Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Die wichtigsten Fragen zum Staatstrojaner: Schnüffeln ohne Grenzen

Von und

Wer darf per Staatstrojaner Computer überwachen? Wer durchsucht Rechner übers Netz? Seitdem das Verfassungsgericht 2008 ein Computer-Grundrecht geschaffen hat, gelten für den Einsatz von Schnüffel-Software strenge Grenzen - Ermittler in Bayern haben sie überschritten. 

"Bundestrojaner"-Code: Eine Überwachung kann leicht zur Online-Durchsuchung ausarten Zur Großansicht
dapd

"Bundestrojaner"-Code: Eine Überwachung kann leicht zur Online-Durchsuchung ausarten

Hamburg - "Verstöße kann ich keine erkennen", mit diesen Worten versucht der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Trojaner-Affäre zu entschärfen, die ihn sein Amt kosten könnte. Denn seine Kritiker sprechen von einem Verfassungsbruch. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert eine schnelle Aufklärung, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist alarmiert. Die Regierung nehme die Vorwürfe sehr ernst, erklärte ihr Sprecher.

Darum geht es: Der Chaos Computer Club hatte aufgedeckt, dass eine von der Polizei eingesetzte Software zur Überwachung von Computern Schwachstellen aufweist. Außerdem soll der sogenannte Staatstrojaner mehr Daten abgreifen als gesetzlich zugelassen. Seitdem wurde bekannt, dass es sich offenbar um Software der hessischen Firma DigiTask handelt - und dass weitere Behörden Trojaner in Auftrag gegeben haben.

Sieben Bundesländer haben offenbar Trojaner-Software angeschafft und eingesetzt, zwei haben einen Trojaner von einer Sicherheitsbehörde angefordert - außerdem setzen Bundesbehörden wie Zoll- und Bundeskriminalamt Trojaner-Technik ein. Eine Verbindung zum Bayern-Trojaner weisen etliche der zuständigen Innenbehörden zurück - bei einigen der Trojaner ist aber klar, dass sie zumindest von derselben Firma stammen: DigiTask. Unsere Übersicht:

Dieser Stand könnte sich noch ändern: So musste das Landeskriminalamt Bremen sich selbst korrigieren. Zunächst hatte es auf Anfrage geheißen, das Bundesland habe keinen Trojaner eingesetzt. Tags darauf meldete die Behörde, dass die Spitze des Hauses offenbar nicht ausreichend über eine geheime Ermittlung informiert wurde - bei der sehr wohl per Trojaner geschnüffelt worden war.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Null Problemo …
wika 13.10.2011
… sie müssen nur dem richtigen Ansatz folgen, dann geht schlicht alles. Betrachten sie dazu *die (noch inoffizielle) Konzeptvorstellung des Bundestrojaner 3.0* … Link (http://qpress.de/2011/10/11/neues-bundestrojaner-3-0-konzept-soll-flop-wettmachen/), dann werden sie schnell erkennen wie man das Problem löst. In groben Zügen gesagt, als Open-Source-Projekt, mit kostenpflichtigen Add-Ons ab 2012 zum freien Download für jedermann erhältlich, ist er dann Grundgesetz konform. Nur Verbrecher bekommen die Light-Version zwangsinstalliert, die dann auch den Anforderungen des Grundgesetzes genügt. Sie sehen also, man muss die Staatsschnüffelei eben nur kreativ Betreiben und dem Volk suggerieren, „wir brauchen keine Freiheit, nur Sicherheit“, dann geht echt alles … (°!°)
2. Welche weiteren Befugnisse bekomt der Staat nur durch Abhören?
tdse13 13.10.2011
Angenommen eine überwachte Person ist mit seinem Laptop unterwegs. Damit können zusätzlich, als Abfall der Überwachung, sogar Bewegungsdaten entstehen. Ist das rechtskonform? Oder die überwachte Person hält sich im Ausland auf und telfoniert via Skype mit einer anderen Person im Ausland. Damit findet die Überwachung außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes statt und möglicherweise wird eine Gespräch von einer weiteren Person in einen Drittland überwacht. Ist das verfassungkonform (auch wenn es zur Verhinderung von Straftaten führen kann)?
3. Keine Expertise im BIM!
sikasuu 13.10.2011
Spannend dazu ist, das sich die Befürchtungen fast im Stundentakt bewahrheiten. In Der Bundespressekonferenz erklärten Finanz- und Innenmnisterium: Keine Eigene Expertise zur Prüfung des Quellcodes oder der Binarys im Haus.... man verlasse sich da voll und ganz auf den Hersteller. . Quellen: http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2011/10/2011-10-12-regpk.html und hier aufgearbeitet http://taz.de/Bundesregierung-zum-Staatstrojaner/!79854/ Genau wie erwartet: Die Software ist gesetzeskonform, wir sind da sicher, können das zwar nicht selbst prüfen, aber die Programierer einen mittleren Programierbude haben uns versichert das das alles so OK ist. . Es wird HOHE ZEIT, dass das alles ganz schnell von UNABHÄNGIGEN Fachleuten im Quellcode aber auch in den Binarys untersucht und dokumentiert wird. . dastenschützer werden da wohl genau so überfordert sein! Sie hätten ja schom im Vorfeld, wenn Wissen vorhanden, beraten können :-((
4. Staatstrojaner find ich gut!
kdshp 13.10.2011
Zitat von sysopWer darf per Staatstrojaner Computer überwachen? Wer durchsucht Rechner übers Netz? Seitdem das Verfassungsgericht 2008 ein Computer-Grundrecht geschaffen hat, gelten für den Einsatz von Schnüffel-Software strenge Grenzen - Ermittler in Bayern haben sie überschritten.* http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,791477,00.html
Hallo, da wird wohl bald auch die steuerfahndung loslegen. Ich denke man (die regierung) will nur sehen wie das volk reagiert und entsprechend handeln. Warum auch nicht wer nix zu verbergen hat muss ja keine sorgen haben. Also auf meinen PC können die von mir aus mal schauen kommen. 13.10.2011 Daten-CD aus Luxemburg Fahnder bereiten Großeinsatz gegen Steuersünder vor http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791682,00.html
5. Staatstrojaner 3.0 So gehts wirklich
4mocPeter, 13.10.2011
Zitat von wika… sie müssen nur dem richtigen Ansatz folgen, dann geht schlicht alles. Betrachten sie dazu *die (noch inoffizielle) Konzeptvorstellung des Bundestrojaner 3.0* … Link (http://qpress.de/2011/10/11/neues-bundestrojaner-3-0-konzept-soll-flop-wettmachen/), dann werden sie schnell erkennen wie man das Problem löst. In groben Zügen gesagt, als Open-Source-Projekt, mit kostenpflichtigen Add-Ons ab 2012 zum freien Download für jedermann erhältlich, ist er dann Grundgesetz konform. Nur Verbrecher bekommen die Light-Version zwangsinstalliert, die dann auch den Anforderungen des Grundgesetzes genügt. Sie sehen also, man muss die Staatsschnüffelei eben nur kreativ Betreiben und dem Volk suggerieren, „wir brauchen keine Freiheit, nur Sicherheit“, dann geht echt alles … (°!°)
WiKa ich finde den Link besonders geeignet diese Disussion zu bereichern. Wenn mann dann die notwendige Ernsthaftigkeit, der Notwendigkeit einer Steuererklärung auch für Rentner oder Minijobber überblickt, sieht man sofort, dass der Trojaner in Wirklichkeit schon längst per ELSTER große Verbreitung in der Bevölkerung gefunden hat, zumindest nach der Verpflichtung aller Unternehmer eine ELSTER anstatt Papier abzugeben. Warum hier Bankster ausgenommen wurden? Wer weiß. Grüßle, mit einem Schmunzeln auf den Lippen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: