Arbeit und Digitalisierung Das tatsächliche Problem ist längst da

Die Roboter kommen - und nehmen jedem Zweiten den Job weg? Über diese Vision lässt sich streiten, Sascha Lobo sieht auf dem Arbeitsmarkt aber viel dringendere Schwierigkeiten. Hier antwortet er seinen Lesern.

Gebäudereinigerin bei der Arbeit (Archivbild)
DPA

Gebäudereinigerin bei der Arbeit (Archivbild)


Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #37. Arbeit und Digitalisierung, das Verschwinden der Mittelklasse

Wird bald die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung durch Roboter und künstliche Intelligenz ersetzt? Diese These, die in verschiedenen Varianten immer wieder zu hören ist, irritiert Sascha Lobo. Denn ist es wirklich schon klar, dass es so kommen wird?

Lobo kommentiert in seiner jüngsten Kolumne "Das Verschwinden der Mittelklasse", dass es sich auch um ein Scheinproblem handeln könnte, er findet einen anderen Debattenfokus wichtiger. "Die Frage der Politik zu Arbeit und Digitalisierung darf nicht heißen: Was machen wir mit denen, die durch Digitalisierung keine Arbeit mehr finden?", meint Lobo, "sondern: Wie gehen wir mit Geringverdienern um? Denn deren Zahl wird zunehmen, quer durch alle Berufe, aber besonders bei den geringer Qualifizierten."

Knapp 150 Leser haben Sascha Lobos Artikel über Arbeit allein an den ersten beiden Tagen nach Veröffentlichung im Forum von SPIEGEL ONLINE kommentiert. In der Podcast-Folge zum Thema geht der Kolumnist nun auf ausgewählte Beiträge ein.

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mbö



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
lupo62 06.05.2018
1. Typischer Denkfehler
Die Roboter werden vorwiegend unqualifiziertes Personal ersetzen (Kasse, Reinigung) deshalb werden Geringverdiener in der Witschaft zahenmäßig nicht mehr, sondern weniger. Im Extremfall bleiben nur wenige gutbezahlte Spezialisten übrig, die sich im weitesten Sinne mit dem Einsatz der Roboter beschäftigen. Das war übrigens schon vor 30 (!) Jahren in einer Bierbrauerei zu besichtigen. Eine riesige, menschenleere Halle voller Fließbänderr, wenige Spezialisten vor Ort, die Störungen beseitigten und eine Überwachungszentrale wie in einem Atomkraftwerk ebenfalls mit wenigen Menschen vor den Bildschirmen. Lebendig wurde es dann im Anschluß an die Produktion. Ein Herr von Gabelstablerfahrern fuhr die Flaschen ins Lager und auf die LKWs. Die kommende Entwicklung wird die Fließband-Reperatur-Spezialisten und die Überwachungsleute so schnell nicht gefährden, weil es sich um sehr flexible Tätigkeiten handelt, die sich kaum automatisieren lassen. Ganz anders sieht es mit den Gabelstabler- und LKW-Fahrern aus. Ja, man kann nicht nur PKW automon fahren lassen... . Und das sind die Geringverdiener in diesem Produktionsprozess. In Zukunft werden wir gar nicht mehr so viel Menschen brauchen wie wir haben, um unsere Produktion am Laufen zu halten. Was machen wir mit den "überflüssigen" Menschen? Legitimieren wir sie mit den Gewinnen aus der automatisierten Produktion für "unproduktive" (=keine Gewinne abwerfenden) Aufgaben?
downgrade0815 06.05.2018
2. richtig..Qualifikation ist gar nicht der Punkt !
Wenn aus 100 Arbeitsplätzen 5 werden, ist die Qualifikation egal. dadurch, verlagert es sich nicht hin zu 100 Fachleuten, Hochqualifiziert..sondern zu 5 Mitarbeitern ! Das ziel einer Optimiereung liegt selten daran, gleiche Quantität der Resource mensch..nur höher qualifiziert zu schaffen, sondern die "Resource" Mensch wegzuoptimieren. Der Blödsinn, das Qualifikation das problem löst..ist weit verrbeitet. nein, ers chafft ggf. nur eine geringe Chance, woanders tätig werden zu können...so lange, bis unsere "Optimierung" auch diese Bereiche erreicht. Früher war es Automatisation im bereich der produktion, heute hat man durch KI die Möglichkeit, auch bislang eben nicht durch automatisation abgedeckte Bereiche - automatisieren zu können. die Bereiche in denen menschen tätig werden müssen, werden somit immer kleiner. Die Gewinnmaximierung führt dabei nicht zwangsläufug zu neuen, anderen Positionen..sondern GERADE auch in IT Bereichen immer mehr dazu, das Menschen eingespart werden. Den Umschwung zu einer Gesellschaft, in der Menschen immer mehr befreit von klassischer arbeit sind, weil diese automatisiert wird..ist kaum durch mehr "Qualifikation" zu bekämpfen. Die Grundeinstellung zur Arbeit...als Lebensziel und "Muß" wird sich ändern (müssen). Die Finanzierung unserer Gesellschaft, die Abhängigkeit von Arbeit, Jobs wird sich ändern müssen. Momentan ist es ein machtspiel in der Umverteilung - dieses gibt man ungern aus der Hand. langfristig sägt man jedoch fleißig am Ast, auf dem man sitzt. eben Maximierung und Automatisierung führt zu Menschen, die wenig bis gar kein Einkommen mehr erwirtschaften können. "Konsumenten" ohne "Potenz" (finanziell) - ich bin mal gespannt, wie dann weiter maximiert wird ;)
QuoVadis sociedad 06.05.2018
3. @downgrade0815
zumal das Problem gar nciht darin besteht, dass mehr nachfrage nach qualifizierten tätgkeiten besteht und diese eine garantie für ein sicheres xistenezeinkomemndarstellt; erstens sind es grade die mittleren einkommen die besonders starke rückgänge erleiden, die unteren einkommen lohn sich für die automatsierung (noch ) nicht, weshalb diese nur in der summe wegrationalisert wrerden; so zB in den EInzelhandeölsfilialen, wo die "Kassierer" oder "Pfandflaschenentgegennahme" Tätigkeit wegfällt, sodass hier nicht massig Verkäufer wegfallen, aber eben der anteilige Lohn bei den Angestellten und Neueinstellungen eingespart werden kan..Es ist ein schleichender Prozess, der auch gerade die Hochverdiener betrifft(da sich deren Löhne zu sparen richtig lohnt); sei es bei der Börse oder Anwälten, wo das Berufsbild nicht ausstirbt sich aber stark umformt , sodass einst zwar "unterbezahlte " Tätigkeiten in zuikunft gar nicht mehr von zB angehenden Anwälten Hilfskräften etc erldigt wird sondern durch die KI ersetzt wird..So gesehen ist es wahrschl dass in jedem job der "routinemäßige Anteil" ersetzt wird uns so a) weniger Neu-Einstellungen erfolgen (zu schlechteren Konditionen als bisher..) und b) langfristig die gesamte Lohnsumme in den Berufen sinkt, die automatisiert werden können. (Langfrsitig wird die volks Lohnquote weiter sinken..) Welche Berufe das vorallem betrifft lässt sich zB bei dem IAB Monitor ablesen auch wenn dieser augfrund der wahnsinnig schnellen Entwciklungen in der KI Foreschung sicherlich nur vorübergehend "sinnvoll" erfasst..https://job-futuromat.iab.de/
GoaSkin 06.05.2018
4. "diese" Digitalisierung ist ein großer Schuss in den Ofen
Die Unternehmen setzen sich leider meist kaum kritischer mit der Digitalisierung auseinander, als der durchschnittliche Privatanwender. Statt sich eigene Lösungen auszudenken, um mit Hilfe von neuen Technologien effizienter produzieren zu können, werden Fertiglösungen von großen Datensammel-Konzernen einfach eingekauft und den Anbietern blind vertraut. Den Betrieb eigener Server mit eigenen Software-Lösungen gibt man immer mehr aus der Hand, kauft sich bei Cloud-Anbietern ein und hält dies für hip und seriös - obendrein auch noch für billig. Vertrauenswürdig gibt man sensible Daten Fremdunternehmen mit der prinzipiellen Möglichkeit zur weiteren Verwertung in die Hand und riskiert einen gigantischen Wirtschaftlichen Schaden, sofern die externen Anbieter ihre Dienste verweigern oder nicht mehr so bereitstellen, wie man es gerne hätte. Für einen zukünftigen digitalen Wirtschaftskrieg macht man sich zu dem sehr offensiv und forsch angreifbar. Ist das Desaster da, wird man froh sein, dass es noch ein paar qualifizierte Leute auf dem Arbeitsmarkt gibt, die den Unternehmen dabei helfen können, (wieder) ihre eigenen Lösungen umzusetzen und das erforderliche IT-Knowhow nicht ganz ausschließlich nur bei Google, Amazon und Co. vorhanden ist.
Gerdd 06.05.2018
5. Das ist noch der größte Irrtum bei der ganzen Geschichte!
Zitat von lupo62Die Roboter werden vorwiegend unqualifiziertes Personal ersetzen (Kasse, Reinigung) deshalb werden Geringverdiener in der Witschaft zahenmäßig nicht mehr, sondern weniger. Im Extremfall bleiben nur wenige gutbezahlte Spezialisten übrig, die sich im weitesten Sinne mit dem Einsatz der Roboter beschäftigen. Das war übrigens schon vor 30 (!) Jahren in einer Bierbrauerei zu besichtigen. Eine riesige, menschenleere Halle voller Fließbänderr, wenige Spezialisten vor Ort, die Störungen beseitigten und eine Überwachungszentrale wie in einem Atomkraftwerk ebenfalls mit wenigen Menschen vor den Bildschirmen. Lebendig wurde es dann im Anschluß an die Produktion. Ein Herr von Gabelstablerfahrern fuhr die Flaschen ins Lager und auf die LKWs. Die kommende Entwicklung wird die Fließband-Reperatur-Spezialisten und die Überwachungsleute so schnell nicht gefährden, weil es sich um sehr flexible Tätigkeiten handelt, die sich kaum automatisieren lassen. Ganz anders sieht es mit den Gabelstabler- und LKW-Fahrern aus. Ja, man kann nicht nur PKW automon fahren lassen... . Und das sind die Geringverdiener in diesem Produktionsprozess. In Zukunft werden wir gar nicht mehr so viel Menschen brauchen wie wir haben, um unsere Produktion am Laufen zu halten. Was machen wir mit den "überflüssigen" Menschen? Legitimieren wir sie mit den Gewinnen aus der automatisierten Produktion für "unproduktive" (=keine Gewinne abwerfenden) Aufgaben?
Wer sich mal mit KI-Systemen auseinandergesetzt hat, wie zum Beispiel IBM's Watson, dem muß sehr schnell klar werden, daß damit schon ziemlich gut ausgebildete Mitarbeiter ersetzt werden können. Wenn Watson bei der medizinischen Diagnostik schon fast auf Augenhöhe mit dem behandelnden Arzt argumentiert - einfach weil ("er/sie/es") besser, viel besser, belesen ist, dann kommt das dem "Fachkräftemangel" schon sehr nahe. Auch im Veresicherungs wesen werden die "Watsons" sich sehr schnell breitmachen - sowohl in der Aquise als auch in der Schadensbearbeitung. Da bleibt noch die "Kunst- und Kulturszene." Einen Lang Lang oder einen Campino kann Watson wahrscheinlich noch nicht ersetzen, einen Moses Pelham (Sampler vom Dienst) schon eher. Einen Dieter Hildebrandt? Nein. Aber manch einen der heutigen "Comedians" wohl schon. In Kunst & Kultur kommt dann immer noch hinzu, daß sich der Publikumsgeschmack auch immer halbwegs bereitwillig ans Angebot anpaßt. Anders wäre die deutsche Comedy-Szene nicht zu erklären ;-)
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