Entscheidung in den USA Provider sollen ohne Zustimmung der Kunden private Daten verkaufen dürfen

Internetanbieter in den USA sollen künftig unter anderem mit Daten zum Surfverhalten ihrer Kunden leichter Geld verdienen können. Dafür haben das Abgeordnetenhaus und der Kongress gestimmt.

Netzwerkkabel
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Amerikanische Anbieter von Internetzugängen sollen das Recht bekommen, ohne Zustimmung der Nutzer Informationen über von ihnen besuchte Websites zu nutzen oder an die Werbebranche zu verkaufen. Nach dem Senat kippte am Dienstag auch das Abgeordnetenhaus ein entsprechendes Verbot der Telekom-Aufsicht FCC.

Das Votum fiel mit 215 zu 205 Stimmen knapper aus als erwartet, weil auch 15 Republikaner dagegen stimmten. Die Entscheidung tritt in Kraft, wenn Präsident Donald Trump sie unterzeichnet.

Die FCC hatte Internetanbieter letzten Herbst dazu verpflichtet, die Zustimmung der Nutzer für die Verwendung der Browserdaten einzuholen und sie auch unverzüglich zu unterrichten, wenn Informationen in die Hände von Hackern gelangen.

Angeblich für Verwirrung gesorgt

Die Telekommunikations-Branche hatte kritisiert, dass die FCC-Regelung sie im Wettbewerb mit Onlinefirmen wie Google oder Facebook benachteilige. Der Datenschutz sei zudem bereits ausreichend durch die Regeln der Handelsaufsicht FTC geschützt, lautete ein weiteres Argument: Die Kommunikations-Behörde habe mit ihrem Vorstoß nur für Verwirrung gesorgt.

Auch der von Trump eingesetzte neue FCC-Chef Ajit Pai ist dieser Meinung. Allerdings sparen die FTC-Regelungen das Thema Surfhistorie aus. Die Abgeordneten untersagten der Telekom-Aufsicht auch, ähnliche Schutzmechanismen wieder einzusetzen.

Welche Internetprovider vorhaben, die Daten zum Surfverhalten tatsächlich ohne Zustimmung ihrer Kunden zu verkaufen, wird sich zeigen. Es könnte auch sein, dass einige Unternehmen explizit auf diese Option verzichten und so versuchen, Kunden für sich zu gewinnen. Es könnte auch die Nachfrage nach VPN-Diensten steigen, mit denen sich der eigene Datenverkehr zumindest vor dem Provider verschleiern lässt.

mbö/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Boone63 29.03.2017
1. Vpn?
Ein VPN baue ich zwischen zwei dedizierten Punkten auf, das hilft mir nun überhaupt nicht beim surfen im Internet. Und das dürfte sicher 90%+ an traffic sein. Und ein VPN ist das gleich wie "besserer Einbruchschutz gegen Diebe". aber mittlerweile wird ja kriminelles oder einfach nur mieses Verhalten ja toleriert und jeder muss halt sehen wie er als Normalbürger über die Rundne kommt. Es lebe die Ellenbogengesellscahft und der Moraldarwinismus.
genugistgenug 29.03.2017
2. Betrug absehbar
Wenn das ohne Erlaubnis möglich ist, kommt sicher bals Stufe 2 'Welche Seiten KÖNNTE der Nutzer anklicken wollen', bzw. die Provider promoten gewisse Seiten, bei denen sie am meisten kassieren - denn es gibt ja keine Gegenkontrolle und der Nutzer wird entweder auf Spam klicken oder die Papierwerbung entsorgen. Vermutlich werden in Billiglohnländern rasch MEnschen angeheuter, die den ganzen Tag nur rumklicken um die chapta zu umgehen oder die Provider schalten die Kontrolle gleich aus.
Katzazi 29.03.2017
3.
Zitat von Boone63Ein VPN baue ich zwischen zwei dedizierten Punkten auf, das hilft mir nun überhaupt nicht beim surfen im Internet. Und das dürfte sicher 90%+ an traffic sein. Und ein VPN ist das gleich wie "besserer Einbruchschutz gegen Diebe". aber mittlerweile wird ja kriminelles oder einfach nur mieses Verhalten ja toleriert und jeder muss halt sehen wie er als Normalbürger über die Rundne kommt. Es lebe die Ellenbogengesellscahft und der Moraldarwinismus.
VPN hilft durchaus das konkrete Verhalten gegenüber dem Provider zu verstecken, denn der sieht eben nur die VPN-Verbindung. VPN ist also bei diesem konkrete Thema durchaus hilfreich. Es ist auch genrell ein empfehlenswertes Vorgehen in vielen Situationen. Aber nur ein Element von vielen und es hilft eben gegen viele Dinge nicht. In diesem Fall verlagert es "nur" das Problem zum VPN-Anbieter. Der kann sich allerdings im US-Ausland (z.B. EU) befinden, mit entsprechend anderen Regeln. Und man kann ihn auch unabhängig vom Provider wählen. ... Aber auch bei diesen muss man sich natürlich überlegen, wen man wählt. ;-)
xineohp 29.03.2017
4. Erstens ...
... glaubt wohl hoffentlich niemand mehr, dass persönliche Inhalte und Verhaltensweisen im Internet nicht ohnehin schon durch die Internetindustrie missbraucht und lukrativ verwendet werden ... und zweitens sollte man tunlichst im Internet nur dass tun, wozu was man quo z.B. Arbeit gezwungen wird. Smatphones, Tablets und alles andere Zwangsdaueronline-"Spielzeug" gehören schleunigst in die Tonne. Mitmachen und Verweigern - dann wird das Internet vielleicht doch mal irgendwann ein etwas sicherer Ort. Die Mitläufer-Hipster verhindern das gegenwärtig durch ihre naive Akzeptanz jeglicher privatsphäre-zerstörender AGBs, die die Bits nicht wert sind, die für ihre Darstellung benötigt werden.
Katzazi 29.03.2017
5.
Zitat von genugistgenugWenn das ohne Erlaubnis möglich ist, kommt sicher bals Stufe 2 'Welche Seiten KÖNNTE der Nutzer anklicken wollen', bzw. die Provider promoten gewisse Seiten, bei denen sie am meisten kassieren - denn es gibt ja keine Gegenkontrolle und der Nutzer wird entweder auf Spam klicken oder die Papierwerbung entsorgen. Vermutlich werden in Billiglohnländern rasch MEnschen angeheuter, die den ganzen Tag nur rumklicken um die chapta zu umgehen oder die Provider schalten die Kontrolle gleich aus.
Wohl eher nicht. Denn normalerweise "sieht" man vom Provider wenig. Der Provider komponiert auch (bisher) nicht die Inhalte einer Seite, das macht normalerweise der Server der die Seite zur Verfügung stellt, bzw. der Browser aufgrund von Scripten, etc (die tendenziell ebenfalls vom Server kommen). Der Provider ist im Normalfall nur der, der diese Daten hin und her reicht und dabei eben auch sieht von wo nach wo welche und wie viele Daten gereicht werden. .... Aber dass Seiten entsprechend "gefüttert" werden wäre nichts neues. Das machen Googel und so schon lange ... und viele andere auch schon mit Hilfe von diversen Informationen die sie von den Browsern bekommen. Angepasste Werbung ist nichts neues. Und der "Kampf" darum ist längst entbrannt. Darum geht es hier bei dem Thema wenn dann nur indirekt.
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