Bewegungsstatistik Verkehrsbetrieb wertet Mobilfunkdaten aus

Das Nürnberger Verkehrsunternehmen VAG will mit Mobilfunkdaten Bewegungsprofile seiner Kunden erstellen. Dazu greift es auf Daten der Telekom zurück. Als Reisender erfährt man davon bislang nichts.

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Bewegungsprofile über Mobilfunkdaten: In Nürnberg lief das Pilotprojekt "vielversprechend"
DPA

Bewegungsprofile über Mobilfunkdaten: In Nürnberg lief das Pilotprojekt "vielversprechend"


Die Telekom-Tochterfirma Motionlogic hilft dem Nürnberger Verkehrsunternehmen VAG herauszufinden, wie seine Verkehrsmittel genutzt werden. Das geschieht auf der Basis von Mobilfunkdaten.

Die Informationen würden gebündelt und entpersonalisiert an das Unternehmen weitergegeben, heißt es. In einer Mitteilung der Telekom klingt das so: "Die anonymisierten Mobilfunkdaten werden als aggregierte Schwarm- und Massendaten für die Verkehrsstatistik verwendet."

Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes wiegelt die VAG ab: "Wir können nicht nachvollziehen, wer exakt wann wo war", sagt VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger. "Uns interessiert nur, wohin die Verkehrsströme fließen."

Die Telekom schreibt, das Verfahren zur Anonymisierung der Mobilfunkdaten sei von der Bundesbeauftragten für den Datenschutz Andrea Voßhoff geprüft und als datenschutzkonform und rechtlich einwandfrei bewertet worden. Die anonymisierten Daten würden ausschließlich an Motionlogic übergeben, wo die Daten dann ausgewertet und zu einer Statistik aufbereitet werden.

Geschlecht, Alter, Heimatregion erfasst

In die Analysen können laut Telekom drei weitere Daten der Reisenden einfließen: das Geschlecht, die Altersgruppe in Zehnjahresschritten und die Heimatregion. Die Telekom spricht hier von sogenannten CRM-Daten.

Im vergangenen Jahr soll bereits ein Pilotprojekt stattgefunden haben: Im Spätherbst bekam die VAG einen Teil der Mobilfunkdaten, die die Telekom von ihren Kunden erfasste, sobald diese ins Internet gingen oder Nachrichten verschickten.

Zeitgleich schickte die VAG ihre manuellen Zähler los, also Mitarbeiter, die an Knotenpunkten im Verkehrsnetz stehen und Strichlisten zur Zahl der Reisenden führen. Eine erste Auswertung beider Datensätze sei "vielversprechend" gewesen, sagte VAG-Sprecherin Seitzinger.

An manchen Punkten seien die Daten allerdings sehr unterschiedlich gewesen. Ein Grund dafür sei, dass nur die Mobilfunkdaten der Telekom-Kunden in die Statistik einfließen. Die Daten von Kunden anderer Anbieter wie Vodafone werden nicht erhoben, hier ergänzt das Unternehmen nur Hochrechnungen auf Basis der prozentualen Marktanteile. In jedem Fall sei die Auswertung der Daten aber mit weniger personellem Aufwand verbunden als manuelle Zählungen.

Nur die Daten der Telekom-Kunden

Wann der nächste Übernahme von Auswertungen stattfindet, ist laut VAG-Sprecherin Seitzinger zurzeit unklar. "Wir müssen noch überlegen, zu welchem Zeitpunkt die Daten für uns am aussagekräftigsten sind", sagt sie.

Einen Hinweis darauf, dass die Bewegungs- und Kundendaten von Telekom-Kunden von der VAG ausgewertet werden können, soll es in den Bahnen vorerst nicht geben. "Die Daten werden ja sowieso erfasst, auch wenn sie nicht Bahnfahren", sagt Seitzinger.

Telekom-Kunden sollen demnächst über eine Internetseite und eine Hotline die Möglichkeit haben, der Nutzung ihrer CRM-Daten zu widersprechen. Die entsprechende Website existiert bereits, enthält bislang aber nur eine werbliche Ankündigung.

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
appenzella 17.03.2015
1. Jomei, der Datenschutz, sagte Franz Beckennbauer, ist der denn so wichtig?
Ob es legal ist scheint der VAG scheißegal zu sein. Datenschutz? Gibts den? Demnächst wird jeder strafrechtlich verfolgt, der kein Mobiltelefon benutzt. Brave new World..
schamot 17.03.2015
2. Von der Voßhoff genehmigt..lachhaft!
Von ner CDU Tante, die für DVS ist...
niska 17.03.2015
3.
Das heisst also die Telekom verscherbelt unsere, wenn auch anonymisierten Daten. Geben das die AGB's her? Und was bringen die Daten, wenn die anderen Anbieter nicht dasselbe machen?
hschmitter 17.03.2015
4.
Kaum einer wird auf die Idee kommen, wie dreist es ist, daß ungefragt Daten verkauft werden, ohne daß man gefragt wird. Und kaum einer weiß, wo und wie er widersprechen kann Oder schreibt die Telekom jeden einzelnen ihrer Kunden an und sagt ihnen, welchen Schindluder sie mit ihren Daten betreibt und wie die Kunden sich davon ausschließen lassen können? Und wer garantiert, daß sich die Telekom an den Widerspruch hält? Wer kontrolliert das, das Eigenkontrolle selten klappt, wissen wir inzwischen.
Thomas Schnitzer 17.03.2015
5.
Zitat von appenzellaOb es legal ist scheint der VAG scheißegal zu sein. Datenschutz? Gibts den? Demnächst wird jeder strafrechtlich verfolgt, der kein Mobiltelefon benutzt. Brave new World..
Entpersonalisierte Daten unterliegen nicht den Datenschutzgesetzen, da es nichts zu schützen gibt. Die Frage nach legal oder illegal stellt sich demnach nicht mal. Dass die anonymen Daten hingegen helfen, den Service für zehntausende Kunden zu verbessern, interessiert sie keinen Deut. Hauptsache unreflektiert gemeckert, nicht wahr?
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