Datenschutz-Grundverordnung Ab sofort gelten die EU-Regeln

Mit dem heutigen Tag gelten in Europa die neuen Datenschutzregeln. Datenschützer rechnen mit zahlreichen Verstößen zum Start.

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Nach zweijähriger Übergangsfrist gelten in Europa ab sofort einheitliche Datenschutzregeln. Alle 28 EU-Staaten müssen vom heutigen Freitag an die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung anwenden. Dadurch wird die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen, Vereine oder Behörden deutlich strenger geregelt als bisher.

So müssen Verbraucher fortan darüber informiert werden, wer Daten wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Ausweisnummer aus welchem Grund sammelt - und sie müssen zustimmen. Zudem müssen Daten, die für den ursprünglichen Zweck der Speicherung nicht mehr benötigt werden, gelöscht werden.

Unternehmen und Organisationen müssen gespeicherte Daten außerdem auf Anfrage zur Verfügung stellen. Bei Verstößen gegen die neuen Regeln drohen saftige Strafen. Unternehmen können mit Zahlungen bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes belegt werden. Beschweren können sich die EU-Bürger künftig bei den nationalen Datenschutzbehörden. (Lesen Sie hier das "Endlich verständlich" zum Thema DSGVO.)

Verstöße gleich am ersten Tag?

Die Datenschützerin Andrea Jelinek rechnet gleich am ersten Tag mit gemeldeten Verstößen bei den nationalen Datenschutzbehörden. "Ich bin sicher, dass es gleich am Freitag Beschwerden geben wird. Wenn die Beschwerden kommen, werden wir bereit sein." Jelinek ist Chefin der österreichischen Datenschutzbehörde und leitete zuletzt eine EU-Datenschutzgruppe, die die EU-Kommission bei dem Thema beriet. An diesem Freitag wird diese Gruppe vom neuen Europäischen Datenschutzausschuss abgelöst, zu dessen Vorsitzender Jelinek aller Voraussicht nach am Freitagvormittag gewählt wird.

Die neue EU-Institution soll die Umsetzung des neuen Datenschutzes überwachen und die EU-Kommission beraten. Zudem kann sie Empfehlungen zur Umsetzung der neuen Regeln bereitstellen. Sie besteht unter anderem aus Vertretern aller nationalen Datenschutzbehörden.

Verbraucherschützer bezeichnen die neuen Regeln als Meilenstein für den Datenschutz. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sowie Vereine fürchten jedoch den bürokratischen Aufwand und unverhältnismäßig hohe Strafen. "Wenn etwas immer näher rückt, werden manche immer aufgeregter", sagte Datenschützerin Jelinek. Sie betonte jedoch: Wer schon vorher im Einklang mit dem deutschen Recht gearbeitet habe, werde auch künftig kein Problem haben. "Der 25. Mai ist nicht das Ende (...), er ist der Beginn einer neuen Ära des Datenschutzes - für alle von uns."

mkl/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
trex#1 25.05.2018
1.
Während in Deutschland das neue Bürokratie-Ungeheuer Kosten verursacht, über deren Höhe ich bisher noch nirgendwo etwas gelesen habe, würde mich mal interessieren, ob im Rest der EU auch so ein Theater gemacht wird. Wann lese ich in der Presse mal eine Recherche, wie z.B. in Griechenland, Rumänien, Frankreich oder anderen Ländern diese Verordnung umgesetzt wird. Oder lachen die sich nur schlapp über die Trolle aus Brüssel? Während der Kontrollverlust des Staates in Deutschland immer mehr zunimmt, tobt er sich jetzt an irren Datenschutzvorschriften aus.
genewolfe 25.05.2018
2. Großer Erfolg für die EU
Die Sportvereine sind richtig begeistert sein, jetzt für jede Veröffentlichung von Sportergebnissen oder Ranglisten eine Erlaubnis des Sportlers zu benötigen. Man denke nur an den ganzen Missbrauch, der mit diesen Daten bisher getrieben wurde. Wir sind auf dem richtigen Weg !
garfield53 25.05.2018
3. mmm
Was soll der Witz? Unsere Daten werden weiterhin "abgegriffen", wie schon immer. Ansonsten gäbe es kein Internet und andere Netzwerke, wenn "interessierte" Seiten bei "Bedarf" oder flächendeckend, nicht mitlesen und sammeln könnten. Es bleibt, seit dem der Homo sapiens sprechen kann, die sicherste Methode zu kommunizieren, das Zwiegespräch, Auge in Auge. Alles andere, vom Brief bis Telefonat und die s.g. "neuen" Medien, welche das "Mitlesen" noch einfacher machen, wir wollten es so, nun müssen wir es akzeptieren. Genauso, wie ich weis, wenn ich mehrmals den Forumswächtern mit einer "abweichenden" Meinung "aufgefallen" bin, der eine oder ander Beitrag mal "verschwindet" und andere für "schlechte" Zeiten gesammelt werden. Wäre das nicht so, wäre ich verdammt beunruhigt über deren Unprofessionalität. Der Klamauk um "Datensicherheit", Leute, glaubt ihr es wirklich? Dann ist euch nicht mehr zu helfen.
advocatus diaboĺi 25.05.2018
4. Endlich geht es Firmen und Bloggern an den Kragen
Ohne eine ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen deren Visitenkarten aufbewahren, Telefonnummern im Handy speichern oder bei einem Kirchenfest Fotos zu machen und dann auf FB veröffentlichen... vorbei. Auch in den sozialen Netzen und im internet kehrt jetzt wieder Ordnung ein. Wer bei seinem Blog eine Kommentarfunktion betreibt, für den gilt die DSGVO, also Schluss damit. Keine Fake News mehr, die etablierten Medien gewinnen wieder ihre Informations- und Meinungshoheit zurück. Die Verbraucher werden nicht mehr von den unsäglichen Websites der Handwerker und Freiberuflern belästig, der persönliche Kontakt wird wieder im Vordergrund stehen. Recht und Gesetzt müssen durchgesetzt werden. Die anderen europäischen Ländern beneiden uns um unser selbstreinigendes Abmahnwesen, das der Durchsetzung der Gesetze fördert, goldene Zeiten für diese Branche brechen jetzt an.
Lemmingeforscher 25.05.2018
5. Schutzimpfung für eine Leiche
Großartig! Nachdem alle unsere Daten schon gesammelt sind kommt ein Gesetz welches das in Zukunft verbietet. Daten welche für den ursprünglichen Zweck nicht mehr gebraucht werden müsste gelöscht werden. Der ursprüngliche Zweck war sie zu besitzen und dann beliebig oft zu verkaufen. Solange sie gekauft werden ist der ursprüngliche Zweck erfüllt. Was für Stümper sind doch im Vergleich dazu die Schildbürger gewesen. Als Nächstes werden Fossilien Motoren 2060 verboten, 30 Jahre nachdem keine Motoren mehr produziert werden. Was für ein Glück wir doch alle haben von derartigen Experten verwaltet werden. Das nenne ich doch mal Wirtschaftspolitik. Der Behörden Krebs mit seinen Metastasen wächst derartig schnell, dass die Arbeitslosen welche sie mit ihren genialen Gesetzen schaffen, restlos aufgesogen werden.
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