Neue Netzwerk-Regeln: Facebook will noch mehr Nutzerdaten weitergeben

Neue Bedingungen für die Facebook-Nutzung: Auf seiner Website hat der Konzern ein langes Dokument mit geänderten Nutzungsregeln versteckt. Den Mitgliedern wird Mitsprache eingeräumt - doch Datenschützer bemängeln fehlende Aufklärung.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Das Netzwerk greift nach Nutzerdaten Zur Großansicht
dapd

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Das Netzwerk greift nach Nutzerdaten

Hamburg - Facebook stößt mit einer geplanten Überarbeitung seiner Nutzungsbedingungen auf Kritik. Die Datenschutzbeauftragten von Hamburg und Schleswig-Holstein bemängeln in einer gemeinsamen Erklärung, dass die neuen Regeln die Rechte der Nutzer weiter einschränkten. So behalte sich Facebook vor, weitere Änderungen an den Nutzungsbedingungen vorzunehmen, ohne die Zustimmung der Nutzer einzuholen.

Außerdem sollen Daten, die mit anderen Nutzern geteilt werden, von diesen nun auch standardmäßig an Apps weitergegeben werden dürfen. Diese Änderung schreibt offenbar den Status quo fest - bisher kann man in den Privatsphäre-Einstellungen diese Datenweitergabe nachträglich einschränken. Schließlich verbietet Facebook ausdrücklich, Quelltexte von Facebook-Anwendungen auszulesen.

In der vorgeschlagenen Neuversion, einem rund 37.000 Zeichen langen Text, sind die Änderungen nicht hervorgehoben. Dem Text ist immerhin eine knappe, vage Umschreibung der angeblich wichtigsten Änderungen vorangestellt.

In dem Dokument räumt sich Facebook eine Pauschalzustimmung zu allen künftigen Änderungen ein. Wörtlich heißt es in dem Dokument:

"Deine weitere Nutzung von Facebook nach Änderungen an unseren Bedingungen bedeutet gleichzeitig dein Akzeptieren unserer geänderten Bedingungen"

Ein weiteres Dokument mit Regeln nur für deutsche Facebook-Nutzer wird in dem Text erwähnt: "Bestimmte Bedingungen, die nur für deutsche Nutzer gelten, findest du hier." Doch der entsprechende Link auf das Dokument fehlte, wie schon ein Kommentator am 16. März - ohne Reaktion von Facebook - angemerkt hatte. Facebook teilte auf unsere Anfrage mit, es handele sich um bereits existierende Zusätze, die nicht geändert würden.

Das Online-Netzwerk behauptet, die Aktualisierung trage zu einem "besseren Verständnis der Funktionsweise von Facebook" bei. Zudem würden die Änderungen publik gemacht und unter Einbeziehung der Nutzer vorgenommen.

Facebook informiert auf der Seite "Facebook Site Governance" über geplante Änderungen an den Nutzungsbedingungen. Nutzer müssen auf den "Gefällt mir"-Knopf der Seite drücken, damit Neuigkeiten automatisch in ihre Timeline einlaufen, also dem zentralen Ticker mit Meldungen aus dem Netzwerk. Die Aktualisierung der "Erklärung der Rechte und Pflichten" steht seit dem 15. März zur Diskussion, bis Freitag 1 Uhr können Nutzer Änderungsvorschläge machen.

Bei mehr als 7000 Kommentaren zu einer Änderung will das Unternehmen mehrere Alternativen zur Abstimmung stellen - am Mittwochnachmittag waren es nicht einmal 500. Sollten die Kommentare dennoch zusammen kommen, will Facebook verschiedene Versionen zur Abstimmung stellen. Verbindlich wird so eine Abstimmung allerdings nur, wenn sich 30 Prozent der weltweiten Nutzer daran beteiligen.

Die Datenschützer halten das nicht für ausreichend. "Eine wirksame Einwilligung der Nutzer scheitert vor allem an einer klaren Aufklärung über die Datenverarbeitung und der fehlenden Wahlmöglichkeit für die Betroffenen, die Verwendung ihrer Nutzungs- und Inhaltsdaten für Werbezwecke zu untersagen", erklärte der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert.

Facebook verpasse es, das Recht der Nutzer, selbst über den Umfang der Datenverwendung zu entscheiden, "hinreichend zu beachten und technisch umzusetzen", erklärte Johannes Caspar, der Beauftragte für den Datenschützer in Hamburg.

"TechCrunch" hat die Änderungen im Vergleich zur vorherigen Version in einem Dokument aufbereitet:

Proposed Changes 3 16 2012 to Facebook's Statement of Rights and Responsibilities - TechCrunch

ore/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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1.
Babs50+ 21.03.2012
Facebook braucht man maximal um auf manchen blogsites zu kommentieren. Dazu einmal Mozilla mit anonymox und default user agent runterladen, falschen Namen eingeben und gut isses. Private Daten und Freunde werden über das normale, jeweils wechselnde mailprogramm gepflegt. OHNE Facebook. Für berufliche Kontakte gibt es eine Standart-Mail, die beim jeweiligen Jobwechsel geändert wird. So What ???????
2.
abryx 21.03.2012
Ich habe bereits vor einige Tagen meinen Facebook-Account gelöscht. Seltsam: Manche Leute meinen dann, ich hätte sie"gekickt" und nehmen dann so was sehr persönlich. Jetzt weis ich, was Social Live 2.0 bedeutet und kann trotzdem gerne darauf verzichten.
3. Wieso FB-Anmeldung für Blogs?
Eranas 21.03.2012
Zitat von Babs50+Facebook braucht man maximal um auf manchen blogsites zu kommentieren. So What ???????
Ich frage mich generell, warum soll mich für Blogs oder Programme extra bei Facebook anmelden? Mich nervt dieser FB-Zwang! Und erst recht habe ich keine Lust mir zig Fake-Accounts einzurichten. Zum Glück ist mein 3-monatige langen FB-Test vorbei und auch wieder so weit es mir möglich war, wieder gelöscht. Ansonsten wäre jetzt der Zeit-punkt dafür gewesen
4. So ist das ...
gutman 21.03.2012
Zitat von EranasIch frage mich generell, warum soll mich für Blogs oder Programme extra bei Facebook anmelden? Mich nervt dieser FB-Zwang! Und erst recht habe ich keine Lust mir zig Fake-Accounts einzurichten. ...
Das ist der Trick. Steam macht es vor. Demnächst wird FB Zwang für bestimmte Programme, ansonsten gibt es die eben nicht für Dich. Genau das wird FB tun, den die Aktionäre wollen demnächst Rendite sehen, da ist dann jede Seele, die sich bei FB reinhängt, diue man reinzwingen kann noch mehr Geld wert. FB ist ein Net-Verhängnis!
5.
Luscinia007 21.03.2012
Zitat von sysopNeue Bedingungen für die Facebook-Nutzung: Auf seiner Website hat der Konzern ein langes Dokument mit geänderten Nutzungsregeln versteckt. Den Mitgliedern wird Mitsprache eingeräumt - doch Datenschützer bemängeln fehlende Aufklärung. Neue Netzwerk-Regeln: Facebook will noch mehr Nutzerdaten weitergeben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,822868,00.html)
Wie passt denn das zusammen? Da schimpft der SPON-Artikel - zurecht - über das Datenschutz- und Monopol-Ausnutze-Verhalten von Facebook, aber unter dem Artikel ist selbstverständlich der Link, um sich bei Facebook zu registrieren oder den Artikel seinen Facebook-Freunden mitzuteilen. Ein bißchen Konsequenz würde hier SPON gut zu "face" stehen.
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Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
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MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...


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