Streitgespräch Lobo gegen Albrecht Was taugen die neuen Datenschutzregeln der EU?

Bevormundet von Konzernen und Datenschützern: Kolumnist Sascha Lobo übte Kritik an der DSGVO, EU-Politiker Jan Philipp Albrecht widersprach im Netz. In einer Podcast-Sonderausgabe treffen beide nun aufeinander.

Sascha Lobo (links) und Jan Philipp Albrecht
DPA

Sascha Lobo (links) und Jan Philipp Albrecht


Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #41: Albrecht, Lobo und die DSGVO

Die neuen Datenschutzregeln der EU nahm Kolumnist Sascha Lobo zum Anlass, seine Haltung zum Thema zu skizzieren. "Mir stößt vor allem der Geist des Datenschutzes auf, denn meiner Ansicht nach wird der Übergriffigkeit der Digitalkonzerne ein Paternalismus der Datenschützer entgegengesetzt", schrieb Lobo unter anderem. Die neuen EU-Regeln seien zwar überwiegend sinnvoll, jedoch dürfte die Wirkung eine andere sein, als die von Datenschützern und Datenschutz-Kritikern erwartete, glaubt Lobo.

Seine Kolumne wiederum nahm einer der Architekten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), der Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht, zum Anlass, über "häufig verbreitete Mythen" aufzuklären. Lobo kommentierte zurück.

In dieser Sonderausgabe von Lobos Debatten-Podcast auf SPIEGEL ONLINE treffen nun beide - Lobo und Albrecht - im persönlichen Gespräch aufeinander, um über den richtigen Umgang mit Daten im Digitalen zu streiten.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Arbeitsmediziner 28.05.2018
1. Warum sollten die DS-Behörden nicht erstmal an die Kleinen ran?
Leider verstehe ich nicht die Überzeugung, dass die Aufsichtsbehörden zunächst die großen Player im Visier haben. Sie mögen sie im Visier haben, aber sie werden sich möglicherweise die Zähne ausbeißen. Wenn sie schon bei einfachen Anfragen (wegen Personalmangel) bei Lobo nicht reagieren, dann holt man sich doch für die Reputation Ihrer Tätigkeit die kleinen Blogger oder Betreiber von privaten oder als Einzelselbständiger geführten Internetseiten. Ist in anderen Bereichen (Wirtschaftskriminalität) ähnlich. Die Einführung der Meldung von Überweisungen hoher Beträge hat zwar den Datenaustausch gesteigert, aber diese Kriminalität nicht gebannt. Ich zähle bei Verstößen gegen die DGVO dann einfach die Einzelbetriebe, denen ich ein kleines Bußgeld aufdrücken kann und zähle hoch. Als Aufsichtsbehörde habe ich dann eine eigenst gestrickte "Statistik", aber die Datenschutz-Frevler haben die besseren Anwälte... Da ist man durchaus kreativ in "angewandter" Statistik.
Meo1073 28.05.2018
2. lobbygesetz(?)
Das fragt man sich wieder. Wieso? Amazon, Google, Nestlé, Unilever, und Co. beschäftigen Dutzende firmeneigene Juristen, die solche Gesetze im Handumdrehen und mit entsprechender Finanzkraft umsetzen. Wir Kleinen Betriebe haben es schwer an Informationen ran zu kommen und die Verwaltung und Umsetzung dieses Gesetzes kostet und bindet zusätzlich Arbeitskraft und finanzielle Mittel, die wir lieber zur Sicherung unserer Mitarbeiter und für den Kundenservice und Wachstum aufwenden würden. Wie auch andere EU-Richtlinien/Gesetze befurchte ich, dass hier starke Lobbygruppen großer Konzerne am Werk sind und solche Gesetze (wahrscheinlich noch mit Worten wie: ".. liebe Kommissare, lasst ins gemeinsam etwas für die Verbraucher tun..") einflüstern. Denn so blauäugig kann man gar nicht sein. Kleine Unternehmen werden auch kaum gehackt. Also warum keine Ausnahmen, bis man groß genug ist, sich so etwas leisten zu können. Friseure zB müssen nun ihre handgeschriebene Kundenkartei im Geschäft nochmals separat wegschließen. Und wir haben 65% unserer Kunden im Direktmarketing verloren, weil sie nach email Ankündigung unserer neu umgesetzten Regeln nicht nochmal bestätigt haben. Aufntelefinsiche Nachfrage bei einigen Stammkunden hieß es dann, dass so viele solcher mails kamen, dass sich auch Phishing und Malewarer darunter befanden, dass sie lieber nichts mehr gemacht haben. Sowas passiert einer Amazon natürlich nicht!! Ich bin selbst fur hihen Datenschutz, aber dann mal ran an die sozialen Netzwerke und die wirklich Großen, die standig wieder durch Datenverlust ihrer Kunden auffallen. Dies hat uns "Kleinen" mal wieder enorm geschadet und die "Großen" lachen sich tot uber den per Gesetz erhaltenen Vorsprung. Und wenn es nur 2 bis 5% sind, die man dadurch gewinnt (und ich vermute es sind deutlich mehr), dann schlägt sich das in einer Amazon Bilanz milliardenfach nieder. Glückwunsch liebes Brüssel und vielen Dank auch!
Arbeitsmediziner 28.05.2018
3. @Meo1073
Als Kleinbetrieb oder Selbständiger hat man verständlicherweise direkt einen Verdacht von Lobbyismus. Würde ich aber in dem konkreten Fall nicht so sehen. Ich sehe auch den Aufwand und sehe auch privat, dass ich plötzlich Aufforderungen zum Abnicken der DGVO erhalte, wo ich mich frage, wann ich das letzte Mal einen Kontakt zu dem Unternehmen hatte. In dem Fall gebe ich keine Einwilligung. Vielleicht ist es im Marketing möglicherweise sinniger die tatsächlichen Kontakte hervorzuheben und nicht den Pool an möglichen Kunden (mit Mail, die nicht gelesen wird und im Trash landet). Aber ich erlaube mir als Arzt nicht das Recht zu andere Geschäftsmodelle zu kritisieren. Man sollte nur im eigenen Geschäftsmodell die Dinge abwägen. Impressum - Datenschutz - brauche ich Google Analytics - brauche ich einen Like-Button zu Facebook? Und Sie sind (nur fast) auf einer sicheren Seite. Machen Sie erst die Grundregeln. Kür kommt später (außer, wenn Sie massenhaft Daten hosten, VERTEILEN (ohne Zustimmung) etc.
deSelby 28.05.2018
4. Von...
...Herrn Albrecht habe ich noch keinen einzigen gehaltvollen Satz zum Thema gehört. Er verbreitet Allgemeinplätze, zeigt aber in jedem seiner Interviews sehr deutlich, daß ihm die Auswirkungen und realen Umsetzungen der neuen Regeln nicht im geringsten klar sind. Er spricht von Ausnahmen für Kleinstunternehmen und vergisst dabei, daß diese Ausnahmen in der DSGVO sofort wieder zurückgenommen werden, wenn die Datenverarbeitung nicht nur gelegentlich stattfindet. Kurzum, er vermuttelt vor allem einem umfassenden Eindruck von Abgehobenheit und Weltfremdheit, denn ihm ist offenbar nicht im geringsten klar, daß die Regeln zwar als Verteidigung gegen die großen Datensammler gedacht gewesen sind, diese aber die notwedigen Ressourcen besitzen diese ohne große Einschränkungen ihres Grschaftsmodelles umzusetzen, während kleine Unternehmen die nicht einmal in großem Umfang Daten erheben, mit nahezu unmöglich zu erfüllenden Anforderungen konfrontiert werden. Zudem atmet das Gesetz von vorne bis hinten servilen preußischen Untertanengeist: private Anbieter werden bis zum geht nicht mehr gegängelt auch wenn sue gar keine ausufernden Datensammlungen betreiben da alles Mögliche plötzlich ein personenbezogenes Datum darstellt, aber der Schutz des Individuums vor Behördenschnüffelei und Datensammelwut wurde in der deutschen Umsetzung großflächig ausgehöhlt.
Erwan 28.05.2018
5. Jede Firma wegen des Finanzamts relevanten Daten wie Rechnungen
und damit auch Adressen und Zahlungen ihrer Kunden mindestens 10 Jahre aufbewahren. Wie soll es da zuegen, daß man Kundenadressen auf deren Anforderung löschen kann. Zudem: welche mittlere oder kleine Firma betreibt denn Datenmissbrauch? Die Daten werden üblicherweise nur für interne Zwecke benutzt. Bestellt ein Kunde erneut, dann sollten seine Adresse evtl. Zahlungsmodi usw. doch gespeichert sein. Praktiker wissen das alles, nur offenbar Politiker und EU- und deutsche Regierungsbürokraten nicht. Die sollten erst einmal einige Zeit in einer Firma arbeiten müssen,bevor sie Politik betreiben können.
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