DSL und LTE: Rösler will versprochene Internet-Geschwindigkeit einfordern

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP): Legt sich mit Internetprovidern an Zur Großansicht
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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP): Legt sich mit Internetprovidern an

Was die Provider ihren Kunden an Internetgeschwindigkeit versprechen, hat mit der Realität oft nichts zu tun. Wirtschaftsminister Rösler will die Unternehmen nach SPIEGEL-Informationen endlich in die Pflicht nehmen.

Hamburg - Wo bleibt das versprochene schnelle Internet? Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will Internetanbieter in die Pflicht nehmen. Nach einer Studie der Bundesnetzagentur, wonach viele Internetanschlüsse deutlich langsamer sein sollen als versprochen, legt er sich jetzt mit der Branche an, berichtet der SPIEGEL. "Die Unternehmen stehen nun in der Pflicht, die Versorgung ihrer Kunden ihren vertraglichen Zusagen entsprechend zu verbessern", heißt es in einem Vermerk des Wirtschaftsministeriums. Die Konzerne sind für den 4. Juni zur Bundesnetzagentur eingeladen worden.

Bei dem Treffen soll es auch darum gehen, "ob und inwieweit die Qualitätskontrolle der Selbstregulierung überlassen wird", schreiben Röslers Beamte. Sie drohen damit staatliche Aufsicht an. Der Grund für den Streit sind Zahlen über die tatsächliche Internetgeschwindigkeit, die sich in dem Vermerk finden. Der wiederum stützt sich auf eine Untersuchung der Bundesnetzagentur.

Der fraglichen Untersuchung zufolge sind Internetanschlüsse in Deutschland oft wesentlich langsamer als von den Providern vertraglich zugesagt. Nur 19,5 Prozent aller Endkunden steht die vereinbarte maximale Bandbreite zur Verfügung, bei 69,2 Prozent der Kunden wird noch nicht einmal die Hälfte der versprochenen Geschwindigkeit erreicht.

Lahme Ente LTE

Besonders weit unter den versprochenen Möglichkeiten liegen der Untersuchung zufolge die Datenübertragungsraten bei LTE-Anschlüssen, jener angeblich besonders rasanten Mobilfunk-Übertragungstechnik: Nur 1,6 Prozent aller LTE-Kunden genießen die volle Übertragungsrate in der Bandbreitenklasse von 25 bis 50 Megabit pro Sekunde.

Bei klassischen DSL-Anschlüssen der höheren Bandbreitenklassen sind es ebenso magere 4,5 Prozent aller Kunden, die mit voller Geschwindigkeit online gehen können. Schmerzlich für Firmen wie die Deutsche Telekom oder Vodafone ist auch der Befund, wonach Internetverbindungen von Kabel-TV-Anbietern "im Ergebnis viel realistischer als DSL/VDSL und Mobilfunkangebote" sind.

Der Netzausbau wird Milliarden kosten

Die Unternehmen behaupten einerseits, die den Zahlen zugrunde liegende Studie habe methodische Schwächen. Andererseits ist ihnen die zu geringe Leistung der Verbindungen längst bekannt. Die Provider versuchen sich damit zu helfen, die Leistung bestehender DSL-Leitungen zu verbessern. Die Telekom will die mögliche Geschwindigkeit vieler Internetanschlüsse mit Hilfe der Vectoring-Technik verdoppeln. Der dafür nötige Netzumbau wird allerdings erhebliche Kosten mit sich bringen.

Insgesamt sollen sechs Milliarden Euro für neue Glasfaserleitungen bis zu den Kabelverzweigern (die grauen Verteilerkästen am Straßenrand) und den Ausbau der Kästen mit Vectoring ausgegeben werden. Weil der Konzern diese Kosten nicht allein stemmen kann, vermietet er seine Leitungen teilweise an die Konkurrenten O2 und Vodafone, die sich im Gegenzug an den Kosten beteiligen. Derzeit verlangen die Anbieter für die besonders schnellen VDSL-Anschlüsse Premium-Preise.

Schon im April hatte die von der Bundesnetzagentur durchgeführte Studie für Aufruhr gesorgt. Wirtschaftsminister Rösler hatte die Deutsche Telekom damals wegen angeblich mangelnder Netzneutralität kritisiert. Zu diesem Thema läuft auf der Seite der Initiative Netzqualität derzeit eine neue Studie, an der sich Internetnutzer beteiligen können. Zudem besteht dort auch die Möglichkeit, die Geschwindigkeit des eigenen Internetzugangs zu testen. Diese Messungen fließen aber nicht mehr in eine Studie ein.

mak

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insgesamt 208 Beiträge
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1. Netzausbau statt Sponsoring!
monolithos 17.05.2013
Wenn ich höre, dass die Deutsche Telekom mein Geld lieber in den FC Bayern München steckt als in den Ausbau meiner letzten Meile, weswegen ich noch nicht einmal 15% der bezahlten Geschwindigkeit nutzen kann, dann geht mir echt die Hutschnur hoch. Herr Obermann und seine Telekomiker veruntreuen damit mein Geld, auch wenn das ein Jurist anders bewerten würde. Meine Konsequenzen werde ich ziehen, sobald ich kann. Bleibt zu hoffen, dass Herr Rößler hält, was er verspricht, wenn es Herr Obermann schon nicht tut.
2. Und auf dem Land weiterhin tote Hose...
mikesch0815 17.05.2013
...so kann man gezielt weiterhin eine Zweiklassengesellschaft aufrecht erhalten. Im Jahre 2013 sind die angeblichen Hightech Firmen noch immer nicht in der Lage oder besser, willens, anständige Anbindung überall zu ermöglichen. Und das zu Preisen, die der Datenbandbreite entspricht. Der gelieferten, nicht der beworbenen. Traurig ist das.
3. optional
uboot84 17.05.2013
mal ehrlich, warum soll ich als spon leser und user von wenig kapazität fressenden diensten den 'power-user' mitfinanzieren, der meint sich jeden tag zwei hd-movies herunterzuladen zu müssen, um sein jämmerliches piratendasein lebenswert zu machen...
4.
gruenertee 17.05.2013
Ich bin mit 2000kbits im Netz unterwegs, bezahle einen 6000er Vertrag und bei Kabel macht der Vermieter nicht mit. Das in einer Stadt mit 14k Einwohnern... Da wundern sich die Leute, warum alle in die Großstadt flüchten? Kommt mir nicht mit LTE, ist nämlich auch nicht verfügbar und die Datenvolumenbeschränkungen macht es nutzlos. FDP werde ich trotzdem nicht wählen.
5. Wie schön!
pflegeroboter 17.05.2013
Zitat von sysopREUTERSWas die Provider ihren Kunden an Internet-Geschwindigkeit versprechen, hat mit der Realität oft nichts zu tun. Wirtschaftsminister Rösler will die Unternehmen nach SPIEGEL-Informationen endlich in die Pflicht nehmen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/dsl-und-lte-roesler-will-versprochene-netzgeschwindigkeit-einfordern-a-900434.html
Wie schön! Die Telekom arbeitet doch gerade am Gegenteil, wie ich hier zuletzt gelesen haben. Also Herr Rößler ran an das Thema und nicht locker lassen. Wir User stehen hinter Ihnen. Bei Erflog hieven wir Sie über 5%. Versprochen!
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Netzneutralität - Gleiches Recht für alle Daten
Wofür steht Netzneutralität?

Ob YouTube-Video oder Nachrichten von SPIEGEL ONLINE, ob World of Warcraft oder BitTorrent: Neutrale Netze leiten alle Inhalte durch, ohne nach der Herkunft der Datenpakete zu fragen. Die Netzbetreiber, darunter vor allem die großen Telekommunikationsunternehmen, kontrollieren nicht, welche Inhalte unterwegs sind. Ebenso wenig bremsen sie bestimmte Daten aus - etwa Filme aus Tauschbörsen, die oft mehrere Gigabyte groß sind.

dpa
Was spricht für Netzneutralität?

Befürworter sehen in neutralen Netzen eine Voraussetzung für den Wettbewerb - und der dient dem Verbraucher. Das wird an einem Negativ-Szenario deutlich: Was wäre etwa, wenn ein Provider mit einem Online-Kaufhaus kooperiert und dessen Konkurrenten ausbremst? Oder wenn nur eine Suchmaschine zugelassen wäre? Außerdem gilt das Prinzip als Garant für Innovationen. Weil die Kosten für ein digitales Kaufhaus, Blog oder Web-2.0-Portal vergleichsweise niedrig sind, versuchen Jahr für Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. Viele scheitern, einige schaffen es. Auch heutige Größen wie Google, Amazon und Facebook fingen klein an.

dpa
Warum gibt es Bedenken?

Der Verkehr auf der Datenautobahn wächst durch Videos, Internet-TV und das Telefonieren im Netz (VoIP) rasant - so sehr, dass es ohne Regulierung bald einen Mega-Stau geben könnte. Schon heute betreiben Telekom, Vodafone und andere daher ein Netzwerkmanagement, um die verfügbare Bandbreite sinnvoll zu nutzen.

dpa
Wer ist gegen Netzneutralität?

Vor allem die Netzbetreiber fordern eine Abkehr vom Prinzip in seiner Reinform. Ihr Argument: Wer die Leitungen besonders stark in Anspruch nimmt, soll auch mehr zahlen. Bei der Deutschen Telekom und dem spanischen Pendant Telefónica ist etwa zu hören, dass sie beispielsweise den Internet-Giganten Google gerne zur Kasse bitten würden. Darüber hinaus böten sich ihnen neue Geschäftsmodelle, etwa durch differenzierte Tarife: Nutzer, die große Datenmengen saugen, zahlen mehr als Gelegenheitssurfer.

dpa
Gibt es schon nicht neutrale Netze?

Aber sicher: Das Paradebeispiel sind die Mobilfunknetze. So blockieren etliche Anbieter den Dienst Skype oder verlangen dafür einen Zuschlag - die Software für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell.

dpa

Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s im Standardmodus. Mit der Erweiterung HSPA+ (siehe dort) sind bis zu 42 Mbit/s möglich (Stand Ende 2012). Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 16 Mbit/s. (mehr ...)
HSPA+
High Speed Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 42 Mbit/s (Stand Ende 2012). Der HSPA+-Standard sieht Übertragungsraten von bis zu 168 Mbit/s vor, die bisher allerdings noch nicht erreicht werden. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen diesem Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. Theoretisch sind per LTE Downloadraten von bis zu 300 Mbit/s per Mobilfunk möglich. Tatsächlich werden von LTE-Netzbetreibern maximal 100 Mbit/s angeboten. In Deutschland werden für LTE Frequenzbänder verwendet, die durch die Umstellung der TV-Ausstrahlung auf digitale Angebote frei geworden sind. Einer der Vorteile von LTE ist die im Vergleich zu UMTS größere Reichweite der Funkmasten. Unter anderem deshalb wird LTE in Deutschland genutzt, um ländliche Gegenden, in denen eine DSL-Verkabelung nicht wirtschaftlich wäre, mit schnellen Datendiensten zu versorgen. Ein Problem bei LTE ist, dass es regional und je nach Anbieter auf unterschiedlichen Frequenzen arbeitet. Da nicht jeder LTE-Chip alle diese Frequenzen beherrscht, können manche Endgeräte trotz grundsätzlicher LTE-Tauglichkeit nicht alle LTE-Netze nutzen. . (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
EDGE
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Transferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. Bislang hat WiMax aber noch keine Bedeutung (Stand Ende 2012).(mehr ...)
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