Datenschutz-Umfrage Deutsche misstrauen Unternehmen

Drei Viertel aller Deutschen ist es unheimlich, wie viele persönliche Daten gespeichert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. Trotzdem wiegen andere Sorgen in der Bevölkerung deutlich schwerer.

Protest für mehr Datenschutz: In der Bevölkerung überwiegen hingegen andere Sorgen
dapd

Protest für mehr Datenschutz: In der Bevölkerung überwiegen hingegen andere Sorgen


Laut einer Allensbach-Umfrage im Auftrag der Schufa haben die Deutschen mehr Angst vor anderen Dingen als vor dem Missbrauch personenbezogener Daten. 29 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Angst vor Betrug, beispielsweise durch den Missbrauch von Bankdaten haben, 22 Prozent machen sich Sorgen, dass persönliche Daten ohne Einwilligung weitergegeben werden. Gleichzeitig zeigten sich jedoch deutlich mehr, nämlich 58 Prozent, vor einer schweren Krankheit besorgt. 53 Prozent haben Angst, dass ihre Rente unsicher ist.

Die Umfrage-Teilnehmer wurden zu einzelnen Beispielen gefragt, ob sie sich Sorgen machen, ihnen könne dies passieren. Damit war die Fragestellung so formuliert, dass einerseits die unmittelbare Angst eine Rolle spielt, aber auch berücksichtigt wurde, wie realistisch die Befragten die Bedrohung einschätzen. Auf die Frage, wie sehr sie das Thema Datenmissbrauch beunruhige, gaben 60 Prozent an "etwas" (19 Prozent sind "sehr", 19 Prozent "kaum bis gar nicht" besorgt darüber). Gleichsam gaben drei Viertel der Befragten an, ihnen sei es unheimlich, wie viele persönliche Daten gespeichert würden.

Dem Staat vertrauen die Bürger im Bezug auf den Umgang mit gespeicherten Daten mehr als Unternehmen: Während der Umfrage zufolge immerhin 30 Prozent ihre Daten beim Staat gut aufgehoben sehen (50 Prozent misstrauen), liegt dieser Wert bei Unternehmen nur bei 9 Prozent (70 Prozent misstrauen). Bei jüngeren Befragten ist das Vertrauen in Unternehmen jedoch stärker.

Wem die Deutschen persönliche Daten anvertrauen würden, hängst stark von der Art der Daten ab: Geht es um Adresse und Telefonnummer, glauben die Befragten diese Informationen am ehesten bei Ärzten in guten Händen (90 Prozent). Erst auf den zweiten Platz folgen Freunde und Bekannte (85 Prozent), vor Bürgerbüros (79 Prozent) und Arbeitgeber und Vorgesetzen (77 Prozent). Bei sozialen Netzwerken im Internet sowie Versandhändlern für spezielle Produkte sehen diese Daten hingegen nur 5 Prozent der Befragten gut aufgehoben.

Hälfte der Befragten verzichtete aus Datenschutz bereits auf Handel im Netz

Die Hälfte der Befragten hat der Umfrage zufolge schon häufiger darauf verzichtet, im Internet etwas zu bestellen, weil sie persönliche Daten nicht preisgeben wollten. 66 Prozent befürchten, dass solche Daten missbraucht werden. Lediglich 9 Prozent der Befragten stört es nicht sie preiszugeben. 3 Prozent gaben an, sie würden ihre Daten gerne angeben. Jüngere Befragte zeigten sich in der Umfrage etwas sorgloser als ältere.

Auf die Frage, welche Daten man bereitwillig angeben würde äußerten nur 4 Prozent der Befragten Einkommen oder Bankverbindung. 14 Prozent geben bereitwillig ihre Krankengeschichte an. Name (78 Prozent), Familienstand, Größe, Beruf (je 70 Prozent) und auch Religionszugehörigkeit (65 Prozent) würden die Befragten nach eigener Aussage deutlich weniger zurückhaltend angegeben.

Mit ihrer Handynummer gehen Deutsche scheinbar sensibler um, als mit der ihres Festnetzanschlusses. 32 Prozent sagten, sie geben bereitwillig ihre Festnetznummer an, nur 22 Prozent bestätigten dies für die des Mobiltelefons.

Was alles eine Form von Datenmissbrauch ist, beantworteten Befragte verschiedener politischer Strömungen weitestgehend identisch. Dabei wurden jedoch auch Dinge als Datenmissbrauch bewertet, die rechtlich als legal gelten. So zum Beispiel das reine Erhalten von Post von Unternehmen, die einem unbekannt sind.

Die Sorgen der Bevölkerung vor verschiedenen Missbrauchsfällen beruhen laut Allensbach weitestgehend auf eigenen Alltagserfahrungen. Lediglich Kreditkartenmissbrauch wird von vielen als häufig eingeschätzt, obwohl er den Befragten selbst oder Bekannten noch nicht passiert sei.

adg

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