Die E-Book-Frage: Wer braucht noch einen Verlag?

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E-Books stellen Rolle und Geschäftsmodell von Verlagen in Frage. Autoren wittern ihre Chance, auf eigene Rechnung mehr zu verdienen. Aus Kundensicht ist das erfreulich: Die E-Book-Kasse klingelt vor allem dann, wenn der Preis entsprechend niedrig ist.

Alleingänge: E-Books stellen das Modell Verlag in Frage Fotos
DPA

Wenn es nach Kristian Madsen geht, wird "der Printmarkt über die nächsten fünf Jahre um 50 Prozent schrumpfen". Er meint den Buchmarkt, und die äußerst gewagte Prognose gründet er auf eigene Erfahrungen - und vielleicht auch Wünsche: Mehr als drei Millionen E-Books will seine Firma Bookboon.de in den letzten zwölf Monaten in Deutschland verteilt haben.

Wohlgemerkt: verteilt, nicht verkauft. Denn Bookboons Geschäftsmodell setzt auf den kostenlosen Download von PDF-E-Books, die durch klassische Anzeigen refinanziert werden. Kein Zweifel, was nichts kostet, wird auch genutzt im Internet - auch, wenn Bookboons exorbitant hohe Abrufzahlen wenig plausibel klingen: zu dünn scheint das Angebot. Überprüfbar sind sie so wenig wie die kärglichen Angaben von Amazon. In den USA, meldete der weltweit erfolgreichste Online-Buchverkäufer im Mai, verkaufe Amazon inzwischen mehr E-Books als gedruckte Werke - was auch immer das konkret heißen mag.

In Deutschland öffnete Amazon seinen Kindle-Shop erst im April 2011 und läutete damit das E-Book-Zeitalter auch hierzulande erst richtig ein. Doch anders als in den USA stürzten sich die Kunden nicht gleich in Massen auf E-Reader: Dort ist der Kindle bei Amazon das meistverkaufte Elektronikgerät überhaupt. Hierzulande soll Amazon Branchengerüchten zufolge 5000 Stück im Monat absetzen, wenn es hoch kommt - offizielle Zahlen gibt es nicht. Selbst das wäre schon viel.

Der Markt ist noch ein Märktchen

Denn inzwischen haben E-Reader ja Konkurrenz bekommen durch Tablet-PC, auf denen man auch passabel lesen kann - Amazon hat darauf reagiert. Zudem beharren hiesige Verlage und der Handel darauf, dass E-Books nicht billiger sein sollen als gedruckte Bücher. In den Verkaufs-Charts dominieren wohl auch deshalb preiswertere Trivial-Schinken, gemeinfreie Klassiker-Ausgaben für kleines Geld - und auch E-Books aus dem Selbstverlag.

Denn im E-Book-Handel kann jeder Verlag spielen. Wolfgang Tischer, Betreiber von Literaturcafe.de, hat das getestet: Sein E-Book "Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen" ist ein Experiment, mit dem er die Direktvermarktung erproben wollte und die Mechanismen des E-Book-Marktes austesten. Seit er die erste Auflage am 10. Mai 2011 veröffentlichte, bewegt sich der Titel normalerweise zwischen den Plätzen 20 und 30 der Kindle-Verkaufs-Charts.

Also überraschend hoch für ein so spezialisiertes Fachbüchlein, aber es gehört ja auch noch nicht viel dazu: Bis zum 17. Juni, 10 Uhr, verkaufte der Kindle-Bestseller-Autor Tischer insgesamt 564 Exemplare, was einem Verdienst von rund 500 Euro entsprechen dürfte - vor Steuern. Tischer: "Es reicht, wenn man zehn am Tag verkauft, um in den Top 20 zu landen."

Dominiert werden die Kindle-Charts derzeit von einem Manual des "Focus"-Autors Matthias Matting, von dem er einige mehr absetzen dürfte: "Kindle - das inoffizielle Handbuch. Anleitung, Tipps und Tricks." Was könnte deutlicher machen, wie sehr der E-Book-Markt noch in den Kinderschuhen steckt, als dass es eine Gebrauchsanweisung für das meistverkaufte Lesegerät auf Platz 1 der Verkaufscharts schafft?

Es ist eben die Stunde der Pioniere, immer noch. Wolfgang Tischer setzt sein Experiment fort. Am 31. Mai ließ er bereits eine zweite, deutlich erweiterte Auflage seines Selbstverlagsratgebers folgen, auch die dritte ist bereits in der Mache.

Verlage sind professionell, aber viel zu langsam

Diese für den Buchmarkt völlig unbekannte Geschwindigkeit könnte sich zu einem Wesensmerkmal des E-Book-Markts entwickeln, der die Buchverlage zusätzlich unter Druck bringt. Buchverlage bewegen sich mit wanderdünenhafter Geschwindigkeit: Die Produktion eines Buches dauert oft ein Jahr und mehr. Selbstverleger, berichtet Tobias Moorstedt im Hyperland-Blog des ZDF, prügeln ein aktuelles "Sachbuch" hingegen schon mal 144 Stunden nach dem Ereignis auf den Kindle-Markt. Buchverleger mögen da auf Qualitäten verweisen, Leser aber wissen auch Geschwindigkeit zu schätzen.

Und Nähe zum Autor. Ähnlich wie beim Online-Publishing stellt Tischer einen lebhaften, für die Buchszene ebenfalls völlig unüblichen Kommunikationsfluss zwischen Autor und Leser fest: "Die Updates" seines Ratgebers "beruhen auf Fragen der Leser". Die inzwischen erfolgte Preiserhöhung von 99 Cent auf 2,99 Euro ist dem inzwischen gestiegenen Aufwand und Umfang geschuldet, ist aber auch Teil des Experiments. Tischer: "Ich kann nicht feststellen, dass der Preis irgendeinen Einfluss auf den Verkauf hatte."

Vielleicht, weil eine Preismarge um drei Euro noch innerhalb der Toleranzen liegt? Was deutlich darüber hinaus gehe, glaubt jedenfalls der Bestseller-Autor Akif Pirinçci, sei auf jeden Fall zu teuer. Deshalb setzt er bei der Vermarktung seiner Bücher zum einen auf einen kleinen Preis, zum anderen vorzugsweise auf den Selbstverlag.

"Wer einen Namen hat", sagt Pirinçci, "hat da gute Chancen."

Akif Pirinçci hat einen Namen - und er hat auch einen ganz klassischen Vertrag mit einem Buchverlag, der auch die meisten seiner Werke als E-Book anbietet. Aber eben nicht alle, denn einige, an denen er die E-Rechte vor Jahren nicht abgetreten hatte, will Pirinçci lieber selbst vermarkten - ihn lockt auch eine Provision von im Buchmarkt unerreichten 70 Prozent.

Dabei sucht er durchaus keinen Streit. Dass er Anfang Juni "Felidae", das Buch, mit dem 1989 seine Bestseller-Autoren-Karriere begann, im Selbstverlag auf Amazons Kindle-Plattform veröffentlichte, solle man nicht als virtuellen Fehdehandschuh verstehen, sagt er. Er hatte schließlich vorher gefragt. Und Klaus Eck, Verleger und Geschäftsführer der Verlagsgruppe Random House, hatte letztlich sein Placet gegeben: Die Klärung der Rechte ergab, dass Pirinçci die E-Book-Rechte hielt.

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insgesamt 131 Beiträge
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1. E-Book
gagarin 19.06.2011
Ja, E-Books werden es den Verlagen schwer machen, aber auch den Autoren. Den die langen Texte sind einfach zu lang, um sie wirklich als E-Book, mal eben zwischendurch, zu lesen. Für ein "richtiges" Buch ist das haptische Blättern wichtig, es gehört zum kontemplativen Lesen. E-BookLeser wollen offensichtlich schnell mal ein bisschen lesen, aber dann zuhause ein Buch in die Hand nehmen. Die Chance der Verlage ist es, ihren Autoren die Vertiebswege zu öffnen. Es ist nicht leicht, in die wichtigen Läden (ITunes, B&N, Kobe, Sony...) zu kommen. Meine Erfahrung ist es, das meine Gratisbücher gerne genommen werden und Geld nur bei bekannten Namen fließt. Oder man mach sich selber einen Namen.Das geht, Tatsache...;-) Aber ist es wirklich sinnvoll, als Autor auch noch Programmier/Formatierer und Marketingler zu sein. Ich denken, das Literatur-Agenten diese Aufgabe übernehmen müssten, aber in dieser Szene werden E-Books als unwert gesehen. Aussdem bekomme ich als Autor im Selbstverlag etwa 70 % der Tantiemen direkt, warum sollte ich mich an eine Buchpreisbindung halten, die von den Verlagen nur zum Geld verdienen (und behalten, der normale Autor bekommet höchstens 20%) meine Bücher... naja Eigenwerbung muss wohl sein, am besten über Suchprogramme unter Stefan Eckert EBooks... Grüße PS: Kindle ist nur SW, für was mach ich dann ein Cover....
2. E-Books müssen billiger als Papierausgaben sein
funthomas42 19.06.2011
Im Artikel fällt der Satz "Die Verlage haben schließlich abgemacht, E-Books nicht günstiger als die Papierausgaben zu machen". Für diese abwegige Festlegung gibt es keine für mich nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründe. Denn: 1. Es muss für einen Verlag billiger sein ein E-Book zu veröffentlichen, da das gesamte Papierhandling wegfällt. Es müssen keine Bäume gefällt und verschifft werden und kein Papier produziert, bedruckt und transportiert werden. Diesen Preisvorteil möchte ich als Kunde zumindest zum Teil an mich weitergegeben sehen. 2. Ein E-Book, das kopiergeschützt ist, besitze ich nicht, es ist eine Art Dauerleihgabe. Warum? Zum Einen kann ich ein kopiergeschütztes E-Book nicht weiterverkaufen, was bei einer Papieraugabe problemlos möglich ist. Beim Verleihen von E-Books hat sich die Situation zumindest gebessert. Das ist inzwischen bei diversen Anbietern möglich. Gewichtiger ist aber, dass ich davon ausgehen muss, dass ich ein "gekauftes" kopiergeschütztes E-Book in 15 Jahren nicht mehr lesen kann, weil der Verlag die technische Infrastruktur abgebaut hat, den E-Book Reader nicht mehr unterstützt oder inzwischen pleite ist. Diese Einschränkungen der langfristigen Nutzbarkeit müssen sich in einem geringeren Preis niederschlagen. Ich besitze einen Kindle und kaufe bei Amazon regelmäßig (amerikanische) E-Books, die tatsächlich billiger als die Papierausgaben sind. Damit fließt Geld an die US-Verlage, das die deutschen Verlage offensichtlich nicht haben wollen.
3. ...
faustjucken_tk 19.06.2011
Wer einmal einen Kindle in der Hand hatte, der fasst danach gedruckte Bücher nur noch mit Widerwillen an.
4. Mmmmh
Kurt W. 19.06.2011
Zitat von gagarinJa, E-Books werden es den Verlagen schwer machen, aber auch den Autoren. Den die langen Texte sind einfach zu lang, um sie wirklich als E-Book, mal eben zwischendurch, zu lesen. Für ein "richtiges" Buch ist das haptische Blättern wichtig, es gehört zum kontemplativen Lesen. E-BookLeser wollen offensichtlich schnell mal ein bisschen lesen, aber dann zuhause ein Buch in die Hand nehmen. Die Chance der Verlage ist es, ihren Autoren die Vertiebswege zu öffnen. Es ist nicht leicht, in die wichtigen Läden (ITunes, B&N, Kobe, Sony...) zu kommen. Meine Erfahrung ist es, das meine Gratisbücher gerne genommen werden und Geld nur bei bekannten Namen fließt. Oder man mach sich selber einen Namen.Das geht, Tatsache...;-) Aber ist es wirklich sinnvoll, als Autor auch noch Programmier/Formatierer und Marketingler zu sein. Ich denken, das Literatur-Agenten diese Aufgabe übernehmen müssten, aber in dieser Szene werden E-Books als unwert gesehen. Aussdem bekomme ich als Autor im Selbstverlag etwa 70 % der Tantiemen direkt, warum sollte ich mich an eine Buchpreisbindung halten, die von den Verlagen nur zum Geld verdienen (und behalten, der normale Autor bekommet höchstens 20%) meine Bücher... naja Eigenwerbung muss wohl sein, am besten über Suchprogramme unter Stefan Eckert EBooks... Grüße PS: Kindle ist nur SW, für was mach ich dann ein Cover....
D'accord. Der Knackpunkt bei Büchern ist der Bekanntheitsgrad. Das ist so bei Verlagen, wie auch bei selbstverlegten Ebooks über Amazon. Da beides zu 99% nicht gegeben sein wird, kann man getrost auf Verlage komplett verzichten! Wer ein Buch physisch halten möchte, läßt für kleines Geld wenige oder auch nur ein Exemplar bei einem der Books-On-Demand Unternehmen irgendwo in der Welt drucken. Das ist auch eine Zukunft! Eine äußerst pfiffige Idee für kurze Texte findet man bei Amazon unter Suchen nach WDG. Gab es früher vor 100 Jahren schon mal und ist perfekt für lange Ebooks. Ach ja, Cover ist immer noch wichtig und wird in der Vorschau bei Amazon farbig abgebildet! Die Tage der Verlage sind mittelfristig gezählt. Es sei denn, sie bewegen sich von gelähmt zum Sprinter. Und das ist für Geldverbrenner gut so!
5. ...
faustjucken_tk 19.06.2011
Zitat von gagarinGrüße PS: Kindle ist nur SW, für was mach ich dann ein Cover....
1. der Kindle in bunt steht in den startlöchern. 2. auf der Amazon Verkaufsseite erscheint das cover auch 3. es gibt nicht nur den Kindle, sondern auch das Programm "Kindle for PC" oder "Kindle for Android", dort werden das Cover und eingefügte Bilder bunt angezeigt. Beispiel: https://www.amazon.de/dp/B004TM9J8Y
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