Domain-Weiterleitung: Google kann Blog-Inhalte auf Länderbasis sperren

Ein Sperrmechanismus, der Twitter letzte Woche viel Kritik einbrachte, wird offenbar auch bei dem Google-Dienst Blogger angewendet. So sollen Inhalte in einigen Ländern verschwinden können, während sie im Rest der Welt noch angezeigt werden.

Protest gegen Google (im Jahr 2006): "Verantwortungsvolles Veröffentlichen" Zur Großansicht
REUTERS

Protest gegen Google (im Jahr 2006): "Verantwortungsvolles Veröffentlichen"

Google kann neuerdings auf Länderbasis Sperrungen bei seinem Blog-Dienst "Blogger" vornehmen. Warum und wie, das erklärte der Konzern bereits vor einigen Wochen in einem Zusatz in den Support-Erläuterungen. Da Google die Änderungen jedoch nicht gesondert ankündigte, macht erst jetzt ein Bericht auf Techdows darauf aufmerksam.

Auf der Blogger-Support-Seite findet sich ein am 9. Januar aktualisierter Abschnitt. Demnach können die Blogs auf länderspezifische Domains umgeleitet werden. So kann aus einer Adresse, die normalerweise blogspot.com enthält, eine Adresse mit der deutschen Top-Level-Domain werden, also blogspot.de.

Die Neuerung wird mit einer Optimierung erklärt: Inhalte könnten so auf Länderbasis organisiert werden, "was die Konsequenzen auf möglichst wenige Leser reduziert". "Das erlaubt uns, freie Meinungsäußerung und verantwortungsvolles Veröffentlichen weiterhin zu unterstützen, während wir flexibler mit rechtmäßigen Löschanfragen umgehen können", heißt es beim Blogger-Support zur Erklärung der Maßnahme.

Sprich: Wie bei Twitter kann künftig auch der Google-Dienst Blogger Inhalte in einzelnen Ländern ausblenden, die anderswo jedoch weiterhin abrufbar bleiben. So könnte ein Blog mit Nazi-Parolen in Deutschland beschnitten werden, während andere Staaten die hierzulande verbotenen Inhalte weiterhin zu sehen bekommen.

Twitter hatte in der vergangenen Woche eine Änderung bekanntgegeben, die sich derselben Thematik annimmt: dem regionalen Ausfiltern einzelner Inhalte, sofern gesetzlich notwendig und eingefordert. Im Grunde, so beschrieb es das Unternehmen, sei der Mechanismus eine Verbesserung, da diese Inhalte bislang global hätten entfernt werden müssen.

In den geänderten Blogger-Richtlinien findet sich auch ein Absatz, der auf ein Schlupfloch hinweist: Als Blog-Leser könne man mit dem Zusatz /ncr - das steht für "No Country Redirect" - eine Weiterleitung auf eine länderspezifische URL verhindern und weiterhin das gewünschte Blog ansteuern. Ähnlich ist es bei Twitter: Der Sperrmechanismus ließe sich leicht umgehen, schreibt Netzwertig da kein IP-Geoblocking eingesetzt werde, also nicht endgültig auf Grundlage der IP-Adresse blockiert würde.

Google wollte sich auf Anfrage im Laufe des Vormittags dazu äußern.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. tyui
miauwww 01.02.2012
Die hatten doch auch immer die "freie Information" gepriesen? Naja, wer heute noch Gugl ohne Adblock nutzt, hat nichts gelernt.
2. Grenzenloses Internet?
Hajojunge 01.02.2012
Es ist erschreckend, wie die Datenkraken Google & Co. das Internet unter ihre Kontrolle bringen. Für den gewieften User ist es kein Problem, solche Sperren zu umgehen, doch der Durchschnitts-DAU scheitert. Dagegen hilft nur ein Mittel, nämlich das konsequente Meiden solcher Dienste. Oder man verwendet VPN-Verbindungen und Proxies, welche die wahre Adresse verschleiern. Doch auch diese haben bekanntlich Hintertürchen.
3. "<Seitename> Sperre umgehen"
+.+ 01.02.2012
Zitat von HajojungeEs ist erschreckend, wie die Datenkraken Google & Co. das Internet unter ihre Kontrolle bringen. Für den gewieften User ist es kein Problem, solche Sperren zu umgehen, doch der Durchschnitts-DAU scheitert. Dagegen hilft nur ein Mittel, nämlich das konsequente Meiden solcher Dienste. Oder man verwendet VPN-Verbindungen und Proxies, welche die wahre Adresse verschleiern. Doch auch diese haben bekanntlich Hintertürchen.
Naja selbst der könnte Sperren umgehen wenn er soweit denkt nach " Sperre umgehen" zu googlen (
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Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.


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