Trotz Tor-Anonymisierung US-Behörden zerschlagen Online-Drogenring

Auch die Nutzung der Tarn-Technologie Tor schützte acht Betreiber einer Handelsplattform für illegale Drogen nicht vor dem Zugriff der US-Justiz. Nach Online-Geschäften mit Kunden in aller Welt könnten lebenslange Haftstrafen auf die Beklagten zukommen.

Drogenkonsum: Web-Handelsplattform trotz Anonymisierung zerschlagen
DPA

Drogenkonsum: Web-Handelsplattform trotz Anonymisierung zerschlagen


Sie hatten sich so gut versteckt. Mit Hilfe des Anonymisierungsdienstes Tor verschleierte eine Gruppe von acht Drogendealern ihre Identität und organisierte unter dem Namen "The Farmer's Market" den lukrativen Handel mit diversen Narkotika wie LSD und Ecstasy. Zwischen Januar 2007 und Oktober 2009 bedienten sie der Anklage zufolge mehr als 5200 Bestellungen im Wert von über einer Million Dollar. Auf der Kundenliste befanden sich mehr als 3000 Namen aus 35 Ländern. Die Betreiber boten dabei ein ausgefeiltes Kundenmanagement, inklusive Online-Foren, Internetbestellungen, Kundenbetreuung und mindestens vier verschiedenen Möglichkeiten zur Bezahlung, darunter auch PayPal.

Ermittler der Anti-Drogen-Behörde DEA kamen den Drogenhändlern im Verlauf einer zweijährigen Aktion namens "Operation Adam Bomb" auf die Spur. Obwohl sich die Verdächtigen durch die Nutzung des Tor-Projekts zu verbergen suchten und auch weitere Möglichkeiten zur IP-Anonymisierung verwendeten, gelang es den Beamten, ihren E-Mail-Verkehr bis zum Jahr 2006 zurückzuverfolgen. Auf welche Art und Weise die Behörden dabei vorgingen, geht jedoch aus der am Montag vorgelegten 66-seitigen Klageschrift nicht konkret hervor. Das Tor-Projekt gilt unter anderem auch als wichtiges Werkzeug zum Schutz von Dissidenten, die in diktatorischen Staaten unbeobachtet das Internet benutzen wollen.

Zur Festnahme der jetzt Beklagten führte auch die Zusammenarbeit von Beamten aus mehreren Ländern, darunter Kolumbien, die Niederlande und Schottland. Der Hauptverdächtige wurde am Montag im niederländischen Lelystad festgenommen. Bereits am Sonntag klickten die Handschellen für einen Amerikaner beim Versuch, aus Kolumbien auszureisen. Die übrigen wurden in verschiedenen US-Bundesstaaten festgesetzt.

In der Anklage wird den acht Männern Verschwörung zu Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung muss jeder von ihnen mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen.

Froh über den Erfolg erklärte der Ermittlungsleiter: "Die heutige Aktion sollte an Organisationen, die Technologie zur Durchführung krimineller Aktivitäten nutzen, die klare Botschaft senden, dass die DEA und andere Strafverfolgungsbehörden sie aufspüren und vor Gericht bringen werden."

meu

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