Cybersicherheit Telekom schlägt IT-Eingreiftruppe vor

Gemeinsam für mehr IT-Sicherheit: Die Deutsche Telekom fordert die Branche auf, eine neue Zentrale zur Abwehr von Hackerangriffen zu gründen, schnelle Eingreiftruppe inklusive. So sollen die zurückhaltenden Pläne des Innenministers ergänzt werden.

Telekom-Logo in Düsseldorf: IT-Sicherheitszentrale für die gesamte Branche
DPA

Telekom-Logo in Düsseldorf: IT-Sicherheitszentrale für die gesamte Branche


Hamburg - Nach eigenen Angaben zählt die Deutsche Telekom jeden Tag 100.000 Hackerangriffe. Nun fordert der Konzern seine Mitbewerber auf, an einer gemeinsamen IT-Sicherheitstruppe mitzuarbeiten. Telekom-Vorstand Reinhard Clemens sagte der "Financial Times Deutschland", man müsse innerhalb der Industrie ein Gremium finden, in dem die Branche enger zusammenarbeite.

Clemens schlägt demnach vor, dass in einem gemeinsamen Zentrum Spezialisten über die Sicherheit wichtiger IT-Systeme wachen. So könne der Schutz und die Reaktionszeit auf Cyberangriffe erhöht werden. Dazu solle ein Unternehmen gegründet werden, an dem sich weitere Firmen beteiligen könnten. Außerdem schwebt ihm eine Noteingreiftruppe vor, schreibt die "Financial Times Deutschland".

Am Dienstag trifft sich die Branche zum jährlichen IT-Gipfel der Bundesregierung, wo der Vorschlag diskutiert werden könnte. Die Initiative der Telekom geht deutlich weiter als das, was Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zum Thema Cybersicherheit vorschwebt. Friedrich hatte gefordert, dass Betreiber kritischer Infrastrukturen dem Staat Cyberangriffe melden sollen. Dazu gehören Energiekonzerne, Banken und Versorgungsunternehmen.

Meldepflicht für kritische Infrastrukturen

Branchenvertreter hatten beim Cybersecurity-Gipfel im September klar gemacht, dass sie viel von freiwilligem Austausch halten, weniger von staatlichen Verpflichtungen. Der Plan von Innenminister Friedrich, nach dem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Unternehmen prüfen und zertifizieren soll, bezieht sich vorerst nur auf die Betreiber kritischer Infrastruktur. Daraus soll noch vor der Bundestagswahl ein Gesetz werden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Die Telekom schlägt nun vor, dass die Wirtschaft selbst eine umfassendere Kooperation für mehr Cybersicherheit beginnt. Eine gesetzliche Meldepflicht allein reiche nicht aus, sagte Clemens der Zeitung. Das könnte sich durchaus als sinnvoll erweisen: Unternehmen haben meist kein Interesse daran, dass Informationen über Sicherheitslücken und Hackerangriffe an die Öffentlichkeit gelangen. Auch deshalb gibt es wohl Vorbehalte, Hackerangriffe in Echtzeit an Behörden zu melden.

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr ein Cyber-Abwehrzentrum eingerichtet. Dort arbeiten mehrere Bundesbehörden unter dem Dach des BSI in Bonn-Mehlem zusammen. Aktuelle Bedrohungen sollen registriert und entsprechende Maßnahmen für Behörden und Unternehmen vorgeschlagen werden. Die enge Zusammenarbeit von BSI, Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe, Verfassungsschutz, Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst, Bundeswehr und Zollkriminalamt ist allerdings umstritten. Eigentlich existiert ein Trennungsgebot zwischen Polizei und Nachrichtendiensten.

ore

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.