Daten-Verknüpfung: Google wartet nicht auf Datenschützer

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Die europäischen Datenschützer haben Google vergeblich um Aufschub gebeten: Das Unternehmen hält an seinem Plan fest, einheitliche Bestimmungen für alle seine Dienste einzuführen. Künftig können so mehr Daten eines Nutzers verknüpft werden.

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dapd

Google-Seite: "Lieber Herr Page"

Hamburg - Es sind weitreichende Änderungen, auf die Google seine Nutzer seit Tagen hinweist: Ab 1. März gelten die selben Bestimmungen für den Datenschutz bei allen Google-Diensten, zuvor gab es für jedes Angebot eigene Regeln. Eine Erleichterung für die Nutzer - und für Google. Denn künftig können noch mehr Daten der verschiedenen Dienste miteinander verknüpft werden als bisher.

Über die bevorstehenden Änderungen hat Google zuständige Datenschützer in EU-Mitgliedstaaten zumindest in groben Zügen vorab informiert. Diese haben am Donnerstag mit einem gemeinsamen Schreiben geantwortet. Die "Artikel 29 Arbeitsgruppe", ein unabhängiges Gremium, in dem die Datenschützer der EU-Mitgliedstaaten versammelt sind, bittet Google darin um Aufschub.

Die Datenschützer schlagen Google-Chef Larry Page vor, die Einführung zu verschieben, bis eine Prüfung der Änderungen erfolgt ist. Man wolle erst mögliche Konsequenzen für den Schutz der persönlichen Daten untersuchen.

Google: Wir informieren Nutzer "wie noch nie zuvor"

Auf eine freiwillige Pause will sich der Konzern aber nicht einlassen. Man habe die Nutzer in einem Ausmaße "wie noch nie zuvor" über die neue Datenschutzerklärung informiert, teilte Google am Freitag mit. "Eine Verschiebung der neuen Datenschutzerklärung würde für erhebliche Verwirrung sorgen." Also weiter wie geplant - trotz der Bitte der Datenschützer. Von denen habe im Vorfeld keiner große Bedenken geäußert. Für Gespräche stehe man natürlich zur Verfügung.

Der Hamburgische Datenschutzbeauftrage Johannes Caspar, der in Deutschland für Google zuständig ist, begrüßt die Aufschubbitte der "Artikel 29 Gruppe". Auch er wurde von Google vorab über die Änderungen informiert. "Aber ohne die zugrunde liegenden Datenverarbeitungsprozesse zu kennen, ist eine Bewertung nicht möglich", so Caspar. Ihn stört außerdem, dass die Richtlinie nicht klar formuliert ist. "Da ist zum Teil vage von Möglichkeiten die Rede, so dass Nutzer nicht wissen, was nun wirklich mit ihren Daten passiert."

Von Google heißt es dazu, man wisse heute selbst noch nicht, was man mit den Nutzerdaten in Zukunft alles anstellen könne und wolle.

Frankreich kümmert sich um Googles Datenzentralisierung

Innerhalb der "Artikel 29 Gruppe" haben sich die Datenschützer darauf verständigt, dass in diesem Fall der französische Kollege mit seiner Behörde der Ansprechpartner für Google in der Europäischen Union sein soll. Frankreichs Datenschützer haben nicht den Ruf, gegenüber Google besonders freundlich eingestellt zu sein.

Genehmigen müssen die Datenschützer solche Änderungen nicht im Vorfeld, Google muss der Bitte also rein rechtlich gar nicht nachkommen. Sie können aber im Anschluss prüfen, ob sich der Konzern bei der Datenverarbeitung an die in der EU geltenden Gesetze hält.

Das koordinierte Vorgehen der Datenschützer soll künftig die Regel werden. EU-Kommissarin Viviane Reding hat im Januar eine geplante EU-Verordnung vorgestellt, die den Datenschutz in Europa einheitlich regeln soll. Vorgesehen ist das sogenannte "One Stop Shop"-Prinzip: Firmen sollen für die gesamte EU einen einzigen Ansprechpartner in Sachen Datenschutz haben, nicht in jedem Mitgliedstaat einen. Reding hatte Googles neue Datenschutzrichtlinie zunächst als Schritt in die richtige Richtung begrüßt.

Die "Artikel 29 Gruppe" zeigt, wie es später einmal die Regel sein könnte. Nun müssen nur noch die Konzerne mitspielen.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Härte zeigen
georoli 03.02.2012
dann müssen eben die Datenschützer auch einmal Härte zeigen. Für die personenbezogenen Daten europäischer Bürger gelten nun einmal europäische Gesetze und ein Abschalten sämtlicher Dienste von Google europaweit aus Datenschutzgründen würde sich dieser Gigant ob des verloren gegangenen Geschäftes doch sehr genau überlegen.
2. Die Datenkraken ...
MKasp 03.02.2012
... können sich zukünftig in von Finanzkrisen geschüttelte kleine Inselsstaaten zurückziehen und lassen sich von einem Datenschützer überprüfen, der extrem unter Druck steht, datenkrakenfreundlich zu sein, andernfalls die Krake die Arbeitsplätze verlagert .... Siehe Irland, siehe facebook: Da stellt der Datenschutzbeauftragte klare Mängel fest, verlautbart aber öffentlich geradezu das Gegenteil. Das lässt bereits eine Vorahnung zu auf die zukünftig noch häufiger zu erwartende Kniefälle der "Aufsichtsbehörden". Um wessen Daten geht es? Um unsere! Hier! Klagen wir dann als Privatbürger in Irland oder Malta, weil die deutsche Firma xyz ihr Rechenzentrum nach Malta verlegt hat? Nein, nein - die EU rennt weiter den Interessen der US-Unternehmen hinterher ... der EU-Bürger hat ja auch nichts zu melden. Übers EU-Parlament? Das hat ja selbst nichts zu melden, außer bei Luxus-Reiseveranstaltern und Wellness-Hotels in der Toskana ... dort allein, sind die EU-Parlamentarier gern gesehen. Dort hat dieses Feierabendparlament echten Einfluss!
3. Ich weiss nicht
felisconcolor 03.02.2012
Zitat von sysopDie europäischen Datenschützer haben Google vergeblich um Aufschub gebeten: Das Unternehmen hält an seinem Plan fest,*einheitliche Bestimmungen für alle seine Dienste einzuführen. Künftig können so*mehr Daten eines Nutzers verknüpft werden. Daten-Verknüpfung: Google*wartet nicht auf Datenschützer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,813183,00.html)
über was man sich aufregt. In Googles AGB steht doch ganz klar und deutlich. Wer damit nicht einverstanden ist der darf sich gern abmelden. Und hilft beim umziehen / ausziehen oder sonst was. Niemand ist gezwungen eine Waschmaschine von xyz zu kaufen er sie es darf das auch ruhig bei abc oder ijk tun. Wenn keiner bei Google ein Profil anlegt oder bei you tube ein Konto hat oder oder oder, dann kann es einem doch egal sein was Google tut. Es gibt genügend Alternativen... bis hin zu der Alternative einfach nichts von sich im Netz zu verbreiten. Allen Anderen sollten die Konsequenzen bewusst sein. Wenn nicht, who cares. Man kann schließlich nicht allen Usern den Po abwischen.
4.
sverris 03.02.2012
Zitat von felisconcolorüber was man sich aufregt. In Googles AGB steht doch ganz klar und deutlich. Wer damit nicht einverstanden ist der darf sich gern abmelden. Und hilft beim umziehen / ausziehen oder sonst was. Niemand ist gezwungen eine Waschmaschine von xyz zu kaufen er sie es darf das auch ruhig bei abc oder ijk tun. ...
Das "niemand ist gezwungen"-Argument ist schwach: kein Mensch weiß mehr, was hinter den Kulissen genau spielt - und es ist dem Normalnutzer nichtmehr zuzumuten, das selbst alles zu klären. Irgendwelche AGBs ändern daran nichts, und noch weniger, weil Google den Markt beherrscht. Die Idee des mündigen Nutzers in Ehren; sie ist jedoch unrealistisch. Deswegen muss Datenschutz agieren. Der Nutzer selbst dennoch auch: Sie haben Recht mit dem Verweis auf Alternativen. Und man kann sich mit selbst zu installierenden Plugins wie Noscript und Adblockplus ein wenig selbst schützen...
5.
mr.ious 03.02.2012
Zitat von felisconcolor............................ Es gibt genügend Alternativen... bis hin zu der Alternative einfach nichts von sich im Netz zu verbreiten. Allen Anderen sollten die Konsequenzen bewusst sein. Wenn nicht, who cares. Man kann schließlich nicht allen Usern den Po abwischen.
Was mir vor ein paar Stunden beim erfrischenden Einkaufsspaziergang so durchh den Kopf ging, daß war mit der Erkenntnis verbunden das das alles rundherum betrachtet, was die letzen Monate und Jahre so diskutiert wird, ein riesen Defizit im Bildungswesen der letzten 20 Jahre zum Ausdruck bringt und sonst nichts.
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