Die E-Book-Frage Wer braucht noch einen Verlag?

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2. Teil: Lieber ohne Verlag - Trend zur Selbstvermarktung?


Daraus ergab sich eine exotische Situation, die die tiefen Umwälzungen andeutet, die der Verlagslandschaft bevorstehen: Ein renommierter Autor verzichtet auf die Rückendeckung seines großen Verlages und setzt freiwillig auf Selbstvermarktung. Auch für Pirinçci ist das ein Experiment. Er weiß, dass sich im Kindle-Shop nichts zufällig verkauft, dort niemand über ein E-Book stolpert. Chancen hat derjenige, der weiß, wie er sein Produkt bekannt macht oder über den berichtet wird. Zurzeit liegt "Felidae" im Kindle-Ranking auf Platz 3171. Schon dieser Artikel dürfte das zumindest kurzfristig merklich ändern - so läuft das.

Zumal Pirinçci weiß, wie er die Sache angehen muss. Im Kindle-Shop stehen nun E-Books von ihm, die Random House dort anbietet, neben solchen, die er selbst vermarktet - zu einem deutlich niedrigeren Preis. "Felidae" etwa kostet 3,91 Euro als Download, die billigste Paperback-Edition des Buches kostet derweil 8,95 Euro.

Und die Buchpreisbindung? Die Verlage haben schließlich abgemacht, E-Books nicht günstiger als die Papierausgaben zu machen. Gelte hier nicht, sagt Akif Pirinçci, weil seine Kindle-Edition von "Felidae" ja ein anderes Produkt sei, eine "Sonderedition": Ergänzt um ein Nachwort "zur Entstehungsgeschichte des Buches und der späteren Verfilmung mit diversen Fotos aus dem damaligen Privatleben von Akif Pirinçci. Auch das Vorbild für Francis, ein Kater namens Cujo, wird in Bildern gewürdigt" (Werbetext bei Amazon).

Mehrwerte dienen hier also als Begründung für die Preis-Reduktion. Man meint, von fern Verlegerzähne knirschen zu hören.

Unter denen wird noch diskutiert, wie verhindert werden soll, dass elektronisches Publizieren den Buchverkauf kannibalisiert - die größte Sorge der Buchbranche. Vorerst setzen Deutschlands Verlage auf Preise für E-Books, die wirken, als sollten sie potentielle Käufer abschrecken. Denn noch haben die Verlage für sich nicht ausgemacht, wie es weitergehen soll mit ihrem Geschäft, sollte das E-Book wirklich zu einem marktrelevanten Faktor werden. "Die müssen sich jetzt ganz neu erfinden", sagt Akif Pirinçci.

Autoren wollen Geld sehen für neue E-Ausgaben

Dass das so ist und irgendwann den Kern des Geschäftes bedrohen mag, bekam der international aufgestellte Verlag Random House im letzten Sommer in den USA zu spüren. Andrew Wylie, einer der einflussreichsten Literaturagenten der Welt, suchte die Konfrontation mit den US-Verlagen, weil die seinen über 700 Autoren nicht genügend Tantiemen für die E-Rechte zahlten, wie er meinte. Er drohte, deren Werke selbst zu verlegen - der Streit endete im August in einer außergerichtlichen Einigung, mit der angeblich alle Parteien zufrieden waren. Auch in Deutschland sehen viele Autoren Spielraum für Verhandlungen, obwohl die Rechtslage hier grundsätzlich eine andere ist.

Im Juli 2007 schuf der Gesetzgeber mit dem Zweiten Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft hier Klarheit, wenn man so will. Autoren, die in ihren Verträgen einst "allen Nutzungsarten" zugestimmt hatten und den neuen, zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses " unbekannten Nutzungsarten" nicht bis zum Stichtag 31. Dezember 2008 widersprachen, traten diese Rechte quasi pauschal an ihre Verlage ab. Alle neuen Verträge beinhalten auch die Abtretung künftiger Nutzungsarten, wenn man das nicht verweigert - und welcher junge Autor kann sich das schon herausnehmen. Es ist eine Praxis, die deutlich zugunsten der Verlage geht.

Aber stärkt das deren Position? Mittelfristig dürfte es etablierte Autoren reizen, die E-Vermarktung lieber selbst zu übernehmen. Und kurzfristig mag es zum Hocking-Phänomen führen: Newcomer und Hobby-Schreiber werden ihr Glück mit dem E-Book suchen, statt bei Verlagen Klinken zu putzen. Noch vor Ende des Jahres, glaubt Akif Pirinçci, könnten wir auch in Deutschland einen Twilight-Klon, eine Teenie-Horror-Romanze semiprofessioneller Strickart als Bestseller zu sehen bekommen. Auch Wolfgang Tischer tippt darauf, dass neben Erotik auch hierzulande Horror zum E-Bestseller taugt.

Er hatte da schon Andreas Stetter im Blick. Dessen Selbstverlagshorror schaffte es kurzzeitig in die Top 20 der Kindle-Charts. Trotz guter Leser-Rezensionen wurde aus der in Deutschland angesiedelten Weltuntergangsgeschichte, in der unter anderem Terroristen Zombies als Waffe einsetzen, noch kein Bestseller. Die professionelleren Zombies findet man eben doch noch in regulären Buchverlagen.

insgesamt 131 Beiträge
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gagarin 19.06.2011
1. E-Book
Ja, E-Books werden es den Verlagen schwer machen, aber auch den Autoren. Den die langen Texte sind einfach zu lang, um sie wirklich als E-Book, mal eben zwischendurch, zu lesen. Für ein "richtiges" Buch ist das haptische Blättern wichtig, es gehört zum kontemplativen Lesen. E-BookLeser wollen offensichtlich schnell mal ein bisschen lesen, aber dann zuhause ein Buch in die Hand nehmen. Die Chance der Verlage ist es, ihren Autoren die Vertiebswege zu öffnen. Es ist nicht leicht, in die wichtigen Läden (ITunes, B&N, Kobe, Sony...) zu kommen. Meine Erfahrung ist es, das meine Gratisbücher gerne genommen werden und Geld nur bei bekannten Namen fließt. Oder man mach sich selber einen Namen.Das geht, Tatsache...;-) Aber ist es wirklich sinnvoll, als Autor auch noch Programmier/Formatierer und Marketingler zu sein. Ich denken, das Literatur-Agenten diese Aufgabe übernehmen müssten, aber in dieser Szene werden E-Books als unwert gesehen. Aussdem bekomme ich als Autor im Selbstverlag etwa 70 % der Tantiemen direkt, warum sollte ich mich an eine Buchpreisbindung halten, die von den Verlagen nur zum Geld verdienen (und behalten, der normale Autor bekommet höchstens 20%) meine Bücher... naja Eigenwerbung muss wohl sein, am besten über Suchprogramme unter Stefan Eckert EBooks... Grüße PS: Kindle ist nur SW, für was mach ich dann ein Cover....
funthomas42 19.06.2011
2. E-Books müssen billiger als Papierausgaben sein
Im Artikel fällt der Satz "Die Verlage haben schließlich abgemacht, E-Books nicht günstiger als die Papierausgaben zu machen". Für diese abwegige Festlegung gibt es keine für mich nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründe. Denn: 1. Es muss für einen Verlag billiger sein ein E-Book zu veröffentlichen, da das gesamte Papierhandling wegfällt. Es müssen keine Bäume gefällt und verschifft werden und kein Papier produziert, bedruckt und transportiert werden. Diesen Preisvorteil möchte ich als Kunde zumindest zum Teil an mich weitergegeben sehen. 2. Ein E-Book, das kopiergeschützt ist, besitze ich nicht, es ist eine Art Dauerleihgabe. Warum? Zum Einen kann ich ein kopiergeschütztes E-Book nicht weiterverkaufen, was bei einer Papieraugabe problemlos möglich ist. Beim Verleihen von E-Books hat sich die Situation zumindest gebessert. Das ist inzwischen bei diversen Anbietern möglich. Gewichtiger ist aber, dass ich davon ausgehen muss, dass ich ein "gekauftes" kopiergeschütztes E-Book in 15 Jahren nicht mehr lesen kann, weil der Verlag die technische Infrastruktur abgebaut hat, den E-Book Reader nicht mehr unterstützt oder inzwischen pleite ist. Diese Einschränkungen der langfristigen Nutzbarkeit müssen sich in einem geringeren Preis niederschlagen. Ich besitze einen Kindle und kaufe bei Amazon regelmäßig (amerikanische) E-Books, die tatsächlich billiger als die Papierausgaben sind. Damit fließt Geld an die US-Verlage, das die deutschen Verlage offensichtlich nicht haben wollen.
faustjucken_tk 19.06.2011
3. ...
Wer einmal einen Kindle in der Hand hatte, der fasst danach gedruckte Bücher nur noch mit Widerwillen an.
Kurt W., 19.06.2011
4. Mmmmh
Zitat von gagarinJa, E-Books werden es den Verlagen schwer machen, aber auch den Autoren. Den die langen Texte sind einfach zu lang, um sie wirklich als E-Book, mal eben zwischendurch, zu lesen. Für ein "richtiges" Buch ist das haptische Blättern wichtig, es gehört zum kontemplativen Lesen. E-BookLeser wollen offensichtlich schnell mal ein bisschen lesen, aber dann zuhause ein Buch in die Hand nehmen. Die Chance der Verlage ist es, ihren Autoren die Vertiebswege zu öffnen. Es ist nicht leicht, in die wichtigen Läden (ITunes, B&N, Kobe, Sony...) zu kommen. Meine Erfahrung ist es, das meine Gratisbücher gerne genommen werden und Geld nur bei bekannten Namen fließt. Oder man mach sich selber einen Namen.Das geht, Tatsache...;-) Aber ist es wirklich sinnvoll, als Autor auch noch Programmier/Formatierer und Marketingler zu sein. Ich denken, das Literatur-Agenten diese Aufgabe übernehmen müssten, aber in dieser Szene werden E-Books als unwert gesehen. Aussdem bekomme ich als Autor im Selbstverlag etwa 70 % der Tantiemen direkt, warum sollte ich mich an eine Buchpreisbindung halten, die von den Verlagen nur zum Geld verdienen (und behalten, der normale Autor bekommet höchstens 20%) meine Bücher... naja Eigenwerbung muss wohl sein, am besten über Suchprogramme unter Stefan Eckert EBooks... Grüße PS: Kindle ist nur SW, für was mach ich dann ein Cover....
D'accord. Der Knackpunkt bei Büchern ist der Bekanntheitsgrad. Das ist so bei Verlagen, wie auch bei selbstverlegten Ebooks über Amazon. Da beides zu 99% nicht gegeben sein wird, kann man getrost auf Verlage komplett verzichten! Wer ein Buch physisch halten möchte, läßt für kleines Geld wenige oder auch nur ein Exemplar bei einem der Books-On-Demand Unternehmen irgendwo in der Welt drucken. Das ist auch eine Zukunft! Eine äußerst pfiffige Idee für kurze Texte findet man bei Amazon unter Suchen nach WDG. Gab es früher vor 100 Jahren schon mal und ist perfekt für lange Ebooks. Ach ja, Cover ist immer noch wichtig und wird in der Vorschau bei Amazon farbig abgebildet! Die Tage der Verlage sind mittelfristig gezählt. Es sei denn, sie bewegen sich von gelähmt zum Sprinter. Und das ist für Geldverbrenner gut so!
faustjucken_tk 19.06.2011
5. ...
Zitat von gagarinJa, E-Books werden es den Verlagen schwer machen, aber auch den Autoren. Den die langen Texte sind einfach zu lang, um sie wirklich als E-Book, mal eben zwischendurch, zu lesen. Für ein "richtiges" Buch ist das haptische Blättern wichtig, es gehört zum kontemplativen Lesen. E-BookLeser wollen offensichtlich schnell mal ein bisschen lesen, aber dann zuhause ein Buch in die Hand nehmen. Die Chance der Verlage ist es, ihren Autoren die Vertiebswege zu öffnen. Es ist nicht leicht, in die wichtigen Läden (ITunes, B&N, Kobe, Sony...) zu kommen. Meine Erfahrung ist es, das meine Gratisbücher gerne genommen werden und Geld nur bei bekannten Namen fließt. Oder man mach sich selber einen Namen.Das geht, Tatsache...;-) Aber ist es wirklich sinnvoll, als Autor auch noch Programmier/Formatierer und Marketingler zu sein. Ich denken, das Literatur-Agenten diese Aufgabe übernehmen müssten, aber in dieser Szene werden E-Books als unwert gesehen. Aussdem bekomme ich als Autor im Selbstverlag etwa 70 % der Tantiemen direkt, warum sollte ich mich an eine Buchpreisbindung halten, die von den Verlagen nur zum Geld verdienen (und behalten, der normale Autor bekommet höchstens 20%) meine Bücher... naja Eigenwerbung muss wohl sein, am besten über Suchprogramme unter Stefan Eckert EBooks... Grüße PS: Kindle ist nur SW, für was mach ich dann ein Cover....
1. der Kindle in bunt steht in den startlöchern. 2. auf der Amazon Verkaufsseite erscheint das cover auch 3. es gibt nicht nur den Kindle, sondern auch das Programm "Kindle for PC" oder "Kindle for Android", dort werden das Cover und eingefügte Bilder bunt angezeigt. Beispiel: https://www.amazon.de/dp/B004TM9J8Y
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