Madrid - Der in Spanien festgenommene Niederländer, bei dem es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Sven Olaf Kamphuis handelt, hat die vielbeachteten Attacken auf Internet-Knotenpunkte womöglich von einem Bunker aus organisiert. Der 35-Jährige steht im Verdacht, maßgeblich an einer der größten Denial-of-Service-Attacken (DDoS) in der Geschichte des Internets beteiligt gewesen zu sein. Bei dieser Art des Angriff werden Server massenhaft mit Anfragen geflutet und so lahmgelegt. Am Samstag wurde er dazu in Madrid befragt; ein Gerichtsmitarbeiter sagte danach, der Festgenommene solle innerhalb der kommenden zehn Tage in die Niederlande überstellt werden.
Der Angriff, um den es geht, fand im März statt. Zielscheibe war ursprünglich die Organisation Spamhaus aus der Schweiz, die im Kampf gegen unerwünschte Müll-Mails eine schwarze Liste von Spam-Absendern führt. Wer auf dieser Liste landet, dessen Nachrichten werden herausgefiltert und bleiben im Spam-Filtern hängen. Die Angreifer, die sich selbst Stophaus nennen, sehen in Spamhaus allerdings eher eine Art selbsternannte Internetpolizei. Also griff Stophaus Spamhaus an und danach noch einen weiteren Dienstleister. Damit zogen sie auch verschiedene Internet-Knotenpunkte in Mitleidenschaft, so hatte die Attacke Auswirkungen auf den regulären Datenverkehr im Netz.
Bereits am Donnerstag wurde der Verdächtige - offiziell nur benannt mit den Initialen S.K. - in Granollers bei Barcelona dingfest gemacht. Das spanische Innenministerium teilte mit, der Verdächtige habe einen "Informatik-Bunker" im Nordosten Spaniens betrieben, in dem er arbeitete und von dem aus er mehreren internationalen Medien Interviews gab. Dieses Versteck wurde jetzt entdeckt. Für unterwegs habe er einen Lieferwagen genutzt, der mit einer mobilen Computer-Zentrale und Antennen ausgestattet war, und sei damit durch Spanien gereist.
Fahnder aus Deutschland, Großbritannien und den USA halfen
Vor einigen Wochen war Kamphuis als eine Art Sprecher der Gruppe Stophaus in Erscheinung aufgetreten. Noch im März hatte er im Chat mit SPIEGEL ONLINE erklärt, er fürchte sich nicht davor, wegen der Stophaus-Angriffe verhaftet zu werden; es gebe genug Botschaften, in die er fliehen könnte. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dem festgenommenen Mann um eben diese Person handelt. An der Fahndung nach ihm seien Ermittler aus den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und den USA beteiligt gewesen, gab die spanische Polizei bekannt.
juh/cis/AP/dpa
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