Urteil Ebay-Käufer muss schlechte Bewertung zurücknehmen

Ein Händler wollte einen Kunden vor Gericht dazu zwingen, eine schlechte Bewertung bei Ebay zu löschen. Mit einer Klage scheiterte er zunächst, doch nun hat ihm das Oberlandesgericht München recht gegeben.

Ebay-Logo (in San Jo se): Online-Bewertungen sind ein heikles Thema
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Ebay-Logo (in San Jose): Online-Bewertungen sind ein heikles Thema


München - Ein Käufer muss seine schlechte Bewertung eines Händlers beim Internet-Auktionshaus Ebay zurücknehmen. Das entschied das Oberlandesgericht München am Dienstag. Der Mann müsse der Löschung der Bewertung zustimmen.

Der Käufer hatte Bootszubehör im Ebay-Shop eines Händlers bestellt und sich in der Onlinebewertung über Mängel beschwert. Zuvor hatte er sich nach Angaben des Gerichts jedoch nicht direkt beim Verkäufer beklagt oder die Ware zurückgeschickt. "Es kann nicht sein, dass Internethändler gegen solche Bewertungen völlig schutzlos sind", hatte der Anwalt des Händlers gesagt.

Der Kunde hatte sich dagegen auf die Meinungsfreiheit berufen: "Es führt den Sinn solcher Bewertungen ad absurdum, wenn man sich vorher ganz genau überlegen muss, was man schreibt und was nicht." Er habe lediglich seine Meinung sachlich dargestellt.

Angaben zur Urteilsbegründung machte das Gericht zunächst nicht. Eine Revision ließ die Kammer nicht zu. Über Schadensersatz hatte das Gericht nicht entschieden.

Das Landgericht München hatte die Klage zuvor abgewiesen, weil der Händler nicht habe beweisen können, dass die Bewertung "sachlich unrichtig" war.

cis/mbö/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
j1958 28.10.2014
1. Merkwürdig...
Ich gebe schon länger keine negativen Bewertungen mehr ab, das Risiko wird einfach zu groß. Gesunder Menschenverstand hat bekanntlich vor Gericht keinen Bestand. Und dieser Spiegel Artikel war wirklich das beste, was ich in meinem Leben je zu diesem Thema gelesen habe! Ehrlich! Total toll! Pulitzer Material!
Binideppert? 28.10.2014
2. Da ist...
... Amazon schon weiter. Wenn man keine fünf Sterne für den Marketplace-Verkäufer gibt, weil seine Beschreibung des Produktes von der tatsächlich gelieferten Ware abweicht, wird die Bewertung einfach gelöscht. Man solle dann eine Rezension schreiben, heißt es als Begründung in der Amazon-Mail. Also, kann man sich das Ganze gleich sparen.
archback 28.10.2014
3.
Na ja, Richter. Was kann man da schon erwarten? Das Studium kürzestmöglich durchgezogen, nur gepaukt, Prädikatsexamen, Referendariat, Richter. Was erlebt? Null. Lebenserfahrung? Null. Nur Jura.
dutom 28.10.2014
4. Ein Witz, oder?
Also das kann doch nicht wahr sein, dass wir mit unseren Steuergeldern solche protegierenden Urteile finanzieren! Soll der Händler die Bewertung seines Kunden ebenso online kommentieren. Dann können sich die Community-Mitglieder ein eigenes Bild machen. Aber Gerichte bemühen? Lächerlicher Kindergarten.
OskarVernon 28.10.2014
5. Absurdes Urteil:
Wenn ein Händler offensichtlich ungeprüft mängelbehaftete Ware liefert, ist das ganz einfach schlecht - was denn sonst...?
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