Skimming: Geldautomaten werden sicherer, Kriminelle weichen aus

Geldautomat (Symbolbild): Zahl der Skimming-Fälle in Deutschland sinkt in der ersten Hälfte des Jahres Zur Großansicht
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Geldautomat (Symbolbild): Zahl der Skimming-Fälle in Deutschland sinkt in der ersten Hälfte des Jahres

Auch neue Sicherheitstechnik hält Kriminelle nicht völlig ab: Die Manipulation von Geldautomaten geht in Deutschland zwar zurück, doch noch immer kommen Verbrecher in vielen Staaten mit Daten deutscher Bankkunden an Geld.

Frankfurt/Main - Die Banken investieren zwar in Sicherheitstechnik, doch Kriminelle finden nach wie vor Möglichkeiten, an Geld zu kommen. In Niedersachsen beispielsweise ließen sich Unbekannte im Frühjahr unbemerkt über Nacht in Baumärkten einschließen. Sie manipulierten die EC-Lesegeräte an den Kassen mit einem Chip für drahtlose Bluetooth-Übertragung. So konnten sie am nächsten Tag Kartendaten und Geheimnummer von mehr als 800 Kunden per Handy abgreifen. Mit Kartendubletten hoben die Kriminellen dann in Ecuador und Indien das Geld ab.

Auch wenn das Ausspähen sensibler Daten von Bankkunden, das sogenannte Skimming, in Deutschland zurückgeht: Der Finanzbranche entstehen nach wie vor Millionenschäden. Für die ersten sechs Monate 2013 beziffern Deutschlands Banken den Schaden durch Skimming auf rund acht Millionen Euro. Das ist immerhin weniger als die Hälfte der 17 Millionen Euro Schaden, den Datenklau an heimischen Geldautomaten im Vorjahreszeitraum angerichtet hatte.

Doch nicht alle Staaten ziehen bei der Modernisierung der inzwischen als veraltet geltenden Technik mit und rüsten Bezahlkarten statt mit Magnetstreifen mit moderner Sicherheitstechnik aus. Beispielsweise ist auf neuen EMV-Karten eine Art Minicomputer integriert: Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft. Zusätzlich gibt es eine PIN.

251 manipulierte Automaten

Zwar passiert in Europa dank der EMV-Technik so gut wie nichts mehr mit Kartendubletten, wie Sicherheitsexpertin Margit Schneider von Euro Kartensysteme schon im vergangenen Jahr bilanzierte. Doch Kriminelle finden nach wie vor Länder, in denen sie Karten-Kopien nutzen können - ein Schwerpunkt: die USA.

Was Deutschlands Banken Hoffnung macht, ist der Beitritt der USA zum sogenannten EMV-Haftungsumkehr im April 2013: Sollte der Einsatz von gefälschten Karten an nicht EMV-fähigen Geldautomaten und Terminals im Ausland Schäden verursachen, werden dafür die ausländischen Institute zur Kasse gebeten - nicht die deutschen Banken, die die Originalkarten ausgegeben haben.

Die jüngsten Zahlen geben den EMV-Verfechtern recht. Zwar nutzen Kriminelle den deutschen Markt nach wie vor, um Kartendaten und PIN abzugreifen. Doch die Zahl der manipulierten Geldautomaten hat sich von mehr als tausend im Jahr 2010 in den vergangenen Jahren deutlich verringert. In den ersten sechs Monaten 2013 lag sie bundesweit mit 251 etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

"Intelligente Kriminelle nutzen das aus"

Auch die Europäische Zentralbank kam in einer im Juli 2012 veröffentlichten Studie zu dem Schluss, vor allem die EMV-Technologie habe dazu beigetragen, den Missbrauch von Kredit- und EC-Karten zurückzudrängen. Allerdings versuchten Kriminelle immer häufiger, Daten bei Zahlungen abzugreifen, die über das Internet, per E-Mail oder Telefon abgewickelt werden.

Im Mai dieses Jahres machte ein spektakulärer Fall aus den USA Schlagzeilen: Eine Bande hatte sich Zugang zu Computersystemen von Banken verschafft, dort die Daten von Bankkarten manipuliert und dann binnen weniger Stunden an Geldautomaten in mehreren Ländern 45 Millionen Dollar (etwa 35 Millionen Euro) abgehoben. Norbert Pohlmann, geschäftsführender Direktor des Institut für Internetsicherheit an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen, kommentierte den Fall in einem Interview: "Es kann keine absolute Sicherheit geben, weil es immer Schwachstellen gibt. Intelligente Kriminelle nutzen das aus." Der Wettlauf geht also weiter.

Jörn Bender, dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Gut aber nicht konsequent genug
Gerdd 10.07.2013
Da haben wir nun den ach so sicheren und auch etwas teureren Chip auf unseren Karten, und dann gehen Kriminelle hin, manipulieren das Terminal und erzwingen so die Verwendung des veralteten und laengst nicht mehr sicheren Magnetstreifens. Der ist ja auch - wie praktisch - auf den allermeisten Karten noch drauf und laedt zum Missbrauch ein. Dabei ist die Antwort hier mal sehr einfach und nicht einmal teuer: Man laesst den Magnetstreifen auf der Chipkarte einfach weg. Auf Wunsch kann der Kunde fuer die Verwendung im rueckstaendigen Ausland eine Zweitkarte nur mit Magnetstreifen bekommen, die in der Regel in der Tasche oder sogar zu Hause bleibt. Wenn ein Verkaeufer mit dem Chip nicht zurecht kommt, muss er nach der anderen Karte fragen und der Kunde ist gewarnt. Wenn es hart auf hart kommt, kann man auch die Laufzeit von Magnetkarten drastisch herabsetzen. Damit wird der verzoegerten Verwendung eventuell abgegriffener Kartendaten ein Riegel vorgeschoben. Bei der Chipkarte kann es ja bei der heute ueblichen mehrjaehrigen Laufzeit bleiben. Ich selbst wuerde in aller Regel ueberhaupt keine Magnetkarte mehr anfordern.
2. Wieso
Antagonist175 10.07.2013
kann man sein Konto nicht für Auslandsüberweisungen von Automaten sperren? Das hilft bestimmt nicht jedem, aber viele Menschen fahren doch gar nicht ins Ausland. So würde eine kopierte Karte nichts mehr nutzen. Wer sein Urlaub im Ausland verbringt lässt dann einfach für das entsprechende Land den Zugang öffnen. Das ist ein kleiner Komfortverlust, gemessen an dem Aufwand, wenn es Theater mit einem abgeräumten Konto gibt.
3. Die Postbank
felisconcolor 11.07.2013
ist da schon einen Schritt weiter. Die Magnetstreifen der gegenwärtigen Serie funktionieren erst gar nicht oder sind nach der zweiten oder dritten Benutzung unbrauchbar. nach diesem Artikel bin ich also schlauer its not a bug its a feature
4. Damit
felisconcolor 11.07.2013
Zitat von GerddDa haben wir nun den ach so sicheren und auch etwas teureren Chip auf unseren Karten, und dann gehen Kriminelle hin, manipulieren das Terminal und erzwingen so die Verwendung des veralteten und laengst nicht mehr sicheren Magnetstreifens. Der ist ja auch - wie praktisch - auf den allermeisten Karten noch drauf und laedt zum Missbrauch ein. Dabei ist die Antwort hier mal sehr einfach und nicht einmal ......
bekommen sie aber in Deutschland Ärger mit der Einzelhandelslobby es sind immer noch genügend Lesegeräte im Umlauf die eben diesen Magnetstreifen nutzen. Und die Händler würden sich schwer tun ihre teuren Lesegeräte zu tauschen
5. Solange nur rein technische Anwendungen zum Einsatz kommen, wird es immer Fälschungen geben!
Parzifal 30.07.2013
Dann schaut mal auf die www.ist-app.de Die Revolution im Dokumentenschutz - die IST-App® mit 100%iger Fälschungssicherheit.
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EC-Karten-Skimming: So sehen präparierte Automaten aus

Alles zum Thema Skimming und Kartenbetrug
Sie sind Skimming-Opfer geworden?

1. Benachrichtigen Sie sofort Ihre Bank, lassen Sie die betroffene Karte sperren.

2. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei - gehen Sie zur Wache, dort erhalten Sie im Gegensatz zur Online-Anzeige sofort ein Aktenzeichen, das Sie Ihrer Bank mitteilen können.

3. Beobachten Sie Ihr Konto, Abbuchungen aus dem Ausland können dort ein paar Tage verspätet auftauchen - aktualisieren Sie gegebenenfalls Ihre Anzeige, informieren Sie Ihre Bank.

4. Bei erfolgter Anzeige sollten Sie problemlos Ihr Geld wiederbekommen.

So schützen Sie sich vor Skimmern

1. Achten Sie auf Ihre PIN: Geben Sie die Nummer nur komplett verdeckt ein – nutzen Sie die freie Hand oder einen Geldbeutel. Eine versteckte Kamera im Automatendach könnte Ihre Finger beobachten. Ohne PIN sind Ihre Kartendaten für Skimmer wertlos.

2. Untersuchen Sie den Geldautomaten auf merkwürdige Anbauten, Erhebungen, Löchern und wackligen Bauteilen. Kontrollieren Sie besonders den Kartenschlitz. Leichtes Rütteln erlaubt. Nutzen Sie möglichst immer denselben Automaten. Fallen Ihnen Veränderungen auf, benachrichtigen Sie die Bank, bei Schalterschluss die Polizei.

3. Meiden Sie freistehende Automaten, nutzen Sie weniger frequentierte Automaten Ihrer Bank.

4. Benutzen Sie keine Geldautomaten, die mit spezieller Beschilderung oder ungewöhnlichen Warnungen versehen sind. Das könnte ein Ablenkmanöver sein.

5. Verwenden Sie zum Betreten der Filiale und zum Geldabheben, wenn möglich, verschiedene Karten.

6.Geben Sie die PIN nie an Türöffnern ein. Keine Bank oder Sparkasse verlangt dies.

7. Haben Sie einen Skimming-Verdacht? Benachrichtigen Sie sofort die Bank, bei Schalterschluss die Polizei.

8. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge, Ihren Umsatz mittels Onlinebanking. Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank bei merkwürdigen Abbuchungen.

9. Beobachten Sie, was Personen, denen Sie Ihre EC-Karte geben mussten (etwa im Supermarkt) mit der Karte tun: vielleicht verstecken sie einen Skimming-Automaten unterm Tisch.

Hier sind Skimmer besonders aktiv

1. Achten Sie besonders bei Reisen in die Türkei, in den Libanon und nach Südafrika auf Ihre EC-Karte. Hier sind Skimmer besonders aktiv – und können direkt Geld abheben.

2. In Deutschland gibt es nach LKA-Angaben kein Skimming-Muster, generell gefährdet sind stark frequentierte Geldautomaten. Wo sich das Skimming lohnt, wird geskimmt.

3. Touristenzentren sind Skimming-Zentren.

4. Egal ob Stadt oder Land: Es herrscht Skimming-Gefahr.

Weitere Automaten-Betrugstechniken

1. In etwa einem Prozent der Skimming-Fälle greifen die Täter mit eigenen Tastenfeldern die PIN-Nummer ab. So ein Angriff ist äußerst schwer zu entdecken.

2. Skimmer tauschen bei einem Einbruch EC-Terminals in Supermärkten mit manipulierten Terminals aus - so ein Angriff ist sehr selten. 2007 erbeutete eine Bande so 4,5 Millionen Euro.

3. Die Täter verhindern die Kartenausgabe im Automaten, der Automat verweigert die Auszahlung - und gibt es dem nächsten Kunden das Geld zusätzlich aus. Ein Klassiker des Geldautomatenbetrugs.

4. Die Täter fangen mit einem Geldschaft-Aufsatz die Geldscheine ab und sammeln sie später ein.

5. Ein Täter beobachtet die PIN-Eingabe des Opfers, ein anderer lenkt es im Moment der Kartenausgabe ab und klaut die Karte. Am Automat nebenan heben die Täter sofort so viel Geld ab wie möglich.

Hier finden Sie weitere Informationen

1. Skimming auf Cyberfahnder.de: Hintergründe, juristische Handhabe, Erfahrungsberichte und ein Arbeitspapier zu den technischen, organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Skimming

2. "Setzen Sie nicht auf die falsche Karte" - Präventionsprogramm der Polizei

3. "Vorsicht Kartentricks" – Faltblatt der Polizei

4. Kartensicherheit.de - Portal zu "Aufklärung, Vernetzung, Information" der Banken- und Sparkassenverbände


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