2. Wo ist die Zivilgesellschaft - wo ist die technische Kompetenz?
Sorry, aber am CCC vorbei einen solche Verein zu gründen ist lächerlich. Klar kann man so eine Hybris schaffen und sich selbst irgendwelche selbst gedruckten Orden anhängen. Wenn es aber um die real existierende Kompetenz an der Schnittstelle von Gesellschaft und IoT/IIoT/I4.0 etc. geht, dann kommen aus so einem Verein ein haufen Bullshit-Bingo-Powerpoints, die nur die Beutel der Steuerzahler für irgendwelche Schlangenöl-Software aufmachen soll - die aber an den Grundproblemen nie etwas ändert! - Wie auch? Denn so ein Verein ist ja als Lobby-Organisation für mehr Durchgriffsrechte staatlicher Überwacher und zur Absicherung von Milliarden-Budgets aus unseren Steuergeldern für beteiligten Unternehmen gedacht. Die dann aber martialisch "Armee der Guten" zu nennen, ist schon was eklig. Denn die Guten sind eben schon die "(guten) Hacker" vom CCC, die Leute Netzpolitik, etc. Wenn man dann noch einen Verein unter diesem Label aufmachen will, um die eigentlich Guten womöglich in den Schatten zu stellen, dann erinnert man unweigerlich an die "Judäische Volksfront" - und sollte auch genau so ernst genommen werden!
redaktionär 13.11.2018
3. Clusteradatsch
So ein hipper Cluster aber auch. Wenn bedacht wird, dass der BND nach derzeitigen Plänen es gerne sehen würde, dass das Schließen von Sicherheitslücken unter Strafe gestellt wird, damit es dessen Trojaner leichter haben, diese auszunutzen, dann bekommt das Ganze den hyperkafkaesken Touch, den es verdient. Stellt der BND das nur in DE an, bleibt das eine lächerliche One-State-Show. Ziehen alle anderen (oder nur die wichtigsten) mit und gängeln die Unternehmen dahingehend, dass das Schließen von Sicherheitslücken ein Straftatsbestand wird, dann dürfte das gar nicht mehr lächerlich sein. Egal wie absurd und grotesk die Vorstellung ist.
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