DigiNotar und die Folgen: Experten fürchten weitere gefälschte Internet-Zertifikate
Eine Reihe von Firmen stellt Zertifikate aus, mit denen sich Websites gegenüber Browsern ausweisen können - einem Anbieter kamen solche Internetausweise für Google abhanden. Nun fürchten Experten, dass weitere Seiten betroffen sein könnten.
Deie Unbekannten, die dem niederländischen Sicherheitsunternehmen DigiNotar brisante Google-Zertifikate abluchsten, konnten offenbar noch viele weitere Zertifikate erbeuten. Das räumt Vasco Data Security International, DigiNotars Mutterfirma, in einem durchaus umstrittenen Statement ein: Bei einem Dateneinbruch Mitte Juli seien "Zertifikate für eine Reihe von Domains, inklusive Google.com" angefordert worden. Nach Angaben des Unternehmens wurde alle, bis auf das von Google, nach einem Auditing sofort zurückgezogen - und damit theoretisch unschädlich gemacht.
Sicherheitsexperten beruhigt diese Erklärung wenig: Wenn DigiNotar und dem Auditor die gefälschten Google-Zertifikate durch die Lappen gingen, welche dann noch? Weil DigiNotar keine detaillierten Angaben zu den betroffenen Zertifikaten macht, suchen Experten nun nach Hinweisen: Eine reiche Quelle für Verschwörungstheorien liefert Googles Hausbrowser Chrome, der in seiner neusten Version gleich 247 Zertifikaten nicht mehr vertraut, wahrscheinlich den von DigiNotar als gefährlich markierten.
Dazu sollen unter anderem Internet-Ausweise für Yahoo sowie die Blog-Anbieter Baladin und Wordpress gehören. Baladin ist ein iranischer Anbieter. Mit den gestohlenen Zertifikaten könnten Internet-Verbindungen abgehört werden, zum Passwort-Klau bei E-Mail-Diensten etwa. Laut einer anonymen Quelle des holländischen IT-Experten Van de Looy sind außerdem die Websites des Webunternehmens Mozilla und des Anonymisierungsdienstes Tor betroffen. Man fragt sich: Warum gibt es dazu keine transparente Stellungnahme von Seiten Vascos, weshalb die gefährliche Geheimniskrämerei?
Privatsphären-Fiasko
Bei Tor, das geht aus einem Blog-Eintrag des Sicherheitsexperten Jacob Appelbaum hervor, klingeln jedenfalls die Alarmglocken: Niemand wisse, wie lange die Zertifikat-Diebe mit ihrer Beute Internetdaten abhören und manipulieren konnten, schreibt er. Ein Privatsphären-Fiasko. Jeder, der in den letzten Monaten die Tor-Software heruntergeladen hat, könnte eine manipulierte Version mit einer Hacker-Hintertür installiert haben. Den Nutzern wird deshalb geraten, ihre Browser sofort zu aktualisieren, die Signatur ihres Tor-Downloads zu verifizieren und bei jeder Unregelmäßigkeit das Tor-Team zu informieren.
Am Schluss seines Posts schiebt Appelbaum noch eine Kritik hinterher, die viele IT-Experten teilen: Das Zertifikatstellen-System sei ein Benzin-getränktes Kartenhaus, das nur auf eine Flamme warte.
fko
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- Freitag, 02.09.2011 – 12:41 Uhr
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- Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
- Fefes Blog zum Statement der Vasco Data Security International
- Website von DigiNotar
- Statement der Vasco Data Security International
- Artikel von Net-Security.org
- Artikel von Computerworld.com
- Blog-Eintrag des Tor-Aktivisten Appelbaum
- Hinweise zur Verifizierung der Signatur des Tor-Downloads
für die Inhalte externer Internetseiten.
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