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DSL-Drosselung: Videodienst Watchever kritisiert die Telekom

Watchever (Screenshot): Das Inklusiv-Datenvolumen ist schnell verbraucht Zur Großansicht

Watchever (Screenshot): Das Inklusiv-Datenvolumen ist schnell verbraucht

Die Ankündigung der Telekom, DSL-Leitungen künftig ab bestimmten Datenmengen zu drosseln, sorgt bei Online-Videoanbietern wie Watchever für Unmut. Wir erklären, welche Auswirkungen die Tarifänderungen für Anwender und Anbieter haben können.

Berlin/Bonn - Nach der Ankündigung der Deutschen Telekom, Internet-Verbindungen nach den Verbrauch eines Inklusiv-Volumens auszubremsen, hat der erste Online-Videoanbieter mögliche Einschränkungen für Kunden kritisiert. "Die Entwicklung des Internets ging immer von langsam zu schnell und von der Beschränkung hin zur kundenfreundlichen Flatrate. Komplizierte Volumentarife mit zahlreichen Einschränkungen im Kleingedruckten haben in der Vergangenheit nicht funktioniert", sagte die Geschäftsführerin des Videodienstes Watchever, Sabine Anger, der dpa.

Watchever lasse dem Kunden freie Wahl und stelle das Angebot ohne jede Einschränkung bereit - "das ist der Weg für erfolgreiche Geschäftsmodelle im Internet." Bei der im Januar gestarteten Tochter des französischen Vivendi-Konzerns gibt es für 8,99 Euro im Monat eine Streaming-Flatrate für Filme und Serien. Nach aktuellem Stand würde die Nutzung von Videodiensten wie Watchever das Inklusiv-Datenvolumen eines Kunden der Telekom verbrauchen.

Dagegen lastet das hauseigene Telekom-Videoangebot Entertain nicht auf dem Daten-Kontingent - weil es ein "Managed Service" sei, bei dem der Konzern die Qualität garantiere. Auch andere Videodienste könnten gegen Extra-Bezahlung von der Telekom einen "Managed Service" bekommen, dann würden auch ihre Daten nicht mitgerechnet.

FAQ zur DSL-Drosselung der Telekom
Für wen gelten die Obergrenzen?
Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen. "Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen", versprach die Telekom in einer Mitteilung vom 22. April. Greifen soll die Tempo-Bremse zudem "nicht vor 2016".
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haushalt die Obergrenze überschreitet?
Das lässt sich mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf einen DSL-Datendurchsatz 15 bis 20 Gigabyte pro Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind Internet-tauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark zunehmen.
Wofür reichen 75 Gigabyte Inklusiv-Volumen?
Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von E-Mails zum Beispiel, um zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme anzuschauen, 60 Stunden Internetradio zu hören, 400 Fotos anzusehen und 16 Stunden lang Online-Spiele zu spielen. Wenn solche Online-Dienste in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht am Datenkontingent.
Wie reagieren Anbieter von Streaming-Diensten?
Nach aktuellem Stand würden das Inklusiv-Volumen der neuen Verträge schnell verbraucht werden, wenn man Konkurrenzangebote zu T-Entertain benutzt. Wer also Filme über Apples iTunes, Amazons Lovefilm, Watchever oder YouTube anschaut, würde sein bezahltes Kontingent schnell erreichen und dann gedroselt werden. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen gegen Bezahlung einen "Managed Service" bieten würde. Auf dieses Weise könnten sie sich aus der Drosselung freikaufen, so dass ihre Kunden ihre Angebote ohne Angst vor Einschränkungen nutzen könnten. Die Kosten dafür müssten vermutlich auf die Preise der jeweiligen Angebote aufgeschlagen werden.

Alternativ könnten sich die Anbieter zum Kampf gegen die neue Regelung der Telekom entschließen.
Was passiert, wenn man das Inklusiv-Datenvolumen überschritten hat?
Die Geschwindigkeit des Internet-Zugangs wird auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Das entspricht der Leistung sogenannter Schmalband-Anschlüsse, mit denen die Telekom im ADSL-over-ISDN-Verfahren Internetzugänge in ländliche Gebiete bringt. Das reicht, um E-Mails abzufragen und - mit viel Geduld - auch im Internet zu surfen. Wer sich mit diesen Einschränkungen nicht abfinden will, kann gegen einen Aufpreis zusätzliches Datenvolumen hinzubuchen. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.
Machen andere Internet-Provider bei der Drosselung mit?
Vodafone will nicht mitziehen: "Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln." Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 Megabit pro Sekunde erhöht werden könnten. Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen - sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tagesvolumen von zehn Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert das aber erst ab 60 Gigabyte pro Tag. Bei 1und1 gehört das Drosselungsprinzip bereits fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 Gigabyte pro Monat surft man mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 Megabit pro Sekunde.

Die Telekom hatte am Montag angekündigt, dass für Neukunden vom 2. Mai an Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr bei Festnetz-Flatrates gelten werden. So kann die Telekom bei Leitungen mit einer Geschwindigkeit bis 16 Megabit pro Sekunde die Geschwindigkeit drosseln, wenn das Datenvolumen 75 Gigabyte überschreitet. Die Bremse solle nach derzeitigen Planungen aber erst 2016 greifen. Die Ankündigung der Telekom war in den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook von vielen Kunden und Netzpolitikern im Bundestag scharf als Verstoß gegen die Netzneutralität kritisiert worden.

mak/dpa

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1.
guteronkel 24.04.2013
Zitat von sysopDie Ankündigung der Telekom, DSL-Leitungen künftig ab bestimmten Datenmengen zu drosseln, sorgt bei Online-Videoanbietern wie Watchever für Unmut. Wir erklären, welche Auswirkungen die Tarifänderungen für Anwender und Anbieter haben können. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/dsl-drosselung-videodienst-watchever-kritisiert-die-telekom-a-896191.html
Vielleicht hat es sich bei der Telekom bald ganz erledigt mit dem Internetgeschäft. Tatsache ist, dass in ländlichen Gegenden der Zugang zum Internet vielfach noch nicht gegeben ist - zumindes in einer vertretbaren Geschwindigkeit. Wenn jetzt Kapazitäten fehlen, dann liegt das doch an der Fehlentscheidung der Landesregierungen und der Telekom nicht genügend auf den Markt und dessen Nachfrage reagiert zu haben. Aber vielleicht kommt bald das Kabelfernsehen und mit ihm die Telefon- und Internetanschlussmöglichkeit. Dann werden viele Telekomkunden der Telekom Adieu sagen - zu Recht.
2. Nanu?
der_bulldozer 24.04.2013
Ist Herr Mehdorn jetzt bei der Telekom?
3. Drosselung
spon-facebook-1407134689 24.04.2013
Finde es eine Frechheit das direkt auf 384k runter zu drosseln, es sollte doch auch problemlos mit 1-2 mbit/s möglich sein. Allerdings könnte man so ja noch problemlos surfen...
4. Es langt, das Internet ist längst von gestern, E-commerce und CO2-Emissionen daraus müssens nicht unbegrnzt sein
criticalsitizen 24.04.2013
Internet? Das war mal, eine offene und gute Kommunikation in zwei Richtungen und ist nunmehr Geschichte. Das Ecommecenet ist ein reines Einbahnstrassensystem, das passive und kritiklose Konsumenten schafft, Arbeitsplätze vernichtet und dem Klimaschutz engtgegen geht, weil in ihm 90% Datrenmüll in Form von Werbung, darin "multimediale" sinnlose Animationen, Grafiken und Bilder transportiert werden. Schulen und Kindergärten statt "Breitband für alle" (e-Kosumförderung auf Gemeinschaftskosten ist sinnlos ausser zur Bereicherung von Entscheidungsträgern und multinationalen Ecommerce-Monopolkonzernen)
5. Keine Vorbeugung der Netzauslastung - reine Geldgier
cthullhu 24.04.2013
"Wer sich mit diesen Einschränkungen nicht abfinden will, kann gegen einen Aufpreis zusätzliches Datenvolumen hinzubuchen." Dieser Auszug beweist doch eindeutig die Intention, die hinter dieser Regelung steckt. Es geht bei weitem nicht darum, die Netzauslastung zu mildern und das Surfen somit für andere Benutzer "angenehmer" zu machen. Es geht hauptsächlich um die Geldeinnahmen - ein weitaus geringerer Aufwand bei gleichbleibenden Kosten. Mehraufwand (wie zu Zeiten ohne Drosselung) muss der Kunde dann extra bezahlen. Wie ein Auto, das einen Tank für X Liter bietet und wenn 80% des Sprits aufberaucht ist, kann das Auto nur noch mit 5km/h durch die Gegend tuckern. Wie kann der Gesetzgeber eine solch unverschämte, arrogante und unfassbar abgezockte Firmenpolitik zulassen? Ich verlange vom Staat, dass dieser entsprechend Eingreift und dieser gewollten Täuschung vorbeugt. Und was die Neuverträge angeht: Jeder wird irgendwann mal "ganz zufällig" einen Neuvertrag eingehen. Durch Geschwindigkeitsupdates, oder "zufälligen" Wartungsarbeiten, die ein Neuaufsetzen des Vertrags voraussetzen. Aber "alles bleibt ja beim alten".
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Netzneutralität - Gleiches Recht für alle Daten
Wofür steht Netzneutralität?

Ob YouTube-Video oder Nachrichten von SPIEGEL ONLINE, ob World of Warcraft oder BitTorrent: Neutrale Netze leiten alle Inhalte durch, ohne nach der Herkunft der Datenpakete zu fragen. Die Netzbetreiber, darunter vor allem die großen Telekommunikationsunternehmen, kontrollieren nicht, welche Inhalte unterwegs sind. Ebenso wenig bremsen sie bestimmte Daten aus - etwa Filme aus Tauschbörsen, die oft mehrere Gigabyte groß sind.

dpa
Was spricht für Netzneutralität?

Befürworter sehen in neutralen Netzen eine Voraussetzung für den Wettbewerb - und der dient dem Verbraucher. Das wird an einem Negativ-Szenario deutlich: Was wäre etwa, wenn ein Provider mit einem Online-Kaufhaus kooperiert und dessen Konkurrenten ausbremst? Oder wenn nur eine Suchmaschine zugelassen wäre? Außerdem gilt das Prinzip als Garant für Innovationen. Weil die Kosten für ein digitales Kaufhaus, Blog oder Web-2.0-Portal vergleichsweise niedrig sind, versuchen Jahr für Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. Viele scheitern, einige schaffen es. Auch heutige Größen wie Google, Amazon und Facebook fingen klein an.

dpa
Warum gibt es Bedenken?

Der Verkehr auf der Datenautobahn wächst durch Videos, Internet-TV und das Telefonieren im Netz (VoIP) rasant - so sehr, dass es ohne Regulierung bald einen Mega-Stau geben könnte. Schon heute betreiben Telekom, Vodafone und andere daher ein Netzwerkmanagement, um die verfügbare Bandbreite sinnvoll zu nutzen.

dpa
Wer ist gegen Netzneutralität?

Vor allem die Netzbetreiber fordern eine Abkehr vom Prinzip in seiner Reinform. Ihr Argument: Wer die Leitungen besonders stark in Anspruch nimmt, soll auch mehr zahlen. Bei der Deutschen Telekom und dem spanischen Pendant Telefónica ist etwa zu hören, dass sie beispielsweise den Internet-Giganten Google gerne zur Kasse bitten würden. Darüber hinaus böten sich ihnen neue Geschäftsmodelle, etwa durch differenzierte Tarife: Nutzer, die große Datenmengen saugen, zahlen mehr als Gelegenheitssurfer.

dpa
Gibt es schon nicht-neutrale Netze?

Aber sicher: Das Paradebeispiel sind die Mobilfunknetze. So blockieren etliche Anbieter den Dienst Skype oder verlangen dafür einen Zuschlag - die Software für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell.

dpa


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