Obama zur Behörden-IT "Wie ein Atari-Spiel in einer Xbox-Welt"

US-Präsident Obama will die Computersysteme der US-Behörden sicherer machen - und allein dafür mehr als drei Milliarden Dollar ausgeben. Anlässe dafür gibt es genug.

US-Präsident Obama: Mehr Geld für mehr Cybersicherheit
AFP

US-Präsident Obama: Mehr Geld für mehr Cybersicherheit


US-Präsident Barack Obama will die Mittel zur Verbesserung der Cybersicherheit deutlich aufstocken. In einem Gastbeitrag für das "Wall Street Journal" schrieb Obama am Dienstag, dass Cyberbedrohungen zu den akutesten Gefahren für Amerikas Wirtschaft und die nationale Sicherheit zählen.

Das Weiße Haus kündigte am Dienstag einen Plan an, wonach ab 2017 insgesamt 19 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen sollen, um Cyberangriffe abzuwehren. Das wären fünf Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr. Über die Bewilligung des Etatvorhabens entscheidet der Kongress. Noch ist unklar, ob er dem Vorschlag zustimmen wird.

Der "Cybersecurity National Action Plan" (CNAP) umfasst staatliche Aktivitäten, aber auch Kooperationen mit bekannten IT-Unternehmen. Darunter sind Google, Facebook, Dropbox und Microsoft sowie Finanzdienste wie MasterCard, Visa, PayPal und Venmo. Über die Zusammenarbeit mit den IT-Firmen und Finanzdienstleistern will die US-Regierung Millionen von Onlinekonten und finanzielle Transaktionen sicherer machen.

Mit den Mitteln sollen außerdem auch Studenten für die Cybersecurity-Branche gewonnen, Computernetzwerke der Bundesbehörden besser abgesichert und eine Zertifizierung sicherer Internetgeräte vorangetrieben werden.

Bessere Computersysteme für Bundesbehörden

Mit dem Plan reagiert die Obama-Administration auch auf die Kritik an einer veralteten IT-Infrastruktur der US-Bundesbehörden. 3,1 Milliarden Dollar sollen allein für modernere Geräte und sicherere Cloud-Dienste des Staates verwendet werden. Es sei kein Geheimnis, dass die Regierungs-IT zu oft "wie ein Atari-Spiel in einer Xbox-Welt" daherkomme, schreibt Obama im "Wall Street Journal". Die Sozialversicherungsbehörde nutze Systeme und Code aus den Sechzigerjahren.

US-Behörden waren wiederholt Opfer von Online-Angriffen geworden, hinter denen zum Teil Hacker aus China und Russland stecken könnten. So sind zum Beispiel vergangenen Sommer die Daten zahlreicher Regierungsangestellten kopiert worden, seinerzeit war von mehreren Millionen Betroffenen die Rede.

Ein weiterer schlagzeilenträchtiger Vorfall ist noch keine 48 Stunden alt: Hacker haben seit Sonntag die Daten von rund 22.000 Mitarbeitern des Heimatschutzministeriums ins Netz gestellt, einen Tag später folgten Informationen zu 9000 Mitarbeitern des FBIs. Zu den veröffentlichten Daten sollen Namen, Telefon- und Faxnummern sowie E-Mail-Adressen zählen.

mbö/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nano-thermit 09.02.2016
1. Sehr gut
Bitte nicht 19 Milliarden in Schulen, Bildung und gehen Armut investieren. Nein nein, die cyberabwehr. Soso Dieses Land und dessen Regierung ist so verkommen. Und unsere Presse berichtet ohne die Augenbraue zu heben? Die USA haben die größte Kinderarmut der westlichen Welt, hören aber JEDEN auf diesem Planeten illegal ab. Auch daran stört sich keiner. Naja und jetzt noch 300 Milliarden in den F35, das wird auch helfen. Ich bin mir sicher.
K:F 09.02.2016
2. Obama hat den Drohnenkrieg salonfähig gemacht
Kein Präsident hat mehr Dronentote produziert.Kein Präsident hat mehr völkerrechtswidrige Angriffe mit Drohnen durchgeführt wie Obama. Obama hört die Welt ab, verfolgt seine Regiemgegner z.B Snowden, sperrt die Menschen ein Leben lang weg. Läßt foltern und morden, lässt die eigene Bevölkerung zu 80 Prozent verkommen. Läßt Reiche unermesslich reich werden. Gibt Unsummen für Cyberschrott aus. Wohin steuert dies Land? In die Isolation?
Landkaertchen 09.02.2016
3. Auch das ist Aufrüstung.
Diese Maßnahmen gehören unter den Punkt Aufrüstung. Die Bedrohungen liegen weltweit in gleicher Form vor. Wenn ein internationaler Ansatz gewählt würde, wäre der ganzen Welt geholfen. Statt dessen bleibt es natürlich ein Alleingang: Amerikas IT soll geschützt werden (und nicht die anderer Staaten), um einen Wettbewerbsvorteil zu bekommen und um gerüstet zu sein, wenn die eigenen Cyberangriffe entweder mal aus dem Ruder laufen oder die Angegriffenen auf dem gleichen Kanal "antworten".
43ghgfdd 09.02.2016
4. D sollte vielleicht auch mehr ausgeben
... um sich vor Wirschaftsspionage der USA zu schützen.
Bürger Icks 09.02.2016
5. Für was immer Geld da ist, und für was nicht...
Für Waffen, Aufrüstung, Überwachung des Pöbels gibt es immer etliche Milliarden, die sind sofort da. Für Soziales, oder zur Bewältigung der Flüchtlingskrise bekommt die Weltgemeinschaft es noch nicht einmal aif die Reihe, genügend Geld für ausreichend Nahrung in den grössten Flüchtlingslagern dieser Erde bereitzustellen. Das wäre weitaus weniger als Obamas Cyber"abwehr", oder die geplanten 130 Milliarden für die Bundeswehr, damit wir schön an Kriegen teilnehmen können, die von anderen losgetreten wurden und auch nur diesen dienen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.