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Whistleblower Snowden: "Ich bereue, dass ich mich nicht früher gemeldet habe"

Video-Schalte mit Edward Snowden (Archivbild): Warten auf den Anruf der US-Behörden Zur Großansicht
AFP

Video-Schalte mit Edward Snowden (Archivbild): Warten auf den Anruf der US-Behörden

In einem Interview hat US-Whistleblower Edward Snowden über seine Enthüllungen gesprochen. Er bereue lediglich, nicht früher damit an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. "Falls ich morgen nicht mehr da bin, bin ich glücklich mit dem, was ich hatte."

US-Whistleblower Edward Snowden bedauert, dass er nicht schon früher Informationen über die Vorgehensweisen von Geheimdiensten veröffentlicht hat. "Ich bereue, dass ich mich nicht früher gemeldet habe, denn je länger man solche Programme gewähren lässt, desto tiefer graben sie sich ein", sagte der frühere Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA der britischen BBC. Das Interview wurde am Montagabend ausgestrahlt.

Er habe zwar bezahlt für seine Entscheidung, Geheimnisse zu verraten, fühle sich damit aber wohl. "Falls ich morgen nicht mehr da bin, bin ich glücklich mit dem, was ich hatte", sagte der 32-Jährige in Moskau. Snowden war 2013 nach seinen Enthüllungen in die Stadt geflohen, zuletzt hatte er jedoch die beschränkten Meinungsfreiheit in Russland heftig kritisiert.

Schon mehrfach habe er den USA angeboten, zurückzukehren und damit auch eine Gefängnisstrafe in Kauf zu nehmen, sagte Snowden der BBC. Doch er habe noch kein offizielles Angebot für einen entsprechenden Deal bekommen. Er und seine Anwälte würden darauf warten, dass US-Behörden "uns zurückrufen". Im Juli hatte der ehemalige Justizminister Eric Holder gesagt, er halte einen Deal zwischen dem Justizministerium und Snowden für denkbar.

In dem Interview sprach Snowden auch über nach "Schlümpfen" (englisch: Smurfs) benannte Programme, mit denen der britische Geheimdienst GCHQ Smartphones ohne Wissen der Besitzer an- und ausschalten sowie über das Mikrofon mithören könne. Über die "Smurfs"-Programme hatte unter anderem der "Guardian" im Januar 2014 berichtet. Eine GCHQ-Sprecherin sagte, der Dienst halte sich an die Gesetze und breche nicht die Europäische Menschenrechtskonvention.

aar/AP/dpa

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Mein Held
The Restless 06.10.2015
Snowden ist mein persönlicher Held, weil er ein komfortables Leben mit einem guten Gehalt dafür geopfert hat, die Öffentlichkeit über kriminelle Machenschaften zu informieren. Danke, Herr Snowden, für Ihren Mut und Ihr selbstloses Handeln.
2.
freespeech1 06.10.2015
Es ist schon unglaublich, dass D 1,5 Millionen "Flüchtlinge" aufnimmt, dem klassischen politisch Verfolgten aber Asyl verweigert, aus Feigheit und Angst.
3. Der Mann hat den
odapiel 06.10.2015
Friedensnobelpreis mehr verdient als Obama.
4. Dass die kapitalistische Totalüberwachung ..
schumbitrus 06.10.2015
Es ist eine Legende westlicher Spin-Doktoren, dass die kapitalistische Totalüberwachung besser sei als eine kommunistische Totalüberwachung - beide tragen das Merkmal des Totalitarismus und des absoluten Machtanspruch - eben keine Grenzen zu achten und die Würde des Menschen nur optional zu achten. "Unsere" Totalüberwachung pflegt nur das Attribut, dass man sich mit ausreichend Geld die Fiktion von Freiheit aufrecht erhalten kann - bevorzugt durch eine immer gleicher werdende Auswahl von Produkten. Sie hält sich aber jede Option zur Tyrannei genau so offen, wie die der Russen oder der Chinesen. Kurz: Kapitalismus und Kommunismus konvergieren im "totalitären Backend". Während im "kapitalistischen Frontend" der schöne Schein von Demokratie und Freiheit aufrecht erhalten wird, manipulieren Machthaber das Backend mit VDS, Verschlüsselungs-Betrug, stetigen Zensur-Bemühungen (STOPP-Schild unter falscher Flagge ..), Geheimdienst-Allmacht, internationalen Geheimdienst-Syndikaten, geheimen Funkzellenabfragen, etc. um jeden Bürger heraus fischen und ohne aufsehen, individuell mundtot machen zu können. Das kann der islamist genau so sein, wie der Opponent gegenüber der herrschenden Meinung der Mächtigen. Eben dieser Machtmissbrauch ist nicht nur möglich sondern auch wahrscheinlich. Und darin steckt die Gefahr für unsere Freiheit! Snowden gebührt unsere größte Anerkennung, weil er die seit Jahrzehnten stattfindenden Manipulationen im "Maschinenraum der Demokratie" aus dem Nebel der Spekulationen heraus geholt und den Missbrauch der Macht sichtbar gemacht hat. IHM gebührt der Friedensnobelpreis, den man Herrn Obama aberkennen sollte! Herr Obama hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht nur nicht erfüllt. Man muss sich fragen, man muss auch fragen, wie er es geschafft hat, diesen Preis zu erhalten - alleine mit der Ankündigung, des Preises noch würdig zu werden .. Eine digitale Diktatur ist auch bei uns denkbar und zunehmend wahrscheinlich, weil die Demokratie an der Oberfläche allein durch die Option auf geheimen Machtmissbrauch bei Polizei und Geheimdiensten zersetzt wird. Snowden hat aufgezeigt, dass diese Fehlentwicklung keine Verschwörungstheorie sondern Realität ist. Snowden ist hoffentlich Vorbild für andere Geheimdienstler auch bei uns, die z.B. die staatliche Peppelung des NSU-Terrors nicht weiter decken wollen. Inellexit wird hoffentlich auch für die eine Option!
5. toll was er gemacht hat,
MarkusH. 06.10.2015
aber hat sich für uns was geändert? wir werden doch nach wie vor von unseren Verbündeten ausspioniert? hat unsere Regierung Protest eingelegt? ist mein Smartphone jetzt sicherer oder mein Facebook Account?
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