Cyberstalker: So schnüffelten NSA-Überwacher Geliebten hinterher
Eifersucht, Kontrollwahn, Voyeurismus: Die NSA veröffentlicht nun Details zu Fällen, in denen Mitarbeiter die Überwachungssysteme missbrauchten. Die Hemmschwelle war gering. Die meisten, die Geliebte oder Wildfremde ausspionierten, kamen mit milden Strafen davon.
Fünf Jahre lang spioniert ein Mitarbeiter der National Security Agency (NSA) eine Frau aus, mit der er Sex hat. Mit einer Spähsoftware überwacht der NSA-Agent alle ihre Anrufe. Die Frau arbeitet für die US-Regierung im Ausland. Sie schöpft Verdacht und erzählt einem Kollegen, dass sie glaube, überwacht zu werden. Eine Untersuchung ergibt, dass der NSA-Mitarbeiter nicht nur ihre, sondern insgesamt neun Rufnummern von Frauen überwacht und deren Gespräche belauscht hat.
Dies ist einer von mehreren Fällen aus den vergangenen zehn Jahren, in denen NSA-Mitarbeiter die Spähsoftware für private Zwecke missbraucht haben. Die NSA schildert Details zu zwölf solchen Fällen. Das Dokument hat der Geheimdienst dem US-Senator Charles E. Grassley geschickt. Der Politiker hatte im August dieses Jahres beim Geheimdienst eine Liste der Fälle angefordert, bei denen Mitarbeiter dabei erwischt wurden, wie sie vorsätzlich und bewusst die Spähprogramme missbraucht haben.
Das Dokument zeigt eine deutliche Tendenz: Die meisten Mitarbeiter, die Spähsoftware in den offengelegten Fällen illegal für ihren privaten Interessen eingesetzt hatten, haben ihre Geliebten oder Ex-Partner ausspioniert. Die Motive: Voyeurismus und Eifersucht. So auch im Jahr 2004: eine NSA-Mitarbeiterin soll damals eine Telefonnummer ausgespäht haben, die sie bei ihrem Mann auf dem Handy entdeckt hatte. Sie hatte laut NSA-Schreiben den Verdacht, dass er sie betrüge. Die Überwachung flog auf. Bevor die Aufsichtsbehörde weitere Schritte gegen sie einleiten konnte, hatte sie gekündigt.
Diese Praxis hat ihren eigenen Namen hat: "Loveint". Das Wort leitet sich ab von den Worten "Love" und "Intelligence" (Geheimdienst) ab. Im August hatte die NSA erstmals zugegeben, dass nicht nur unbeabsichtigte Regelverstöße innerhalb der Behörde passierten, sondern die Agenten die Spähsoftware durchaus für private Zwecke bewusst missbraucht haben.
Die Hemmschwelle für einen unerlaubten Einsatz der Spähsoftware scheint bei manchen NSA-Mitarbeitern so gering zu sein, dass sie auch vor völlig absurden Suchabfragen nicht zurückschrecken. So soll ein Mitglied einer Militäreinheit einige ausländische Telefonnummern abgehört haben, um die Landessprache dieser Nation besser zu lernen.
Die Strafen fallen meist recht milde aus. Einige der ertappten Mitarbeiter sind degradiert worden, andere bekamen einige Monate lang nur die Hälfte ihres Gehalts, andere werden entlassen. Wer selbst kündigt oder in Rente geht, kommt innerhalb der NSA meist ungeschoren davon.
jbr
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