De-Mail und E-Postbrief: Was taugen die Alternativen zur E-Mail?

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Im Fernsehen und in Anzeigen werben Telekom, Web.de und andere Unternehmen für die neue, staatlich zertifizierte De-Mail. Wozu braucht man den Dienst, ist er wirklich sicherer als E-Mail? Und was ist der E-Postbrief der Deutschen Post?

De-Mail: Staats-Mail und E-Postbrief Fotos

1. Was ist De-Mail - und wozu brauche ich das?

Die De-Mail ist eine Art E-Mail-Ersatz mit dem Segen des Staates. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat detaillierte Richtlinien erstellt, der Bundestag ein entsprechendes Gesetz verabredet. Eine De-Mail soll im Gegensatz zu einer normalen E-Mail sicher, vertraulich, fälschungssicher und nachweisbar und damit rechtssicher auf einen Absender zurückzuführen sein. Für die Anmeldung braucht man deshalb unter anderem Pass oder Personalausweis. Verschicken lässt sich De-Mail nur von einem De-Mail-Konto zum anderen.

Der Staat will damit ein Werkzeug schaffen, mit dem Bürger mit Unternehmen und Behörden digital kommunizieren können. Angeboten werden De-Mail-Dienste aber nicht von Behörden, sondern von Privatunternehmen. Derzeit sind das die Telekom, das Unternehmen Mentana-Claimsoft und 1&1 (Web.de, GMX.de). Sie müssen sich zertifizieren lassen und akkreditieren, um Dienste unter dem Namen De-Mail anbieten zu dürfen.

2. Was kostet mich das?

Die Anmeldung ist derzeit kostenlos, die meisten Anbieter sehen für Privatkunden derzeit kostenlose Inklusivkontingente vor. Je nach Anbieter kosten die ersten zehn oder die ersten 50 De-Mails nichts. In der Regel sind auch danach einige De-Mails pro Monat kostenlos. Danach wird eine normale De-Mail mit 39 Cent berechnet, Zusatzoptionen wie Empfangsbestätigung oder Versand mit dem Merkmal "persönlich/vertraulich" kosten extra.

3. Wie sicher ist De-Mail?

An sich ist der Sicherheitsstandardard des Dienstes hoch, er hat aber aus Sicht von Experten, etwa vom Chaos Computer Club, einen entscheidenden Haken: Nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden De-Mails nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt, also beim Absender ver- und beim Empfänger erst wieder entschlüsselt. Stattdessen werden sie unterwegs beim Provider geöffnet, auf Viren überprüft, dann wieder verschlüsselt und weitergeleitet. Das finden Fachleute problematisch. Denn wenn die Nachricht unterwegs entschlüsselt vorliegt, kann sie theoretisch auch gelesen oder gar manipuliert werden.

4. Wie unterscheidet sich das vom E-Postbrief?

Der E-Postbrief ist eine Art Konkurrenzangebot der Deutschen Post. Zur Anmeldung muss man ein PostIdent-Verfahren durchlaufen, sich also persönlich ausweisen. Im Vorfeld der De-Mail-Einführung gab es jede Menge Streit, und auch jetzt noch bekämpfen De-Mail-Anbieter und Post einander vor Gericht. Kürzlich ließ die Post beispielsweise dem De-Mail-Anbieter Web.de vom Landgericht Köln verbieten, in einem Werbespot zu behaupten: "Nur hier sind Sender und Empfänger klar identifiziert."

Auch der E-Postbrief soll eine Art bessere E-Mail sein, die sicherstellt, dass der Absender auch wirklich der ist, der er zu sein vorgibt. Gleichzeitig bietet der E-Postbrief die Möglichkeit, auch Empfänger anzuschreiben, die selbst kein E-Postbrief-Postfach haben: auf Papier. Der Brief wird dann unterwegs ausgedruckt, kuvertiert und mit der regulären Post zugestellt. Ein Standard-E-Postbrief kostet 58 Cent, Sonderleistungen wie Einschreiben oder besonders umfangreiche Briefe kosten mehr.

Die Post wird sich demnächst vermutlich - grollend - ebenfalls als De-Mail-Anbieter zertifizieren lassen. Die De-Mails der Post können dann aber vermutlich nicht ausgedruckt und herkömmlich weiterbefördert werden, denn das sieht das De-Mail-System nicht vor.

5. Wie sicher ist der E-Postbrief?

Auch der E-Postbrief ist nicht standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die Post gibt in ihren Informationen zum Produkt zwar an, die Nachrichten, "die im System versendet und gespeichert werden, sind automatisch verschlüsselt". Gleichzeitig hat die Post allerdings gerade ein spezielles Produkt für "Berufsgeheimnisträger" wie Anwälte oder Ärzte in Arbeit, das dann bald echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beinhalten soll. Mit anderen Worten: Der normale E-Postbrief ist zwar mit einigen Sicherheitsmechanismen geschützt, aber eben auch nicht wirklich Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Aufgeschnürt werden die E-Post-Briefe selbstverständlich spätestens dann, wenn sie ausgedruckt, eingetütet und auf dem herkömmlichen Postweg weiterverschickt werden. Wer also hundertprozentig sicher sein will, dass seine Nachrichten von niemandem unterwegs gelesen werden können, ist mit dem E-Postbrief mindestens genauso schlecht beraten wie mit der De-Mail.

6. Brauche ich das, um E-Mails von meiner Bank oder vom Amt zu bekommen?

Nein. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge versenden und empfangen viele Unternehmen selbstverständlich Informationen und anderes über herkömmliche E-Mails. Allerdings gibt es einige Unternehmen, die De-Mail jetzt schon als Kommunikationsform akzeptieren. Erst vor kurzem verkündeten 430 Volks- und Raiffeisenbanken, dass man sie bald auch via De-Mail erreichen kann. Mit Betonung auf "bald". Derzeit läuft ein Testbetrieb, die einzelnen Banken werden erst Mitte des Jahres überhaupt damit beginnen, die nötigen Adressen und Domänen zu beantragen. Im Übrigen betreiben nahezu alle Banken ohnehin längst ihre eigenen digitalen Kommunikationssysteme - Stichwort Onlinebanking.

Falls eines Tages tatsächlich Kommunikation mit Behörden über das Internet abgewickelt werden sollte, wird man dazu vermutlich De-Mail brauchen - sofern die Bundesregierung das aktuell geplante E-Government-Gesetz tatsächlich umsetzt, das Fachleute allerdings scharf kritisieren. Derzeit gibt es nicht einmal eine sogenannte elektronische Akte für Behörden. Auch digital signierte Elektropost kann also nicht als Dokument in Behördenakten aufgenommen werden.

7. Was muss ich jetzt tun?

Nichts. Außer, Sie wollen De-Mail oder den E-Postbrief ausprobieren. In diesem Fall: Nur zu - die Adressen für die Registrierung sind oben verlinkt.

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insgesamt 122 Beiträge
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1. optional
blub2blub 02.04.2013
Sowas sinnloses und typisch Deutsch... Jahrelang emails verschickt, und auf einmal soll ich dafür zahlen..
2. Überflüssig wie ein Kropf
frunabulax 02.04.2013
Das ist eine Abzocke die überflüssig wie Kropf ist. Und geradezu lächerlich, eine neues Mailverfahren einzuführen, dessen Standards auf Deutschland beschränkt bleiben. Typisch deutsch - typisch Post.
3. bürokratisch
frankolino 02.04.2013
Ich habe die Anmeldung zum E-Postbrief ausprobiert. langwierig und bürokratisch. Nach 14 Tagen immer noch keine Freischaltung. Es wird wahrscheinlich genauso ein Flopp wie die elektronische Identifikation mit dem neuen Personalausweis. Viel Lärm um nichts!
4. E-Post - totgeborenes Produkt
klausm0762 02.04.2013
Hatte mich damals bei E-Post angemeldet und dann nie benutzt, meine Zugänge habe ich längst vergessen. Das Tan-Verfahren fand ich viel zu kompliziert, die Gebühren (teuer wie ein Normalbrief) viel zu hoch.
5. Der wichtigste Punkt fehlt
frutsch 02.04.2013
Weil der wichtigste Punkt fehlt, kann dieser Artikel nur mit "ungenügend" bewertet werden. Die Zustellung per de-Mail ist rechtsverbindlich, d.h. mit dem elektronischen Nachweis der Zustellung beginnen Fristen zu laufen. Es ist also nicht nur ein unbedeutender Hinweis in den AGB, es ist immens wichtig, das Postfach täglich abzurufen. Verpennt man das, hat man u.U. ein Problem. Da FAST NIEMAND (*) das System nutzt, geht also in der Mailbox auch nur seltenst etwas ein. Mit der Folge, dass Otto Normalbürger auch nicht nachschaut. Wenn dann aber dem Mahnbescheid, der fehlerhaften Rechnung etc. nicht widersprochen wurde, ist der Jammer groß. Der Aufruf des Autors, das System doch einfach einmal auszuprobieren, ist hirnlos und gefährlich! Bloß nicht! Wenn die Büchse der Pandora erst einmal offen ist, dann gute Nacht. Also besser Finger weg von DE-Mail. DE-Mail hat einzig den Zweck, Großkunden den Versand zu verbilligen. Als kleiner Kunde hat man __NICHTS__ davon. Nur Ärger. (*) In der Presse wird immer erwähnt, wie viele Neukunden es gibt. Leider findet man keine Zahlen über die tatsächliche Nutzung. Wie viele Briefe versendet denn ein normaler Kunde im Schnitt? Wieviele gehen außer der monatlichen Rechnung im Schnitt ein? Statistiken werden wohl nicht veröffentlicht, weil man dieses nutzlose System nicht gleich als Totgeburt kaputtreden will.
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