Atomknopf-Drohung Warum Twitter Trump nicht sperrt

Twitter hat gelobt, strikter gegen Aufrufe zu Hass und Gewalt vorzugehen. Nun rechtfertigt der Kurznachrichtendienst, warum er für einen "Führer von Weltrang" eine Ausnahme machen will.

Twitter-Fan Donald Trump
DPA

Twitter-Fan Donald Trump


Twitter hat zuletzt neue Regeln aufgestellt. Der Kurznachrichtendienst will damit Nutzern beikommen, die "Hassbotschaften" verbreiten, zu Gewalt aufrufen oder diese verherrlichen. Entsprechende Konten können leichter als bisher blockiert werden.

Gerade in Deutschland tritt Twitters Sperr-Kommando offenbar besonders schnell in Aktion, aus Furcht vor Konsequenzen durch das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz (mehr zum NetzDG lesen Sie hier): Zu spüren bekam das jüngst nicht nur die AfD-Funktionärin Beatrix von Storch, sondern auch das Satire-Magazin "Titanic".

Keine Sorgen braucht sich hingegen der derzeit prominenteste Twitter-Provokateur machen: Donald Trump. Der Kurznachrichtendienst hat nun erklärt, warum er für den US-Präsidenten eine Ausnahme von den eigenen Regeln macht.

"Einen politischen Führer von Weltrang bei Twitter zu sperren oder dessen Beiträge zu löschen, würde wichtige Informationen zurückhalten, welche die Menschen sehen und über die sie diskutieren sollten", teilte das Unternehmen mit. Auch würde eine Sperre die betreffenden Politiker nicht zum Schweigen bringen, dagegen aber die "notwendige Diskussion" beeinträchtigen.

Trump-Tweet
REUTERS

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Hintergrund ist die jüngste Äußerung Trumps über den Kurznachrichtendienst, er verfüge über einen "viel größeren" und mächtigeren Atomknopf als Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un. Kritiker sehen darin und in Trumps anhaltender Präsenz auf dem Kurznachrichtendienst eine Gefahr für den Weltfrieden und eine Verletzung von Twitter-Regeln zu Gewaltäußerungen. Einige Nutzer demonstrierten am Mittwoch vor dem Twitter-Büro in San Francisco. Das US-Präsidialamt war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #20. Debakel um Hassrede-Gesetz: Die stumpfe Pracht des NetzDG

beb/Reuters/afp



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