GPS-Manipulation Studenten kapern Drohne 

Unbemannte Flugzeuge können offenbar leicht umgelenkt werden. In einem Experiment sollen US-Studenten das GPS-System einer Drohne gehackt und so die Flugbahn verändert haben. Das Material dafür hat laut BBC nur 1000 Dollar gekostet.


Hamburg - Einer Gruppe von jungen Forschern soll es gelungen sein, eine nichtmilitärische Drohne durch die Manipulation von GPS-Signalen fernzusteuern. Laut einem Bericht des US-Fernsehsenders Fox News handelt es sich dabei um ein Experiment der University of Texas in Austin.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Schulversuch, was Fox News da zeigt: In einem Football-Stadion steht eine Gruppe von Studenten, über der Sportarena fliegt eine kleine Helikopter-Drohne. Dann schaffen es die Studenten, die Drohne während des Flugs zu stören und in eine andere Richtung zu lenken.

Benutzt wurde dafür offenbar eine Technik namens GPS-Spoofing: Dabei verfälschen Angreifer die Signale der Navgationssatelliten, die zur Positionsbestimmung dienen. Die Drohne orientiert sich am manipulierten Signal und kann so theoretisch irregeleitet werden. Aus dem Bericht von Fox News geht nicht hervor, wie präzise die gezeigte Fernsteuerung funktionieren könnte, beispielsweise um eine Drohne verlässlich an einen bestimmten Punkt zu steuern oder zur Landung zu zwingen.

Dass die Frage aber militärisch relevant sein kann, steht außer Frage: So soll es Iran im vergangenen Jahr gelungen sein, eine US-Drohne per GPS-Manipulation zu erbeuten.

"Selbst zivile Drohnen können zur Waffe werden"

Das Experiment in Austin sollte nun grundsätzlich zeigen, wie leicht es zum Beispiel für Terroristen sein könnte, unbemannte Flugzeuge fernzusteuern und in ein Gebäude oder ein anderes Flugzeug zu lenken. Dabei geht es in diesem Fall wohl um zivil genutzte Drohnen im amerikanischen Luftraum, die in Zukunft eingesetzt werden könnten, sei es um Luftbilder für Kartendienste zu erstellen, Pakete auszuliefern oder ähnliches.

Todd Humphreys, Leiter des Forschungsprojekts, sagte Fox News: "Wenn man es mit den kleinen machen kann, dann kann man es auch mit den großen." In fünf oder zehn Jahren würden 30.000 Drohnen im Luftraum verkehren, sagt er voraus. "Jede von ihnen könnte zur Waffe werden."

Der Fox News-Moderator weist immerhin darauf hin, dass militärisch genutzte Drohnen ein verschlüsseltes GPS-System nutzen und es wesentlich schwerer sein dürfte, dort einzubrechen. In der zivilen Nutzung von Drohnen hingegen gebe es "keine Absicherung" gegen derartige Angriffe.

Die Alumni-Seite der Universität berichtet, wenige Tage nach dem Versuch Mitte Juni sei die Gruppe zur White Sand Missile Range nach New Mexico gereist. Dort hätten die Forscher das Experiment noch einmal vor Vertretern der Federal Aviation Administration und dem Department of Homeland Security , dem US-Ministerium für Innere Sicherheit, gezeigt.

Viel Geld braucht ein Angreifer für eine solche Fernsteuerung übrigens nicht: Laut der britischen BBC hat die Ausrüstung für den Versuch gerade einmal 1000 Dollar gekostet.

juh

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
jetzt:hördochauf 29.06.2012
1. nur wo keine Kommunikation
Zitat von sysopUnbemannte Flugzeuge können offenbar leicht umgelenkt werden. In einem Experiment sollen US-Studenten das GPS-System einer Drohne gehackt und so die Flugbahn verändert haben. Das Material dafür hat laut BBC nur 1000 Dollar gekostet. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,841778,00.html
nur wo es keine Kommunikation gibt, kann diese nicht manipuliert oder abgehört werden. Das ist doch nicht weiter überraschent.... Sollte das Gerät noch anweisung während des Betriebs bekommen, ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es gar übernommen wird. Falsche GPS- Signale sind ein Weg - nicht mal originell - auch zur Abwehr der Zielsteuerung wohl schon eingesetzt..
vantast64 29.06.2012
2. Diese Übernahme ist schon anspruchsvoll,
viel einfacher ist die Störung der Kommunikation mit einem starken Störsender aus der Bastelkiste, angeschlossen an eine Autobatterie, praktisch eine Holzhammermethode.
TylerD. 29.06.2012
3.
---Zitat von SPON--- Unbemannte Flugzeuge können offenbar leicht umgelenkt werden... ---Zitatende--- Woah echt, Computer und Netzwerke können angezapft und manipuliert werden ? Na wer hätte denn damit rechnen können ? Wer hätte ahnen können, dass dies dann auch bei Computergesteuerten Konstruktionen wie Autos, Drohnen oder Zentrifugen der Fall sein kann ? ---Zitat von SPON--- In einem Experiment sollen US-Studenten das GPS-System einer Drohne gehackt und so die Flugbahn verändert haben... ---Zitatende--- Ok jetzt mal Spaß beiseite, es ist doch allgemein bekannt, dass sich selbst große und mächtige Institutionen regelmäßig von kleinen Hackern vorführen lassen. Die CIA und das FBI können sich nicht schützen. Gleiches gilt z.B. für große Konzerne wie Sony die selbst im Prinzip Experten in Sachen Technik sind. Wer sich da nicht konkret erinnern kann sollte einfach noch mal googeln was Anonymous so in der letzten Zeit alles gerissen hat. Wer wundert sich da, dass dies auch mit Drohnen geht ? Bei vielen dieser Leute ist einfach ein extrem großes Knowhow vorhanden, dazu kommt noch eine relative Freiheit, da sie kaum Vorschriften unterliegen und eine Überwachung schwierig ist. Ihr Arbeitsmaterial ist im Grunde auch nicht teuer. ---Zitat von SPON--- Das Material dafür hat laut BBC nur 1000 Dollar gekostet. ---Zitatende--- Tja und wieder ein Beweis dafür, dass auch große Mächte mit noch so viel Geld kaum eine Chance gegen engagierte und erfinderische Individuen und Gruppen haben. Die Konflikte in Vietnam, in Afghanistan und im Irak sind alle Beispiele dafür. Trotz eines riesigen Haufens an Kohle, Massen an willigen Gehilfen und eines ausgetüftelten Propagandaapparats, bekamen und bekommen die Angreifer regelrecht den Ar..h voll. Oder will hier einer Behaupten das auch nur ein einziger dieser Konflikte irgendwie erfolgreich war ? Taktischer Rückzug nach einer Niederlage zählt nicht. Auch wenn die Drohnentechnik viel positives Potential bieten kann (bin im Grunde ein großer Fan), werden wir noch einige Überraschungen erleben und viele davon werden äußerst unangenehm sein.
xebudig 29.06.2012
4. Mehr Sorgfalt hilft ...
Zitat von jetzt:hördochaufnur wo es keine Kommunikation gibt, kann diese nicht manipuliert oder abgehört werden. Das ist doch nicht weiter überraschent.... Sollte das Gerät noch anweisung während des Betriebs bekommen, ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es gar übernommen wird. Falsche GPS- Signale sind ein Weg - nicht mal originell - auch zur Abwehr der Zielsteuerung wohl schon eingesetzt..
Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Konzeption von GPS Empfängers würde bereist genügen. Seit einiger Zeit wird darauf hingewiesen daß GPS Empfänger die die räumliche Zuordnung der Signalquelle nicht prüfen. Ein Empfänger mit 3 Antennen der eine Triangulation der Signale durchführt wäre bereits recht sicher. Daher gängige GPS Empfänger prüfen nur die relative Phasenlage Satellitensignale,nicht deren Richtung da dies unnötig ist. Wenn der GPS Emfänger redundanterwise auch die Richtung des Signals erfassen (wozu mehr als eine Antenne notwendig ist) läßt sich eine Signalquelle am Boden vom korrekten Satellitensignal unterscheiden.
indisbelief 29.06.2012
5. Als ob sich militärische Drohnen nur auf GPS verlassen...
Ich bin bereit eine hohe Summe Geld darauf zu verwetten, dass speziell militärische Drohnenhersteller sich nicht nur auf ein öffentliches Signal wie GPS verlassen.... Es ist doch kinderleicht die GPS Koordinaten mit internen Signalen der Drohe zu verifizieren und so einen Angriff zu entdecken. Kreiselkompass für die Richtung, Barometer zur Höhenmessung und Pitot-Sensoren für die Geschwindigkeit sind ja nun wirklich kein Hexenwerk...
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