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Durchsuchung bei Piratenpartei: Hacker planten Angriff auf AKW-Betreiber

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Ein französischer Energieversorger war offenbar im Visier von Hackern. Auch in Deutschland rückten Ermittler aus, die Server der Piratenpartei wurden abgeschaltet. Sie sollen zur Planung der Tat benutzt worden sein - offenbar ohne das Wissen der Partei, die kurz vor der Bremen-Wahl ihre Arbeit behindert sieht.

Französisches AKW Cattenom: Hacker sollen Angriffe auf Energieversorger geplant haben Zur Großansicht
dapd

Französisches AKW Cattenom: Hacker sollen Angriffe auf Energieversorger geplant haben

Hamburg - Am Freitagvormittag rückte die Polizei aus, unter anderem beschlagnahmten Beamte im hessischen Offenbach Server der Piratenpartei Deutschland. Die Partei war offline, und das zwei Tage, bevor in Bremen ein neues Parlament gewählt wird.

Französische Behörden hatten ihre deutschen Kollegen um Amtshilfe gebeten. Ursache des Ersuchens: Unbekannte hatten offenbar einen konzertierten Hacker-Angriff auf einen französischen Elektrizitätskonzern geplant, so berichteten es am Freitag mehrere Quellen. Nun sollen die Motive für den womöglich bereits erfolgten Angriff aufgeklärt werden. Bei dem Unternehmen soll es sich um die staatlich dominierte Gesellschaft EDF handeln, heißt es aus Justizkreisen. EDF betreibt 58 Atomreaktoren in Frankreich.

Das zuständige Amtsgericht erteilte am Freitag den Durchsuchungsbeschluss, weil über einen Server der Piratenpartei ein sogenannter SSH-Key verbreitet wurde. Dieser ließe sich zu einem Angriff auf die Website des Konzerns verwenden, teilte die Piratenpartei unter Berufung auf Ermittler mit. Das Bundeskriminalamt ist im Einsatz, offenbar sind die Ermittler am Freitag nicht nur bei dem Webhoster der Piratenpartei, der Firma Aixit, aufgeschlagen.

Die Ermittlungen richteten sich jedoch nicht gegen die Piratenpartei, teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage mit. Weitere Einzelheiten wollten ein Sprecher nicht nennen, weil die Ermittlungen nicht in Deutschland geführt werden. Ein Sprecher des französischen Justizministeriums sagte auf Anfrage, bei laufenden, grenzüberschreitenden Ermittlungen werde im Regelfall zunächst keine Auskunft gegeben.

Nutzte Web-Guerilla Anonymous Service der Piratenpartei?

Der Bundesvorstand der Partei erklärte am Freitag, man kooperiere im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften bei den Ermittlungen. Nach ersten Informationen zielte die Durchsuchung bei der Piratenpartei auf einen einzelnen Web-Dienst ab. Dabei handelt es sich nach Angaben aus dem Umfeld der Piraten wohl um das öffentlich verfügbare "Piratenpad", ein Tool zur gemeinschaftlichen Erstellung von Texten, das praktisch jedem Internetnutzer offensteht.

Aus dem Umfeld der Piraten hieß es dazu, man habe bei näherer Untersuchung eine Anleitung gefunden, wie ein Überlastungsangriff auf einen Webserver, eine DDoS-Attacke, unentdeckt durchgeführt werden kann. Diese Art von Angriffen sind eine Spezialität der Web-Guerilla Anonymous. Lose organisierte Aktivisten hatten unter dem Namen Anonymous bereits Server von Paypal, Mastercard und Visa lahmgelegt, Scientology mit Internetattacken und Demonstrationen bloßgestellt und immer wieder die Websites von Film- und Musikverbänden abgeschossen. Unklar ist allerdings, ob hier ein Zusammenhang zu der Durchsuchung besteht.

Piratenpartei kritisiert "massiven politischen Schaden"

Die Piratenpartei trifft die Beschlagnahmung ihrer IT-Infrastruktur zu einer Unzeit: In zwei Tagen wird in Bremen die Bürgerschaft gewählt, die Partei hofft auf den ersten Einzug in ein Landesparlament. Zwar war die Seite der Bremer Piraten auch am Freitag erreichbar, nicht jedoch die Server der Bundespartei - und damit wichtige Kommunikationsdienste wie E-Mail, Instant-Messenger und Foren.

Die Parteispitze kritisierte das Vorgehen der Ermittler: "Angesichts der in zwei Tagen anstehenden Landtagswahlen in Bremen wird hier politisch ein massiver Schaden angerichtet", erklärte der Bundesvorstand der Piratenpartei. Ein Mitglied der Partei sagte, zur Sicherstellung der gesuchten Informationen hätten nicht alle Server abgeschaltet werden müssen.

Ob die Ermittler mit den nun beschlagnahmten Daten etwas anfangen können, ist nach Angaben eines Sprechers der Piratenpartei allerdings fraglich. Demnach werden die IP-Adressen, über die Internetnutzer unter Umständen eindeutig identifiziert werden können, beim Zugriff auf das Piratenpad aus Datenschutzgründen extra nicht abgespeichert. Eine Rückverfolgung dürfte damit schwierig werden.

Die Webserver des BKA und das Internetangebot Polizei.de waren am Freitagnachmittag zeitweise nur schwer oder gar nicht zu erreichen - ein Hinweis auf DDoS-Attacken. Die Piratenpartei distanzierte sich von diesen Aktionen ausdrücklich.

Erst am Freitagabend war die offizielle Seite der Piratenpartei wieder im Web abrufbar, weitere Dienste sollten nach und nach wieder hochgefahren werden.

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insgesamt 133 Beiträge
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1. Hack vereitelt
hadroncollider 20.05.2011
Hähähäää: ---Zitat--- Die Partei sieht zwei Tage vor der Wahl in Bremen ihre Arbeit boykottiert. ---Zitatende--- So'n Mist aber auch, all die Arbeit für den Hack umsonst. Kommt aber bestimmt noch eine Gelegenheit...
2. War ja klar
cherusciprinceps 20.05.2011
So werden in Deutschland also mittlerweile Oppositionelle ausgeschaltet.
3. ---
Kaworu 20.05.2011
Eine intelligente Polizei hätte die Daten der Server gespiegelt - ein Unding in Deutschland :D
4. Ja ne is klar...
Billbert 20.05.2011
Sauber Jurnalismus geht anders! Heute wurde eine legale, demokratische Partei in Deutschland massiv in ihrer Arbeit eingeschrängt. Massgaben des Grundgesetzes verletzt und ich möchte fast sagen Staatsterrorismus ausgeübt. Beim Spiegel liest es sich so das die Piraten die Bösen sind.... Die Piratenpartei ist hier das Opfer! Opfer von staatlicher Willkür und Unverhältnismäsigkeit! Wenn Beamte ohne Sachkenttnis (der günstigste Fall) oder mit vorsätzlich Krimmineller Energie (für mich warscheinlicher) die Kommunikation einer Partei kappen, obwohl die Partei nicht angeklagt ist müssen wir wirklich anfangen uns Sorgen um dieses Land zu machen... Es wird ein Nachspiel haben!
5.
Wolfizero, 20.05.2011
Zitat von sysopEin französischer Energieversorger war offenbar im Visier von Hackern. Auch in Deutschland rückten Ermittler aus, die Server der Piratenpartei wurden abgeschaltet. Sie sollen zur Planung der Tat benutzt worden sein - offenbar ohne das Wissen der Partei, die kurz vor der Bremen-Wahl ihre Arbeit behindert sieht. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,763939,00.html
Das ist ja genial! Hochachtung vor den Menschen, die in den Geheimdiensten sitzen. Nicht nur, dass man es schafft, Hacker als Akw-Sprenger hinzustellen, man vernünpft auch eine Hilfe der Piraten-Partei mit der ganzen Sachen, selbst wenn diese nur sehr passiv war und kann sie damit kriminalisieren. Auch noch zwei Tage vor Wahlen... das bleibt im Gedächtnis. Wer sich auch immer diesen Coup erdacht hat, sollte bis in oberste Kreise befördert werden. Dass jetzt endgültig die Atomkraft geopfert wurde, für den Sicherheitsterrorismus der Oberen spielt dabei zum Glück überhaupt keine Rolle. Die war eh schon tot. Aber wie geschickt ist es selbst diese letzten Reste Habens der Aromkraft zu nutzen, ja zu opfern, um jetzt jeden verdächtigen zu können, der auch nur mal offen drüber nachgedacht hat Piraten zu wählen? Darauf muss man erst kommen. Ich kann meine Begeisterung über dieses strategische Meisterstück nicht länger in Worte fassen.
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Sebastian Nerz: Piraten küren neuen Kapitän

Wahlergebnisse der Piratenpartei
Jahr Wahl Prozent
2009 Europaparlament 0,9
2009 Sachsen 1,9
2009 Schleswig-Holstein 1,8
2009 Bundestagswahl 2,0
2010 Nordrhein-Westfalen 1,6
2011 Hamburg 2,1
2011 Sachsen-Anhalt 1,4
2011 Baden-Württemberg 2,1
2011 Rheinland-Pfalz 1,6

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