"Digitale Gesellschaft": Beckedahl plant Organisation für Bürgerrechte im Web

Von Hilmar Schmundt

Eine Electronic Frontier Foundation für Deutschland? Ganz so weit würde Netzpolitik-Gründer Markus Beckedahl nicht gehen. Er plant eine Organisation namens "Digitale Gesellschaft", die zwar auch für Bürgerrechte und kluge Politik im Netz streiten soll - aber in kleinerem Rahmen.

Bloggerkongress re:publica (Archivbild von 2010): Netz-Bürgerrechtsorganisation geplantZur Großansicht
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Bloggerkongress re:publica (Archivbild von 2010): Netz-Bürgerrechtsorganisation geplant

Berlin - Deutsche Internetaktivisten wollen eine neue Interessenvertretung gründen. Auf dem Bloggerkongress re:publica will der Mitveranstalter Markus Beckedahl ( netzpolitik.org) zur Auftaktveranstaltung am Mittwoch in Berlin einen neuen Verein namens "Digitale Gesellschaft" vorstellen. Der Name ist Programm, zu den Kernthemen gehören Urheberrecht, Open Data, Internetsperren, Vorratsdatenspeicherung, Lobbytransparenz und Netzneutralität. Das Logo besteht aus kleinen Quadraten, die sich zusammen als die Buchstabenfolge "dg" lesen lassen.

"Wir wollen eine offene und freie digitale Gesellschaft erhalten und mitgestalten. Dazu brauchen wir Dich, Dein Wissen und Dein Engagement", heißt es auf der Website, die ab Mittwoch verfügbar sein soll.

"Kampagnenbaukasten für Soziale Medien"

"Wir wollen so etwas wie einen Kampagnenbaukasten für Soziale Medien zur Verfügung stellen", sagt Beckedahl, "dazu gehören zum Beispiel Widgets, außerdem könnten wir beim Verfassen von Stellungnahmen und beim Entwerfen von professionellen Logos helfen". Zwar gebe es industrielle Lobbygruppen wie Bitkom oder Eco sowie etliche Protestbewegungen und natürlich die Piratenpartei, so Beckedahl, doch den einen mangele es oft an Offenheit und Transparenz, den anderen an Wirksamkeit und Effizienz.

Der Verein "Digitale Gesellschaft" soll als Träger für diverse Kampagnen funktionieren und je nach Spendenaufkommen Stellen schaffen, um Politiker und Organisationen zu beraten. Auch die Europapolitik sei wichtig, so Beckedahl, hier könne er sich eine Zusammenarbeit mit Organisationen wie "Bits of Freedom" aus den Niederlanden oder "Quadrature du Net" aus Frankreich vorstellen.

Als gute Beispiele für gelungene Organisationsformen nennt Beckedahl die deutsche Website campact.de oder moveon.org aus den USA. Die Digitale Gesellschaft solle dabei weniger an Organisationen wie dem BUND orientiert sein als eher an Greenpeace. Ziel sei keine breit aufgestellte Basisorganisation mit Dutzenden von Ortsverbänden, sondern zunächst ein kleiner, schlagkräftiger Kern von 20 bis 30 Politikberatern, Designern und "Medienhackern", die mit verschiedenen Interessengruppen zusammenarbeiten.

In den USA existiert eine schlagkräftige Organisation für digitale Bürgerrechte schon seit Anfang der neunziger Jahre. Damals gründeten der ehemalige "The Grateful Dead"-Texter John-Perry Barlow und der Software-Multimillionär Mitch Kapor die Electronic Frontier Foundation (EFF), die bis heute einflussreichste Organisation in diesem Bereich.

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  • Sonntag, 10.04.2011 – 11:37 Uhr
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