Datenschutz: Facebook-Kritiker wollen vor Gericht

Was darf Facebook über europäische Nutzer speichern, wie darf der Konzern die Daten nutzen? Studenten aus Wien wollen sich nicht länger auf die zuständige Aufsichtsbehörde verlassen - und überlegen, juristisch gegen einen Prüfbericht vorzugehen.

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dapd

Facebook-Logo: Wiener Studenten wollen Datenschutz einklagen

Wien - Die österreichische Studentengruppe "Europe-v-Facebook" plant, gegen den Facebook-Prüfbericht der irischen Datenschutzbehörde gerichtlich vorzugehen. Das teilte die Gruppe am Dienstag mit. "Das Verfahren könnte zu einem der größten Musterverfahren im Bereich Datenschutz werden und hätte gute Chancen bis zum Europäischen Gerichtshof zu laufen", heißt es in der Mitteilung.

Die Studentengruppe dringt seit längerem auf einen besseren Datenschutz für Facebook-Nutzer und hat bereits etliche Anzeigen gegen die Internetplattform eingebracht. Seither kümmert sich die zuständige Datenschutzbehörde in Irland um den Fall - dort hat die Europa-Tochter von Facebook ihren Sitz. Zwar habe Facebook nun auf einige der Kritikpunkte reagiert und beispielsweise die Gesichtserkennung abgeschaltet, Daten gelöscht und die Datenschutzrichtlinie geändert, erklärten die Studenten.

Das reicht den Studenten allerdings nicht. Sie beklagen, dass die Behörde ihre Anzeigen nicht ausreichend bei ihrer Prüfung berücksichtigt habe - und dass die Iren "massiv vom gemeinsamen Rechtsverständnis der Europäischen Union" abweichen würden. Weil eine "rechtskonforme Lösung vor der irischen Datenschutzbehörde" derzeit nicht absehbar sei, bereite sich "Europe-v-Facebook" nun auf ein Gerichtsverfahren vor.

Der irische Prüfbericht wurde auch vom schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert als "nicht ausreichend" kritisiert. "Es gab keine rechtliche Prüfung der Datenverarbeitung, wichtige Fragen bleiben unbeantwortet, zum Beispiel bei Verarbeitung von Cookie- und Social-Plugin-Daten", sagte Weichert im September.

Offen ist aber noch, wie die Studenten die Klage finanzieren wollen. Nach eigener Einschätzung dürften die Studenten zwischen 100.000 und 300.000 Euro benötigen - die sie unter anderem über eine Spendenplattform im Internet einsammeln wollen. "Gemeinsam für ernsthaften Datenschutz", heißt es auf der extra eingerichteten Seite.

Facebook ist immer wieder mit dem Vorwurf für die Nutzer nachteiliger Datenschutzregeln konfrontiert. Aktuell will Facebook die Regeln ändern, um unter anderem Daten mit anderen Firmen im Firmenverbund teilen zu können. Außerdem sollen die bislang wenig erfolgreichen Nutzer-Abstimmungen über neue Regeln mit dieser Nutzer-Abstimmung abgeschafft werden.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hieß es in dieser Meldung, Facebook könnte ein langwieriges Gerichtsverfahren in Europa drohen. Wir haben diese Information von der Nachrichtenagentur Reuters übernommen. Tatsächlich erwägen die Studenten, gegen die irische Aufsichtsbehörde vorzugehen.

ore/Reuters

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1. Wahn(sinn)
BK_M 04.12.2012
Klagen, klagen und sich beklagen. Warum? Warum hört diese stetige Entmündigung der Bürger nicht auf? Warum muss man permanent klagen? Jeder kann doch selbst entscheiden ob er bei facebook mitmachen will! Wenn es mir nicht passt, was facebook macht, dann lass ich es eben. Keiner zwingt mich dazu facebook beizutreten - ich trete ja auch keinem tennisclub bei, dessen regeln mir nicht passen, nur um dann zu klagen. Genausowenig wie mich jemand zwingt ein Apple Produkt zu kaufen. Wenn es Apple's Philosophie ist ein geschlossenes System zu haben, dann ist das so. Warum sich also darüber beklagen, kritisieren und diabolisieren? Es gibt wichtigeres - sollen die doch lieber gegen die Vorgehensweise der Energiekonzerne klagen und ihre Energie darauf verwenden, anstatt diesen dämlichen facebook-datenschutz-müll an den pranger zu stellen.
2.
Schalke 04.12.2012
Zwingt jemand einen mit vorgehaltener Waffe in die "sozialen" Netzwerke? Ich denke nicht. Wem es dort nicht paßt kann ja gehen.
3.
plantagenet67 04.12.2012
Zitat von BK_MKeiner zwingt mich dazu facebook beizutreten - ich trete ja auch keinem tennisclub bei, dessen regeln mir nicht passen, nur um dann zu klagen.
Nein, aber ich kann mich nicht dagegen wehren wenn meine Daten über abgegriffene Telefonbucheinträge der Facebookmitlieder bei diesem Datenkraken landen. Auch Fotos von mir kann ich dort nicht verhindern. Schluss mit diesem Datenmissbrauch.
4. Warum?
Thyphon 04.12.2012
Zitat von BK_MKlagen, klagen und sich beklagen. Warum? Warum hört diese stetige Entmündigung der Bürger nicht auf? Warum muss man permanent klagen? Jeder kann doch selbst entscheiden ob er bei facebook mitmachen will! Wenn es mir nicht passt, was facebook macht, dann lass ich es eben. Keiner zwingt mich dazu facebook beizutreten - ich trete ja auch keinem tennisclub bei, dessen regeln mir nicht passen, nur um dann zu klagen. Genausowenig wie mich jemand zwingt ein Apple Produkt zu kaufen. Wenn es Apple's Philosophie ist ein geschlossenes System zu haben, dann ist das so. Warum sich also darüber beklagen, kritisieren und diabolisieren?
Weil Facebook gegen geltendes Recht verstößt. Es ist schon erstaunlich, welch verquere Logik so mancher Mitmensch an den Tag legt. Es zwingt Sie auch keiner, ein Handy zu benutzen, aber wenn Ihr Provider Sie mit versteckten Klauseln im Vertrag abzuzocken versucht, wehren Sie sich dann nicht? Was machen Sie, wenn ihr Vermieter sich weigert, seinen Pflichen nachzukommen, oder wenn ein von Ihnen engagierter Handwerker Ihnen eine zu hohe Rechnung stellt? Auch wenn Sie niemand gezwungen hat, eine Mietwohnung zu beziehen oder den Handwerker anzuheuern werden Sie sich doch hoffentlich wehren? Denn so funktioniert unser Rechts- und Wertesystem. Wenn jemand gegen geltendes Recht verstößt, um einen Anderen zu übervorteilen, sollte man sich dagegen wehren auch wenn einen niemand gezwungen hat, sich übervorteilen zu lassen.. ;)
5. für umsonst ist nichts ...
justwiesel 04.12.2012
Telefonabzocke? Handwerkerrechnung? Ihre Argumentation ersteh ich nicht. Wenn Ihnen Facebook Geld aus der eigenen Tasche zieht, können wir das noch einmal überdenken. Da Facbook aber seine Dienste komplett umsonst anbietet, können sie doch nicht übervorteilt werden. Wenn Sie nicht möchten, dass Adressdaten aus dem Adressbuch gezogen werden, stellen Sie die Funktion aus. Wenn Sie nicht möchten, dass Bilder von Ihnen im Netz rumgereicht werden, stellen Sie keine rein oder nur solche auf denen Sie nicht erkennbar sind. Sie tackern ja auch nicht Ihre nächtlichen Erfahrungen an jeden Baum in Ihrer Wohngegend. In der Online-Welt von heute muss man sich eben bewusst machen, welche Daten ich der Welt zur Verfügung stelle. Ein falscher Ansatz ist es da zu sagen, Oh, ich fülle zwar mein FB-Profil komplett und detailiert aus aber die vorhandenen Privatsphäre-Einstellungen brauch ich mir nicht anzuschauen. Die Ponnyhofzeiten sind schon lange vorbei. Jeder ist für seinen Datenausstoß im Netz selbst verantwortlich.
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4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
5. Visa (Kredit- karten) 2008 19,65 USA
6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland
* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters


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