Das Silicon Valley und der neue Präsident Dann eben auf Trump programmiert

Vor der US-Wahl stellte sich das Silicon Valley gegen Donald Trump. Nun versuchen sich die Konzerne mit dem künftigen US-Präsidenten zu arrangieren, trotz Widerstand aus den eigenen Reihen.

Googleplex, Mountain View, Kalifornien
Getty Images/ Corbis

Googleplex, Mountain View, Kalifornien

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Als Donald Trump Mitte Dezember in New York die wichtigsten Firmenbosse des Silicon Valley traf, war die Stimmung sichtlich angespannt. Apple-Chef Tim Cook und Amazon-Gründer Jeff Bezos zumindest sahen auf Fotos vom großen Konferenztisch im Trump Tower nicht sonderlich glücklich aus.

Im Wahlkampf hatten die Anwesenden größtenteils Hillary Clinton unterstützt, nicht Trump, den Twitter-Wüterich, der keine Computer benutzt und die Grenze zu Mexiko dicht machen will. Es ist anders gekommen, als es sich die US-Hightechbranche gewünscht hat. In ein paar Tagen tritt Donald Trump sein Amt als Präsident an. Das Silicon Valley muss damit zurechtkommen, wie der Rest der Welt.

"Niemand will von Trump ins Visier genommen werden", sagte Hilary Rosen von der Politikberatungsfirma SKDKnickerbocker, die unter anderem schon für Barack Obama gearbeitet hat. Rosen ist am Sonntag auf die DLD-Konferenz von Hubert Burda Media in München gekommen, um auf der Bühne über "den Elefanten im Zimmer", über Trump also, zu sprechen.

"Ich kann bing, bing, bing machen"

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Trumps Sieg kratzt am liberalen Selbstverständnis des Silicon Valley, das sich als weltoffene Zukunftsschmiede versteht. Kalifornische Firmen wie Google, Facebook und Twitter wollen mit den dort erdachten Technologien die Welt verbessern, zumindest lautet so die eigene Interpretation ihres Tuns.

Nun sind sie bemüht, die schwierige Beziehung zum künftigen Präsidenten zu verbessern, überhaupt eine Basis für einen Austausch herzustellen. Trumps Wahlsieg war nicht nur ein ideologischer Schock, er berührt auch andere elementare Geschäftsinteressen der Hightechfirmen:

  • Trump ist gegen Freihandel und will weniger Immigranten ins Land lassen. Doch gerade die machen einen beträchtlichen Teil der Arbeitnehmer der IT-Branche aus, sind an der Entwicklung vieler Produkte beteiligt. Produziert wird die im Valley entwickelte Hardware aber hauptsächlich in China - unter anderem wegen der niedrigen Löhne. Eines der großen Trump-Versprechen lautet jedoch, in Amerika mehr Jobs zu schaffen.
  • Auch die von Firmen wie Google unterstützten, langwierig ausgehandelten nutzerfreundlichen Regeln zur Netzneutralität könnten unter Trump wieder verschwinden, genauso wie Datenschutzstandards. Verschlüsselung und Hintertüren in Software für Behörden könnten große Streitthemen zwischen der neuen Regierung und der Hightechszene werden. Ähnlich wie 2016 beim Streit zwischen Apple und dem FBI um das verschlüsselte iPhone eines Terroristen.

"Es ist ihnen peinlich, aber sie machen es trotzdem"

Kara Swisher, Gründerin des Tech-Portals "Recode", beobachtet, wie sich das Silicon Valley deshalb nach dem überraschenden Wahlsieg im Eiltempo auf Trump einstellt. "Die Tech-Firmen arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Verbindungen ins republikanische Lager zu verbessern und heuern Leute an, die ihnen Zugang zur Partei verschaffen", sagte Swisher auf der DLD. Sie gilt als eine der am besten informierten Quellen des Silicon Valley und hat angekündigt, bei der nächsten Bürgermeisterwahl in San Francisco für die Demokraten antreten zu wollen.

Kara Swisher auf der DLD-Konferenz
picture alliance for DLD

Kara Swisher auf der DLD-Konferenz

Eine der wenigen Silicon-Valley-Größen, die Trump schon früh unterstützt haben, ist der Technologieinvestor Peter Thiel. Mit Trumps Sieg ist er laut Swisher "wichtigster Botschafter der Trump-Regierung im Silicon Valley" geworden. Er war es, der das Treffen beider Seiten in New York eingefädelt hat. Aktuell wird spekuliert, ob auch er in die Politik strebt: Es heißt, er denke darüber nach, als Gouverneur von Kalifornien zu kandidieren.

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Apple, Amazon und Google: Trump trifft Techies

"Es ist ihnen peinlich, aber sie machen es trotzdem", beschreibt Swisher das aktuelle Vorgehen vieler Technologieunternehmen. "Die Firmengründer des Silicon Valley gefallen sich darin, sich als Macht des Guten in der Welt zu inszenieren. Aber das stimmt nicht. Sie sind nicht besser oder schlechter als andere Konzerne und werden sich trotz aller Konflikte daran orientieren, was für ihr Unternehmen gut ist", sagte sie auf der DLD.

Swisher unterstützt die These, dass die sozialen Netzwerke des Valley Trump erst möglich gemacht hätten. Vor allem durch die virulenten Fake News auf Facebook, die das Netzwerk bisher nicht wirksam eindämmen kann.

"Entsetzt über das Entgegenkommen"

Bei den Hightechfirmen stören sich offenbar aber viele Mitarbeiter an dem pragmatischen Ansatz ihrer Chefs. Kurz vor deren Treffen mit Trump im Dezember veröffentlichten zahlreiche Angestellte unterschiedlicher IT-Firmen auf der Website Neveragain.tech das Gelöbnis, unter einem Präsidenten Trump niemals Daten für eine Muslimen-Datenbank zu liefern.

Im Wahlkampf hatte Trump mehrmals durchblicken lassen, dass er die Idee, alle Muslime in den USA in einer solchen Datenbank zu erfassen, nicht abwegig findet. Swisher glaubt nicht, dass eine Firma jemals dabei helfen würde, eine solche Datenbank anzulegen. "Aber die Aktion zeigt: Es gibt eine große Kluft zwischen der Führungsriege der Technologiefirmen und ihren Angestellten. Die Mitarbeiter sind entsetzt über das Entgegenkommen ihrer Bosse für Trump."

"An ethischen Fragen nicht interessiert"

Doch die Hightechkonzerne könnten von Trumps Agenda durchaus profitieren: Weniger Regulierung ist ein Trump-Versprechen, das der Branche gefallen dürfte. Außerdem könnte das reiche Valley von Trumps Ideen für eine Steuerreform profitieren. Für Auslandsgewinne soll ein niedrigerer Steuersatz als die aktuellen 35 Prozent fällig werden. Das könnte es den Unternehmen ermöglichen, ihre im Ausland gebunkerten Geldreserven in die USA zu holen. Aktuell horten viele US-Firmen ihre Milliardengewinne noch im Ausland, weil Steuern darauf erst fällig werden, wenn das Geld in die USA kommt.

"Wenn man keine ethischen Bedenken hat, gibt es unter Trump auch einige Vorzüge", sagt Swisher. "Und die Firmen des Silicon Valley sind nicht so stark an ethischen Fragen interessiert, wie sie vorgeben."

insgesamt 28 Beiträge
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keksguru 16.01.2017
1. Apple-Kapital im Ausland...
Vermutlich wird Trump auch gegen das Steuersparen des Silicon Valleys durch das Geld-horten im Ausland sein... und Apple ist profitabel genug um auch in den USA produzieren zu können. Das mit den Lohnkosten ist lächerlich - ein iPhone 7 enthält Hardware für ca. 250 $, Montagekosten von 20-30$ und wird nicht unter 500$ verkauft. Der Rest ist Gewinn und der bleibt da wo es am billigsten ist...
hadykhalil@web.de 16.01.2017
2. Ganz wirr
Was sollen sie auch machen? Muss ja. Der aussenpolitische Sprecher der CDU forderte einen realpolitischen Blick , so auf radio eins. Was meint er damit? Was ich gut an Trump finde ist das sich die CDU/ CSU von ihrer traditionellen Amerikahoerigkeit verabschieden muss. Sieht jedenfalls so aus. Die haben keinen Kompass mehr und sind wahrscheinlioch jetzzt ganz wirr.
eriatlov 16.01.2017
3. Offenbar ist Trump der erste Politiker
vor dem Manager kuschen. In Deutschland ist es - glaube ich -umgekehrt. 1:0 für Trump.
wurmfortsatz 16.01.2017
4.
Wann kauft endlich eine Nicht-US-Firma Twitter? Dann ist endlich Ruhe.
hansglück 16.01.2017
5. Einer schaut glücklich....
Elon Musk, der hat es richtig gemacht und fertigt konsequent nur in den USA die Tesla Autos für den US Markt. Trumps Umweltpolitik ist zwar unter aller S..., aber die Autos sind mittlerweile besser als Benziner und somit spielen Benzin Preise für die typischen Tesla Kunden eh keine Rolle, die wollen einfach keinen Benziner mehr und zahlen dafür lieber mehr.
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