Milliarden-Versteigerung Neue Frequenzen sollen schnelles Netz für alle bringen

Weniger Funklöcher und schnelles Internet auf dem Land: Die drei größten Mobilfunknetzbetreiber bieten ab Mittwoch wieder um Breitbandfrequenzen. Schon die Mindestgebote liegen bei 1,5 Milliarden Euro.

Arbeiten an einem Mobilfunkmast: Drei Bieter steigern um Frequenzen
DPA

Arbeiten an einem Mobilfunkmast: Drei Bieter steigern um Frequenzen


Die Bundesnetzagentur versteigert am morgigen Mittwoch Frequenzen für mobiles Breitband. Zugelassen sind die drei ähnlich starken Bieter Telefónica, Telekom und Vodafone.

"Wir erwarten, dass die Auktion einen starken Impuls für einen raschen Ausbau der Breitbandnetze insbesondere im ländlichen Raum setzt", sagt der Präsident der Behörde, Jochen Homann. Als erstes Land in Europa versteigert Deutschland Frequenzen aus dem Bereich 700 Megahertz, die derzeit noch vom Rundfunk genutzt werden. Dieses Spektrum wird aber sukzessive geräumt, weil die Ausstrahlungen von DVB-T auf den Nachfolgestandard DVB-T2 umgestellt werden.

Begehrt sind die Frequenzen deshalb, weil sie sich in besonderer Weise dazu eignen, das schnelle Internet in versorgungsschwache Regionen zu bringen. Rund 150 Rundfunksender müssten schrittweise in den Bereich von unterhalb 694 Megahertz verlagert werden, dann werde der Mobilfunk nach und nach in diese Lücke stoßen.

Die Frequenzauktion ist Teil der Pläne der Bundesregierung, das schnelle Internet über Festnetz und Mobilfunk zu verbreiten. Mobile Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde und Antennensektor sollen möglich werden und damit 10 MBit für jeden Haushalt sichergestellt sein. Zudem müssen die Netzbetreiber eine flächendeckende Versorgung von mindestens 97 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland und 98 Prozent der Haushalte bundesweit garantieren.

Alle Funklöcher geschlossen?

Verbessern soll sich darüber hinaus auch das Surfen entlang der Autobahnen und ICE-Trassen. "Klar ist: 2018 sind dann auch alle lästigen Funklöcher in Deutschland geschlossen", sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt.

In die Versteigerung in Mainz kommen ferner die abgelaufenen GSM-Frequenzen, mit welchen der digitale Mobilfunk in den Neunzigerjahren seinen Siegeszug antrat. Dabei soll die Auktion dazu beitragen, die Frequenzen fairer zwischen den Bietern zu aufzuteilen. Durch die Fusion von E-Plus und Telefónica hatte sich die Frequenzausstattung zu Ungunsten der Konkurrenten Telekom und Vodafone verschoben. Die drei Konzerne, nach dem Zusammenschluss der beiden kleinen etwa ähnlich stark, sind die einzigen Bieter, die zur Auktion zugelassen worden waren.

Außen vor ist damit das Unternehmen Liquid Broadband, das im vergangenen Jahr angekündigt hatte, in Deutschland ein viertes Netz mit Unterstützung von Kunden und Kommunen aufbauen zu wollen.

Die Strategien der drei Bieter und der mögliche Erlös sind bislang nicht bekannt. Werden die Mindestgebote aller zur Versteigerung anstehenden Pakete allerdings addiert, ergibt sich ein unterer Preis von 1,5 Milliarden Euro. "Die Frequenzen sind knapp und extrem wertvoll. Wir gehen davon aus, dass es Bieterwettbewerb geben wird", sagt Hahn. "Ich erwarte einen munteren Wettbewerb und als Erlös einen Milliardenbetrag", sagt Dobrindt. Doch bei nur drei Unternehmens ist es leichter, durch das Setzen von Bietsignalen die Auktion zu steuern. Da Absprachen aber streng verboten sind, ist der Ausgang offen.

Es ist bereits die sechste Frequenzversteigerung an dem Standort. Und fehlen wird auch die legendäre Versteigerungsuhr nicht, mit der im Jahr 2000 die spektakuläre UMTS-Auktion beendet wurde. Eine Summe von 50,8 Milliarden Euro hatten damals sechs Bieter gezahlt - in einer Zeit, als die Mobilfunkeuphorie keine Grenzen kannte.

Peter Lessmann, dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
fpwinter 26.05.2015
1. Immer die gleichen Versprechungen
- doch am Ende müssen sich die Endverbraucher wieder mal neue Geräte zu legen (die dann natürlich auch irgendwann mal wieder nicht mehr aktuell sein werden), und die Firmen machen den großen Reibach.
heavenstown 26.05.2015
2. @fpwinter...
Solange ich dann auf dem Land wo ich lebe auch mal endlich schnelles Internet habe ist mir die Ausgabe für etwas neue Hardware wert.
silenced 26.05.2015
3.
Was bringen mir 10Mbit 'Geschwindigkeit' wenn ich dann wieder nur einen Tarif mit einem Datenvolumen von 20GB oder 30GB habe? Streaming, Youtube, Musikhören per Internet = Keine Chance! Ein 5-Personenhaushalt mit 20GB? Guter Witz. Alles verlagert sich ins Internet. Zocken mit XBox oder Playstation? -> Erstmal alles runterladen ... Volumen weg. Sich per Amazon Prime einen Film anschauen? Armes Datenvolumen. SkyGo nutzen? Träumen Sie weiter. Für den Alltagsgebrauch reichen 3 - 5 MBit locker aus, diese dann ohne Volumen und alle sind glücklich.
frietz 26.05.2015
4.
und den erlös im milliardenbereich bezahlen dann wieder die kunden, die für wenige gb horrende gebühren zahlen sollen. nicht umsonst wird man alles dafür tun, dass heimische wlans nicht freigegeben werden können.
rbwntr 26.05.2015
5. Money for Nothing für den Staat
und dem Verbraucher unnötig hohe Preise, also quasi eine Extraabgabe auf das volkswirtschaftlich wichtige schnelle mobile Internet.
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