Cyberwar: US-Regierung nimmt iranische Hacker ins Visier

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Washington will Beweise dafür haben, dass iranische Hacker hinter Angriffen auf Banken und Ölfirmen stecken. Und das sei ohne Wissen der Machthaber in Teheran nicht vorstellbar, heißt es aus Regierungskreisen. Kurz zuvor hatte das Pentagon neue Einsatzrichtlinien für den Cyberwar bekanntgegeben.

Kontrollraum des US-Heimatschutzes: Iranische Hacker sollen Banken angegriffen haben Zur Großansicht
REUTERS

Kontrollraum des US-Heimatschutzes: Iranische Hacker sollen Banken angegriffen haben

Die iranische Regierung soll mit für die Hacker-Angriffe auf verschiedene Ziele in den USA in den vergangenen Monaten verantwortlich sein. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Mitarbeiter der US-Regierung. Die Angriffe könnten bis nach Iran zurückverfolgt werden. Ohne die Hilfe offizieller Stellen hätten Hacker in dem Land nicht die nötigen Ressourcen, sagten die Regierungsmitarbeiter dem "Wall Street Journal". Die Beweise dazu seien allerdings geheim.

Betroffen waren offenbar die Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase und weitere Unternehmen. Sie wurden mit massenhaften Abfragen lahmgelegt. Ob es darüber hinaus Zugriff auf Daten gab, ist unbekannt. Die iranische Regierung wies damals Verdächtigungen zurück. Außerdem sollen iranische Hacker Energiekonzerne im Persischen Golf angegriffen haben. Die Angreifer, weniger als hundert sollen es sein, arbeiteten an Universitäten und Unternehmen für Netzwerksicherheit.

Ist das nun der Cyberwar? Die Anschuldigungen gegen Iran folgen auf eine Ankündigung neuer Einsatzrichtlinien zum Umgang mit Cyberangriffen, die US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Donnerstag vorstellte. Die USA müssten vorbereitet sein, "die Nation und unser nationales Interesse auch gegen Angriffe im oder durch den Cyberspace zu verteidigen", sagte Panetta. Es sei aber nicht möglich, Angriffe im Internet oder auf das Internet allein durch bessere Verteidigungsmaßnahmen zu verhindern.

Initiativrecht für den Cyberkrieg

"Wenn wir die unmittelbare Gefahr eines Angriffs ausmachen, der großen physischen Schaden anrichten oder amerikanische Bürger töten würde, benötigen wir die Option, unter Leitung des Präsidenten einschreiten zu können, um die Nation zu verteidigen", sagte Panetta. "Für diese Szenarien hat das Verteidigungsministerium Fähigkeiten für effektive Einsätze entwickelt, um Gefahren für unser nationales Interesse zu begegnen."

Panetta nutzte in seiner Rede nicht das Wort "Angriff". Er machte aber deutlich, dass das US-Militär die Kompetenz erhalten wird, in einem Cyberkrieg die Initiative zu übernehmen. Panetta soll als früherer CIA-Chef für die erfolgreiche Sabotage des iranischen Atomprogramms mitverantwortlich sein. Das sogenannte Stuxnet-Virus hatte die Steuercomputer der Urananreichung manipuliert. Der digitale Erstschlag soll von den USA und Israel ausgegangen sein, berichtete die "New York Times". Offiziell bestätigt wurden die Angriffe jedoch nicht.

Das Pentagon arbeitet außerdem seit mindestens zwei Jahren an einer Doktrin, nach der auf einen Cyberangriff auch mit konventionellen Waffen zurückgeschlagen werden kann - eine Auffassung, die offenbar auch die deutsche Bundesregierung vertritt. In einem Bericht des Verteidigungsministeriums an das Parlament heißt es, ein Cyberangriff könne im Einzelfall als bewaffneter Angriff auf einen Staat zu werten sein.

Kriminalität und Spionage

Dabei lassen sich Attacken im Cyberspace nur schwer mit absoluter Gewissheit einem Staat zuordnen. Internetangriffe lassen sich über Server im Ausland umlenken, Spuren verwischen, falsche Fährten legen. Weil die Unterscheidung so schwer ist, warnen Internetexperten vor dem Begriff Cyberwar. Jeder größere Zwischenfall im Netz werde schnell zum Cyber-Ernstfall erklärt, klagt Scott Charney von Microsoft. Dabei handle es sich oft schlicht um Kriminalität, um militärische oder Wirtschaftsspionage.

Was nichts daran ändert, dass Militärs in vielen Staaten mit der Cyber-Aufrüstung beschäftigt sind. Auch die Bundeswehr wappnet sich seit geraumer Zeit gegen Cyber-Attacken und verfügt seit Dezember 2011 über Experten, die selbst Angriffe im Internet starten können. Ein ranghoher Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums sagte am Freitag: "Alle, die uns schaden wollen, sollten wissen, dass das Verteidigungsministerium alles Notwendige unternehmen wird, um unsere Nation zu verteidigen."

Ein Pentagon-Sprecher hatte es bereits im vergangenen Jahr etwas pointierter ausgedrückt: "Wer die Stromnetze unseres Landes sabotiert, muss mit Raketen im Schornstein rechnen."

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Mit Material von AFP

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insgesamt 77 Beiträge
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1. naja
k-3.14 13.10.2012
Diesmal also keine mobilen Chemiewaffenlaboratorien sondern Cyberwarhacker. Einfach nur toll.
2. ...
Infared83 13.10.2012
Nun wissen wir auch, weshalb des neue Gesetz verabschiedet wurde und man jetzt mit den Anschuldigungen an die Öffentlichkeit geht.
3. Nichts Neues
kölschejung72 13.10.2012
Seit über zwei Monaten wird zum Beispiel bei "boKnowsEntertainment" Chanel auf Youtube der Cyberangriff angekündigt. Genauso wie eine Eskalation an Türkisch-Syrischen Grenze. Der Angriff wird das gesamte US-Finanzsystem treffen und direkte Auswirkungen auf jeden US Bürger haben. Grund: Anders ist das kriegsmüde Amerika nicht zum Angriff auf den Iran zu bewegen. Ganz sicher ist daher auch der Iran Urheber der Angriffe, wie uns Spiegel-Online wissen macht. Wer mehr Englisch versteht, ist klar im Vorteil und kann sich bei den amerikanischen Patrioten informieren, was gerade wirklich abläuft.
4. Wer den ersten Stein wirft
kalle_lutz 13.10.2012
Zitat von sysopDPAWashington will Beweise dafür haben, dass iranische Hacker hinter Angriffen auf Banken und Ölfirmen stecken. Und das sei ohne Wissen der Machthaber in Teheran nicht vorstellbar, heißt es aus Regierungskreisen. Kurz zuvor hatte das Pentagon neue Einsatzrichtlinien für den Cyberwar bekanntgegeben. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/cyberwar-iran-soll-hinter-hacker-angriffe-auf-die-usa-stecken-a-861086.html
Allem Anschein nach wurde der Iran von den USA mit dem Stuxnet Virus angegriffen und jetzt Antwortet der Iran Anscheinend entsprechend! Wen wundert das?
5. So gesehen
straff&locker 13.10.2012
Zitat von sysopDPAWashington will Beweise dafür haben, dass iranische Hacker hinter Angriffen auf Banken und Ölfirmen stecken. Und das sei ohne Wissen der Machthaber in Teheran nicht vorstellbar, heißt es aus Regierungskreisen. Kurz zuvor hatte das Pentagon neue Einsatzrichtlinien für den Cyberwar bekanntgegeben. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/cyberwar-iran-soll-hinter-hacker-angriffe-auf-die-usa-stecken-a-861086.html
Mal wieder einfach nur Quatsch und peinlich was die USAmerikaner da abziehen.
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