Tech-Konferenz DLD Liebe Leserin, lieber Leser,

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in München fand bis heute die Technologiekonferenz DLD statt, eine Art verpflichtender Fahnenappell der deutschen Digitalszene. Ausrichter ist der Hubert-Burda-Verlag, der sich neben seinen Medienmarken wie "Bunte", "Focus" oder "TV Schlau" ein stattliches Internetimperium von Xing über Jameda bis zu HolidayCheck geschaffen hat. Offenbar scheinen sich auch Plattformgründer und Social-Arbeiter nach einem altmodischen Beisammensein zu sehnen; anders ist der Erfolg des DLD oder seines US-Pendants TED schwer zu erklären.

Die Vorträge scheinen nicht unbedingt das Lockmittel zu sein, denn die kann man bequem im DLD-Livestream verfolgen und hinterher abrufen - kostenlos (eine Sprecherin sagt, die Tickets hätten "einen Wert von je 3500 Euro"). Wer das tut, hört sehr oft Ausdrücke wie "super exciting", "awesome" oder "fantastic", stets mit mindestens einem Ausrufezeichen. Inhaltlich bleiben viele Redner auffallend unauffällig. Die wenigsten Gäste sind Einmann-Feuerwerke, manche klingen eher wie ihre fleischgewordene Pressemitteilung.

Sheryl Sandberg
picture alliance/ Gandalf Hammerbacher for DLD

Sheryl Sandberg

Top-Bühnenpromi war Sheryl Sandberg, COO bei Facebook. Fast alles an Inhalt hatte sie vorher schon in einem schriftlichen Interview mit der "FAZ" verpulvert, so blieb ihr Auftritt (hier als Video) eine einstudierte Predigt, die sie von Monitoren ablas. Mancher Satz sackte zusammen wie Badeschaum.

Doch ein Blick in die Auftritte der nicht so prominenten Redner lohnt durchaus. Loic Tallon, Digitalchef des New Yorker Metropolitan Museum of Art, erzählte etwa, wie selbst Museen eine Plattform werden könnten, indem sie Teile ihrer Sammlung als Datenschnittstelle anböten, die dann zum Beispiel bei Wikipedia verwendet würden - künstlerische Intelligenz sozusagen. Hier finden Sie das zugehörige Video.

Der italienische Sounddesigner Renzo Vitale schilderte, wie er Elektroautos, die langsamer als 30 Stundenkilometer fahren, einen einzigartigen und eindeutigen Sound geben will, der so angenehm klingt wie etwa ein Wasserfall, aber Fußgänger warnt (hier als Video).

Und der Autor und Investor Kai-Fu Lee beschrieb spannend, wie man bei den großen Tech-Konzernen im Silicon Valley nichts mehr anbrennen lasse und die Parkplätze um sieben Uhr abends bereits verwaist seien - was wiederum China den Kampf in Sachen künstliche Intelligenz leichter mache. Die Aufzeichnung finden Sie hier.

Manche Auftritte kamen hingegen deutlich als Reklame rüber. Bevor BMW-Chef Harald Krüger sein Unternehmen loben durfte, wurde er anmoderiert mit ein paar Worten zu den Autos des Konzerns: "Sind sie nicht schön?"


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Seltsame Digitalwelt: Alles statt nur die Hälfte

Der Mobiltelefonempfang ist bekannterweise entlang vieler deutscher Bahnstrecken dürftig - regelmäßige Leser dieses Newsletters kennen die Gründe dafür. Nun beobachte ich als Pendler ein Phänomen: Menschen senden aus dem Zug Sprachnachrichten hin und her, statt zu telefonieren.

ICE
DPA

ICE

Das mag zwar zuverlässiger funktionieren, als ein Telefonat zu führen, doch die Mitreisenden müssen ganz neue Strapazen ertragen. Weil die eingehenden Nachrichten meistens über den Lautsprecher angehört werden, folgt man nun quasi dem ganzen Gespräch.


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

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    Wie verändert sich dieses Jahr die Medienlandschaft? Verschwinden Nachrichtenwebsites komplett hinter Paywalls? Stirbt Facebook? Gewinnen Leser, Zuschauer und Hörer wieder mehr Vertrauen in die Medien? Diese Folge "Eine Stunde Was mit Medien" gibt einen Ausblick.
  • "Netflix claims Fortnite is now a bigger competitor than HBO" (Englisch, zwei Leseminuten)
    Mit wem misst sich Netflix? Wie "Gamasutra" berichtet, sieht der Streamingdienst unter anderem das beliebte und kostenlos spielbare Videospiel "Fortnite" als große Konkurrenz um Aufmerksamkeit für das eigene Angebot.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche,

Martin U. Müller

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insgesamt 1 Beitrag
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three-horses 21.01.2019
1. Dre Monate und etwas zu früh.
"Die digitale Zukunft wird sicher ganz "fantastic""...sicher, mit einem up load Filter, Zensur. Ich freue mich schon.
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