Abmahnungen "FAZ" und "SZ" wehren sich gegen Netz-Pressespiegel

Wieder wurde ein Web-Dienst abgemahnt, der Überschriften und Artikelanrisse der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" sammelt. Der Betreiber der kostenpflichtigen Suchmaschine Echobot will sich notfalls vor Gericht dagegen wehren.

Echobot (Screenshot): Suchmaschine oder Artikelklaudienst?

Echobot (Screenshot): Suchmaschine oder Artikelklaudienst?


Hamburg - Darf ein Anbieter die Websites der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") durchsuchen und seinen Kunden Überschrift und Artikelanriss präsentieren, wenn sie in einem Artikel genannt werden?

Die Suchmaschine Google macht genau das - und die kleine Firma Echobot aus Karlsruhe. Während der werbefinanzierte Dienst Google mit seiner Suchmaschine und seinen automatischen E-Mail-Alarmmeldungen unbehelligt bleibt, gehen die beiden Zeitungsverlage juristisch gegen das kostenpflichtige Angebot von Echobot vor: Die Betreiber des automatischen Internet-Monitoringdienstes wurden abgemahnt.

"FAZ" und "SZ" argumentieren, dass schon für die Übernahme von Überschriften und Artikelauszügen eine Erlaubnis des jeweiligen Verlags notwendig sei. Außerdem stören sie sich daran, dass Echobot die Artikel für seine Nutzer zugänglich macht - mit einem Klick wird die Original-Website auf der Echobot-Seite eingebettet, so ähnlich wie ein YouTube-Video.

Was Google allerdings nicht macht: Zahlende Echobot-Kunden bekommen eine Funktion angeboten, mit der sich nur der komplette Text der verlinkten Seite anzeigen oder als PDF-Datei herunterladen lässt - so kommen die Kunden an Volltexte, ohne selbst von den Websites Screenshots machen zu müssen. Echobot-Geschäftsführer Bastian Karweg verteidigt das: "Die Volltext-Funktion wird nicht von uns, sondern komplett von einem US-Anbieter bereitgestellt. Auf diesen verlinken wir, aber auch nur dann, wenn der Kunde sich zuvor auch den eigentlichen Artikel angeschaut hat." Eine Umgehung der Websites erfolge deshalb gar nicht.

Zusätzlicher Ärger wegen 256 Pixeln

Den beiden Zeitungsverlagen geht es aber nicht nur um die fragwürdige Volltext-Funktion. Dieselbe Kanzlei, die nun gegen Echobot vorgeht, hat bereits im Auftrag beider Verlage durchgesetzt, dass ein anderer Web-Dienst auf Überschriften und Artikelanrisse verzichtet. Die Seite Commentarist sammelt, für die Nutzer kostenlos, Links auf Kommentare von Nachrichtenseiten - und hatte auch "FAZ" und "SZ" verlinkt. Dagegen gingen die Verlage vor.

Commentarist verzichtet seitdem auf das Durchsuchen von "FAZ" und "SZ". Für die Firma Echobot kommt das nicht in Frage. Man werde sich gegen die Abmahnungen wehren, sagt Geschäftsführer Karweg. "Echobot ist eine Online-Software mit den Funktionen einer Suchmaschine, wir machen unsere Kunden also sogar in den meisten Fällen überhaupt erst auf bestimmte Artikel aufmerksam." Während Echobot rund 50.000 Artikel der "SZ" indiziert habe, seien es bei Google 2,3 Millionen.

Ein Sprecher der "FAZ" erklärte, man störe sich vor allem daran, dass Echobot die Artikel der Zeitung in einer Datenbank gespeichert habe. Dies sei rechtswidrig.

Wie schon im Fall Commentarist moniert die Kanzlei auch bei Echobot die rechtswidrige Verwendung der Logos der beiden Zeitungen. Bei Echobot werden neben dem Link auf die Quelle die sogenannten Favicons angezeigt, die 16x16 Pixel kleinen Seitenlogos, die im Browser neben der Adresse der Website stehen und zum Beispiel beim Erstellen von Bookmarks von den Browsern mit abgespeichert werden.

Das Landgericht München hat einer einstweiligen Verfügung der "SZ" stattgegeben und verfügt, dass sechs in der Abmahnung angeführte Texte aus dem Echobot-Angebot entfernt werden müssen. Echobot hat gegen diesen Beschluss Widerspruch eingelegt. Karweg: "Wir hoffen nach wie vor auf eine Einigung, bevor es zu einer Klage kommt, werden die Sache aber notfalls gerichtlich ausfechten. Hier geht es auch um unser Geschäftsmodell."

ore

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
niska 24.05.2012
1.
Zitat von sysopWieder wurde ein Web-Dienst abgemahnt, der Überschriften und Artikelanrisse der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" sammelt. Der Betreiber der kostenpflichtigen Suchmaschine Echobot will sich notfalls vor Gericht dagegen wehren. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,834622,00.html
Wieviele Generationen von gestern muss man eigentlich sein, um diese Dienste nicht als das, was sie sind - kostenlose Werbung - zu betrachten? Was kommt als nächstes? Abmahnungen an google, weil die auch Überschriften und Artikelteile darstellen? Wäre es für FAZ und SZ nicht einfacher die robots.txt zu disallowen?
OliverSch 24.05.2012
2.
Zitat von niskaWieviele Generationen von gestern muss man eigentlich sein, um diese Dienste nicht als das, was sie sind - kostenlose Werbung - zu betrachten? Was kommt als nächstes? Abmahnungen an google, weil die auch Überschriften und Artikelteile darstellen? Wäre es für FAZ und SZ nicht einfacher die robots.txt zu disallowen?
Generation von gestern? Es kann nicht angehen das eine Firma ein Geschäftsmodell auf Grundlage fremden Eigentum macht. Warum kann man nicht bevor man eine Solche Sache veranstaltet auf SZ und FAZ zugehen und ggf. auch etwas dafür zu bezahlen? Aber nein, heutzutage ist klauen ja so selbstverständlich wie auf`s Klo zu gehen.
Nuklid 24.05.2012
3. Rss?
Zitat von sysopWieder wurde ein Web-Dienst abgemahnt, der Überschriften und Artikelanrisse der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" sammelt. Der Betreiber der kostenpflichtigen Suchmaschine Echobot will sich notfalls vor Gericht dagegen wehren. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,834622,00.html
Beim ersten Durchlesen klingt es, als würde die FAZ und SZ gegen ihren eigenen RSS Dienst klagen.
Pfeiffer mit drei F 24.05.2012
4.
Zitat von OliverSchGeneration von gestern? Es kann nicht angehen das eine Firma ein Geschäftsmodell auf Grundlage fremden Eigentum macht. Warum kann man nicht bevor man eine Solche Sache veranstaltet auf SZ und FAZ zugehen und ggf. auch etwas dafür zu bezahlen? Aber nein, heutzutage ist klauen ja so selbstverständlich wie auf`s Klo zu gehen.
Warum kann das nicht angehen? Es ist schon obszön, was man alles so als "Eigentum" betiteln darf. Soll etwa jeder Pizzabringdienst einen Obolus an Mercedes abführen, weil man sich Autos zur Lieferung bedient? Warum darf man nicht darüber informieren, was in Zeitung XYZ steht? Immerhin werden die Originalartikel verlinkt und bringen somit den Zeitungen mehr Kunden. Je länger dieser ganze Kindergarten andauert, desto mehr denke ich, dass man das Urheberrecht komplett eindampfen und gegen ein komplett neues Rechtskonzept zu immateriellen Gütern ersetzen sollte.
Das Grauen 24.05.2012
5. @niska: Ganz so einfach ist es nicht.
Der Protest gegen Nutzung der Überschrift und Zusammenfassung scheint auch mir überzogen. Dies ist tatsächlich Werbung für die Verlage und sorgt für zusätzliche Klickzahlen bei den Artikeln. Die Artikel dann aber in einem Echobot Frame einzusetzen ist nicht rechtens. Und erst recht nicht die Volltext Funktion! Mit dieser wird dem Herausgeber jede Möglichkeit genommen, durch Werbung an seinem Text zu verdienen. Das ist tatsächlich Diebstahl von geistigem Eigentum. Und daß der entsprechende Service in den USA sitzt spielt überhaupt keine Rolle da ja schließlich Echobot ursächlich diesen Rechtsbruch auslöst. Das ist schon eine ziemliche Drestigkeit. Also, so geht's ganz klar nicht, da kann ich die Verlage völlig verstehen. Wenn sich die Medien darauf beschränken würden, Rechtsbrecher wie Echobot zu verklagen, wäre dagegen überhaupt nichts zu sagen. Aber da man leider "fair use" Nutzer wie Commentarist in die gleiche Schublade wirft verscherzt man sich viele Sympathien.
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