Safari zum Dagger Complex Vorsicht, freilaufende Spione!

"NSA-Spion-Schutzbund" in Aktion: Für die scherzhafte Entdeckertour eines jungen Griesheimers zum geheimen Dagger Complex interessierten sich zuerst die Staatsschützer, dann die Medien. Der zweite Ausflug wurde zur Demo gegen Überwachung. Mit Blumen, Kameras - und Drohneneinsatz.

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DPA

Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in Griesheim bei Darmstadt gegen die Überwachung durch Geheimdienste demonstriert - und zwar in Form eines ironischen "Spaziergangs" zum streng geheimen Dagger Complex. Es hieß, man wolle Spione beobachten.

Mit einer fast gleich lautenden scherzhaften Ankündigung auf Facebook ist Organisator Daniel Bangert zuvor weltweit bekannt geworden, weil die Blödelei im Netz Polizei und Staatsschutz auf den Plan gerufen hatte.

Die abgeschottete US-Einrichtung bei Darmstadt ist nicht dafür bekannt, besonders scharf auf Besuch zu sein, wie etwa Journalisten vor Ort berichten. Kurz nach dem ersten Facebook-Posting über eine geplante Beobachtungstour benachrichtigte die amerikanische Militärpolizei die deutschen Beamten, die Bangert aufsuchten. Die Medien berichteten über die Geschichte, und so kamen schon zur ersten Entdeckertour rund 70 "Spaziergänger". Begleitet wurden die Truppe von zwei Streifenwagen. Die große Aufmerksamkeit für den Vorfall nutzte der 28-jährige Bangert geschickt und lud gleich zu einer zweiten Spion-Safari ein - diesmal kam ein Vielfaches an Teilnehmern, laut Polizei ungefähr 450.

Bilder von der Veranstaltung zeigen einen bunten Protest: Mit Pappkameras, Bollerwagen und Mikrophon-Attrappen bewaffnet, zog ein munterer Demonstrationszug durch den Ort. Sie sind dem scherzhaften Charakter der Veranstaltung treu geblieben, kamen zum Teil verkleidet und mit Ferngläsern bewaffnet. Während der Demo twitterte jemand: "Achten Sie auf freilaufende Spione!" Die Demonstranten schmückten den Zaun des Areals mit Blumen, machten Bilder und schickten für Luftaufnahmen sogar eine Kamera-Drohne in die Luft, wie dieses YouTube-Video zeigt.

Bundesweite Demos geplant

Mit mehreren hundert Teilnehmern gehört die privat organisierte Demo am Dagger Complex schon zu einem der größten Straßenproteste, die es in Deutschland bisher zum Überwachungsskandal um Prism und Tempora gab. Bei einer Demonstration in Hannover Ende Juni kamen nach Angaben der Veranstalter etwa 500 Personen, zu einem Spontanprotest am Checkpoint Charlie in Berlin anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama nur einige Dutzend. Zahlreich vertreten ist dagegen stets die Presse - die Fotos von Transparenten am Checkpoint Charlie gingen um die Welt.

Allerdings: Je länger sich der Überwachungsskandal in den Schlagzeilen des Sommers hält, umso mehr scheint sich auch auf den Straßen zu tun. Zu einer spontanen Kundgebung vor dem US-Konsulat in Hamburg kamen zwar auch lediglich 300 Leute, aber die Art des Protestes hat sich verändert: Statt von den üblichen Verdächtigen bei solchen Themen - Hackern, Aktivisten, Piraten - ging dieser Protest wie der Griesheimer Spaziergang von einer Privatperson aus, die ein Zeichen gegen die Überwachung setzen will. Und auch das Publikum solcher Veranstaltungen kommt eher aus der Mitte der Gesellschaft.

Der erste groß angelegte Protest ist für den 27. Juli geplant. Unter dem Motto #StopWatchingUs soll dann bundesweit in den vielen großen Städten demonstriert werden - von Augsburg bis Hamburg und von Köln bis Leipzig.

Mit Material von AP

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 20.07.2013
1. Klasse! Klasse!
Suuuuuuper!!!! Ganz große Klasse! Und, das nun regelmäßig!
fuenfringe 20.07.2013
2. Wie geil ist das denn?
Zitat von sysopDPA"NSA-Spion-Schutzbund" in Aktion: Für die scherzhafte Entdeckertour eines jungen Griesheimers zum geheimen Dagger Complex interessierte sich erst der Staatsschutz, dann die Medien. Der zweite Ausflug wurde zur Demo gegen Überwachung. Mit Blumen, Kameras - und Drohnen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/daniel-bangert-und-mitstreiter-spazieren-zum-dagger-complex-a-912226.html
Das nächste Mal bin ich dabei... ich flieg auch persönlich als Drohne über das Gelände! Hahaha
hansepapa 20.07.2013
3. Samstagsspaziergang ...
.... analog montagsdemos ....
ronald1952 20.07.2013
4. Eines sollte diesen Herrschaften
Zitat von sysopDPA"NSA-Spion-Schutzbund" in Aktion: Für die scherzhafte Entdeckertour eines jungen Griesheimers zum geheimen Dagger Complex interessierte sich erst der Staatsschutz, dann die Medien. Der zweite Ausflug wurde zur Demo gegen Überwachung. Mit Blumen, Kameras - und Drohnen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/daniel-bangert-und-mitstreiter-spazieren-zum-dagger-complex-a-912226.html
eigendlich klar sein, Spionage erzeugt Gegenspionage auf der ganzen Bandbreite die nötig ist, um diesen Leuten aus dem Ausland einen Riegel vorzuschieben.Glauben diese Herrschaften denn, die Privaten IT- Experten sind Blöde? Spätesten dann, wenn man ihre sogenannten Geheimen Daten öffenlich in Nezt nachlesen kann, spätesten dann wissen diese Herrschaften, die Glauben sich alles erlauben zu können wie Dumm sie doch eigendlich sind. schönen Tag noch,
kantlesen 20.07.2013
5. Sehr gut!
Das ganze muß noch mindestens 2 Mal weiter stattfinden. Erst 70, dann 450, dann 2500 Leute, ... Es ist schon ein interessantes Gefühl, jemandem am Haupttor des Komplexes wenn auch in Ferne in die Augen sehen zu können, der die halbe Menschheit und ihre Bewegungen und Vorlieben nur noch als Datensatz kennt. Greenwald hat neue Enthüllungen angedeutet, da wird es weiter genug Anlässe geben. Und wenn der bisherige Anmelder berufsbedingt abspringen sollte, dürfte sich sicher jemand anderes finden zur Fortführung. Die Sache ist es wert.
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