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Alltag von Edward Snowden: Kein Alkohol, aber Nudeln und "The Wire"

Edward Snowden (bei einer Videoschalte): Einblicke in seinen Alltag gegeben Zur Großansicht
AFP

Edward Snowden (bei einer Videoschalte): Einblicke in seinen Alltag gegeben

Wie sieht Edward Snowdens Alltag im Asyl aus? In einem "Guardian"-Interview gibt der amerikanische Whistleblower Einblick in sein derzeitiges Leben. Russisch wollte er vor den Journalisten lieber nicht sprechen.

Der beliebte Cloud-Service Dropbox sei "eine Gefahr für die Privatsphäre" - dieses Zitat machte am Freitag rund um die Welt Schlagzeilen, als eine Kernaussage aus einem "Guardian"-Interview mit Edward Snowden. Sieben Stunden hatten Chefredakteur Alan Rusbridger und Korrespondent Ewen MacAskill mit dem Whistleblower gesprochen.

Während des Gesprächs ging es aber nicht nur um Geheimdienste, Cloud-Angebote oder die Frage, warum der ehemalige NSA-Systemadministrator ausgerechnet in Russland gelandet ist - wo er kürzlich um Verlängerung seines Asyls gebeten hat.

Snowden erzählte den Journalisten auch, wie sein Alltag als wohl bekanntester Whistleblower der Welt aussieht. Der ehemalige NSA-Chef Michael Hayden hatte Snowden im September noch ein hartes Leben in Moskau vorhergesagt, "wie bei den meisten der anderen Überläufer" - "isoliert, gelangweilt, einsam, depressiv und alkoholkrank".

Depressiv wirkt Snowden nicht

Tatsächlich scheint Edward Snowden in besserer Verfassung zu sein. Er trinke gar nicht, erzählte er Rusbridger and MacAskill, und lehnte ab, als sie ihm ein Bier anboten. Auch den Eindruck, dass Snowden depressiv sei, haben die Journalisten nicht: "Er wirkt stärker vernetzt und kontaktfreudiger, als er es in seinem früheren Leben als Agent je hätte sein können." Snowden sei jedoch dünner als vor einem Jahr, als er sich in Hongkong als Mann hinter den NSA-Leaks zu erkennen gab.

Hier sind beispielhaft einige Snowden-Zitate aus dem Interview-Transkript des "Guardian":

  • "Ich lebe nicht in absoluter Heimlichkeit. Ich lebe ein recht freies Leben. Ich will aber keine Berühmtheit sein, ich will nicht irgendwo hingehen und das Interesse der Leute auf mich ziehen. [...] Was ich im Lebensmittelgeschäft kaufe, sollte eigentlich für niemanden interessant sein."
  • "Ich werde erkannt. Das ist manchmal ein wenig peinlich, denn mein Russisch ist nicht so gut, wie es sein sollte. [...] Ich gehe nicht in Verkleidung spazieren."
  • "Ich lese derzeit eine Menge politischer Bücher. Gerade lese ich "Secrets", Dan Ellsbergs Memoiren über dessen Veröffentlichung der Pentagon-Papiere. [...] Viel Zeit verbringe ich damit, über das Thema Pressefreiheit nachzudenken."

Als die Journalisten Snowden bitten, für sie ein wenig Russisch zu sprechen, weigert er sich: "Das Letzte, was ich will, ist, dass Clips im Internet kursieren, in denen ich Russisch spreche."

Kein Interesse an der Fußball-WM

Beim Thema Fitness ist Snowden offener, er sagt, dass er nicht wirklich viel esse. Wenn er koche, dann oft japanische Ramen-Nudeln. Viel Sport macht Snowden derzeit nicht, er habe in letzter Zeit zu viel Arbeit, auf die er sich konzentrieren müsse. Zum Arbeiten nutze er insgesamt drei Computer, aus Sicherheitsgründen.

Für die Fußball-WM, bei der am Tag des Interviews das Halbfinale Niederlande gegen Argentinien stattfand, interessierte sich Snowden übrigens nicht: "Das mag manche Leute überraschen, aber ich bin nicht besonders sportlich. Ich bin kein großer Sportfan."

Dafür verriet Snowden seinen Interviewpartnern, dass er mittlerweile die erste Staffel von "The Wire" gesehen hat - eine US-Serie, die nicht nur ihn interessiert. 2012 hatte US-Präsident Barack Obama sie als "eine der besten Sendungen aller Zeiten" gelobt.

mbö

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insgesamt 27 Beiträge
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1. .... so behandeln wir die Verteidiger unserer Freiheit
berlinnews 19.07.2014
Bei den Medien wird die Zurückhaltung auch immer schlimmer. Tiefer gehende Fragen werden gemieden oder unliebsame Antworten beschnitten. Kein Wunder bei der gewählten Leitfigur Merkel - kein Dank an den Offenleger Snowden aber erstaunen bei Telefon Spionage heucheln. Christliche Kultur? Laßt die Täter für Freiheit Manning, Assange, Snowden sofort frei. Wir alle sind schuldig an ihrem Schicksal.
2. Guardian Artikel
activ8me 19.07.2014
Sehr cooles interview. Ich respektiere diesen Herrn und seine smarten Ansichten jeden Tag mehr! Unbedingt den Guardian link anklicken und sich das Video anschauen.
3. Problem mit Russisch?
RandomName 19.07.2014
Das zeigt nur wieder wie verbohrt manche Menschen sein können: "Er spricht russisch, er muss vom KGB sein!" Russland ist eines der wenigen Länder in denen er Asyl bekommen hat, weil sie Amerika eins auswischen wollten und Snowden ihm grade recht kam. Snowden wusste das und hat sich so bewusst dafür entschieden kein Risiko einzugehen und einfach direkt an den -für ihn- sichersten Ort zu fahren. deshalb kann er sich jetzt -relativ- frei bewegen. Anders als Assange oder Manning. Irgendwelche Verschwörungstheorien sind hier fehl am Platze!
4.
Nr. 45846488 19.07.2014
The Wire find' ich auch gut. Das Snowden die Sendung anschaut, ok, aber Obama meint das sei eine der besten Sendungen aller Zeiten, verstehe ich nicht. Wo nimmt er sich die Zeit fast 100 Stunden für eine Serie zu investieren. Hatte der als Senator nichts besseres zu tun. Um so eine Wertung abzugeben, muss er ja noch viele andere Sendungen angeschaut haben, also noch mehr Stunden zusätzlich. Wann hat der Politik gemacht.
5. Mehr als seine Essgewohnheiten
montykomm! 19.07.2014
Zitat von sysopAFPWie sieht Edward Snowdens Alltag im Asyl aus? In einem "Guardian"-Interview gibt der amerikanische Whistleblower Einblick in sein derzeitiges Leben. Russisch wollte er vor den Journalisten lieber nicht sprechen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/edward-snowdens-alltag-im-asyl-wie-es-ihm-in-russland-geht-a-981902.html
würde mich interessieren, wie es denn sein kann, dass in dem gesamten mitgebrachten Material Russland noch nicht mal in einer Fusßnote erscheint. Kein byte, nichts.
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