Überwachung beim Fahrdienst US-Senator verlangt Aufklärung über Ubers "God View"

Nach beunruhigenden Äußerungen eines Managers wird über die Machtfülle von Uber-Angestellten diskutiert. Angeblich können sie die Wege aller Passagiere live verfolgen. Ein US-Senator stellt Konzernchef Kalanick zur Rede. Ashton Kutcher dagegen springt Uber bei.

Fahrdienst-App Uber: "Götterblick" für die Angestellten?
DPA

Fahrdienst-App Uber: "Götterblick" für die Angestellten?


Der demokratische US-Senator Al Franken verlangt Aufklärung von Uber-Chef Travis Kalanick. Franken schrieb einen offenen Brief an den Gründer des Fahrdienstes, der potenzielle Passagiere und freiberuflich arbeitende Fahrer mittels einer App verknüpft. Unter anderem fordert Franken Antworten zu der Frage, wie genau es Uber mit dem Datenschutz nimmt. Vor wenigen Tagen hatte ein Bericht für Aufsehen gesorgt, demzufolge ein Spitzenmanager des Unternehmens bei einem Abendessen mit prominenten Gästen laut darüber nachgedacht hatte, unliebsame Journalisten und deren Familien von einem Team von Ermittlern beobachten zu lassen. "Buzzfeed" berichtete auch über eine Journalistin, deren Aufenthaltsorte ein Uber-Manager mithilfe der eigenen App nachverfolgt hatte. Eine Uber-Sprecherin hatte daraufhin betont, diese Art von Zugriff auf Kundendaten sei streng reglementiert und auf "legitime Geschäftszwecke" beschränkt.

Franken schreibt nun, er sei "besonders beunruhigt", weil es offenbar Belege gebe, dass die Praxis bei Uber anders aussehe als von einer Sprecherin behauptet: "Es gibt Berichte, dass ein Werkzeug namens 'God View' 'den meisten Uber-Angestellten zur Verfügung steht', das den Angestellten erlaubt, den Aufenthaltsort von Uber-Kunden zu verfolgen, die einen Wagen angefordert haben." Frankens Fragen gehen auf einen weiteren "Buzzfeed"-Bericht zurück, in dem zwei ungenannte ehemalige Uber-Mitarbeiter zum Thema "God View" zitiert werden. Der Senator will nun von Kalanick wissen: "Wem steht dieses sogenannte 'God View'-Werkzeug zur Verfügung und warum? Welche Schritte haben Sie unternommen, um den Zugang zu begrenzen?"

Ashton Kutcher findet: Journalisten überwachen ist ok

Der "Buzzfeed"-Bericht ist nicht der einzige, in dem es um Ubers angeblichen "Götterblick" geht. Der Wagniskapitalgeber Peter Sims hatte schon im September eine ebenfalls beunruhigende Geschichte über Uber in seinem Blog notiert: Im Jahr 2011 sei er in einem Uber-Fahrzeug in New York unterwegs gewesen, als eine flüchtige Bekannte begann, ihm in einer Reihe von SMS seinen jeweils aktuellen Standort mitzuteilen. Schließlich habe sie verraten, dass sie sich gerade bei einer Uber-Party in Chicago aufhalte und dort sein Standort neben dem weiterer in der Tech-Welt prominenter Personen live auf einer Karte angezeigt werde. Sims schreibt, er sei "erbost" gewesen, heute nutze er Uber nicht mehr.

Neben Franken hat sich in die Debatte über Uber ein weiterer Prominenter eingemischt - allerdings mit offenkundig anderen Absichten. Der Schauspieler Ashton Kutcher ("Two and a Half Men"), der selbst Geld in Uber investiert hat, verteidigte via Twitter die Idee, kritische Journalisten durch Ermittler ausspähen zu lassen. "Was ist so falsch daran, Schmutz über zwielichtige Journalisten auszugraben?" fragte Kutcher öffentlich, und sprach dabei sowohl das US-Techblog "Techcrunch" als auch die Seite "Pando Daily" direkt an. "Pando"-Chefredakteurin Sarah Lacy hatte der Uber-Manager Emil Michael explizit genannt, als er über das mögliche Ausspähen von Journalisten und deren Familien sinnierte.

cis



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Seite 1
drmedwurst 20.11.2014
1. Kommt drauf an..
.. wofür man das Feature benutzt. Zum finden des Kunden, okay, zum ständigen überwachen nicht. Aber Ubers Skandalpublicity funktioniert, jeden Tag gibts irgendwas neues von denen.
p-touch 20.11.2014
2.
Soll Ueber halt seine App der NSA zur Verfügung stellen und alles wird gut.
tomymind 20.11.2014
3.
Weder PandoDaily noch Techchrunch sind zwielichtige Seiten die Schmutz schreiben, sondern über Neuigkeiten oder Geheimnisse aus der Internet Community. Scheint einigen nicht zu passen. Frage mich, warum wohl?
ärgerhochzwei 20.11.2014
4. Verschwörung
Was gemacht werden kann wird auch gemacht. Siehe Atombombe. So einfach ist das. Bin ja mal gespannt was der deutsche Datenschützerkasper dazu sagt. Zum Glück wird bei TTIP ja auf den hohen deutschen Standard bei Datenschutz geachtet. Ich Vertraue da ganz auf die deutschen Politiker und werde garantiert nie im Leben Facebook oder Uber nutzen.
ub1 20.11.2014
5. Nach dem Artikel ...
nimmt wohl jedermann Abstand von Uber. Mit Recht. Wird sicherlich zu einer Menge Anzeigen und Schadensersatzforderungen auch gegen Uber-Fahrer führen. Recht so. Solche Geschäftsmodelle müssen aufhören.
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