Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Flucht von Edward Snowden: Pizza, Hühnchen, Pepsi

Von

Er fliegt von Hawaii nach Hongkong. Mit dem Material über die NSA-Überwachung. Er checkt in einem Fünf-Sterne-Hotel ein, wechselt seinen Standort. Bei Geheimtreffen müssen die Helfer ihre Handys im Kühlschrank deponieren. Jetzt befindet sich Edward Snowden in Moskau. Die Rekonstruktion seiner Flucht.

Edward Snowden: Von Hawaii über Hongkong nach Moskau Zur Großansicht
AP

Edward Snowden: Von Hawaii über Hongkong nach Moskau

Edward Snowdens Flucht beginnt am 20. Mai. Da ist er noch angestellt bei dem US-Konzern Booz Allen und arbeitete als Dienstleister für die NSA in Hawaii. Was er über den US-Geheimdienst erfahren habe, habe ihm keine Ruhe mehr gelassen: fast grenzenlose Internetüberwachung, offenbar weitgehend ohne rechtliche Schranken. Die streng gehüteten Geheimnisse will er öffentlich machen.

Der Soldat Bradley Manning, der wohl WikiLeaks Material zur Veröffentlichung anvertraut hat, steht nach drei Jahren Einzelhaft derzeit vor Gericht. Den Rest seines Lebens wird er wohl im Gefängnis verbringen. Mannings Schicksal wird Snowden vor Augen gehabt haben beim Planen seiner Flucht.

Snowden verlässt Hawaii mit Ziel Hongkong also am 20. Mai. Zuvor, so berichtet der "Guardian", soll er letzte Geheimdokumente kopiert und sich bei einem Vorgesetzten freigenommen haben - ein paar Wochen, angeblich, um sich um medizinische Angelegenheiten zu kümmern. Schon die Ausreise aus den USA sei ein Risiko gewesen, sagte Snowden. Eigentlich müssten NSA-Mitarbeiter Auslandsreisen 30 Tage vorher anmelden.

Mobiltelefone im Kühlschrank

Snowden bucht kurzfristig, niemand hält ihn auf. In Hongkong versteckt er sich zunächst in einem Hotelzimmer. Aus Angst vor der CIA verlässt er es in den folgenden drei Wochen nach eigenen Angaben ganze dreimal.

Dann beginnen "Guardian" und "Washington Post" mit den Enthüllungen: über den Zugriff der NSA auf Verbindungsdaten, über das Spähprogramm Prism, mit dem auf Nutzerdaten bei Facebook, Google, Microsoft und anderen großen IT-Konzernen zugegriffen wird. Über die Seekabel-Überwachung der Briten, die den Datenverkehr über den Atlantik belauschen. Was bisher allenfalls vermutet wurde, wird nun öffentlich.

Die US-Regierung ist sauer. Die NSA-Abteilung für Spionageabwehr, das Associate Directorate for Security and Counterintelligence, nimmt Ermittlungen auf. Der Whistleblower zeigt sich lieber gleich selbst der Öffentlichkeit: Am 9. Juni, drei Tage nach der ersten Veröffentlichung, erklärte er sich in einem Video-Interview . Snowden sagt, er fürchte, US-Behörden würden seiner Familie und seinen Freunden zusetzen, um sein Verschwinden aufzuklären.

Er steigt im Fünf-Sterne-Hotel The Mira ab

Journalisten identifizieren sein Versteck als das Fünf-Sterne-Hotel The Mira im Süden der Halbinsel Kowloon. Dort hat tatsächlich ein Herr Snowden eingecheckt, einmal geht dieser Jemand sogar ans Telefon - und kurz darauf verlässt er offenbar hastig das Hotel . Als nächstes kommt er offenbar, mit Zwischenstationen, in der kleinen Wohnung eines Helfers unter. Das neue Versteck soll er tagelang nicht verlassen haben, berichtet die "New York Times". Bei einem Treffen mit Anwälten in der Wohnung seien alle Mobiltelefone aus Angst vor Überwachung in den Kühlschrank gepackt worden.

Bei dem zweistündigen Treffen - es gibt "Pizza, Hühnchen, Würstchen, runtergespült mit Pepsi" - wird erörtert, wie Hongkong auf ein Auslieferungsgesuch der USA reagieren würde, und ob Snowden Asyl in Hongkong bekommen könnte. Die Vorstellung, während eines solchen Verfahrens womöglich jahrelang ohne Internetzugang im Gefängnis auszuharren, gefällt Snowden gar nicht.

Der prominente Abgeordnete und Jurist Albert Ho, der an dem Treffen teilnimmt, wird losgeschickt, um bei der Regierung von Hongkong vorzufühlen: Würde man Snowden ausreisen lassen? Am Freitag nimmt ein Mittelsmann direkt mit ihm Kontakt auf. Ausgang eines Asylverfahrens - ungewiss. Ausreise erwünscht.

Asylantrag in Ecuador

In den USA wird ein Haftbefehl ausgestellt, Snowden wird Spionage vorgeworfen, außerdem Diebstahl und Weitergabe von Regierungseigentum. Die Behörden in Hongkong werden aufgefordert, Snowden festzusetzen, sein US-Pass wird für ungültig erklärt.

Trotzdem kann er am Sonntag um 10.55 Uhr Ortszeit Hongkong verlassen. Mit einer Maschine der russischen Fluggesellschaft Aeroflot geht es nach Moskau-Scheremetjewo. Mit an Bord soll die britische WikiLeaks-Aktivistin Sarah Harrison sein. WikiLeaks teilt mit, Snowden werde in Begleitung über seine sichere Route in ein demokratisches Land reisen, um dort Asyl zu suchen.

Snowden ausgereist? Die US-Regierung schäumt. Hongkong teilt mit, das Auslieferungsgesuch der USA habe formale Fehler enthalten. In der knappen Mitteilung heißt es außerdem: Man werde Snowdens Enthüllungen nachgehen, die USA würden Netzknoten in China hacken und Milliarden von chinesischen SMS mitlesen.

Geheimdienst am Flughafen

Noch am Sonntag landet Snowden in Moskau, wie der Flughafen Scheremetjewo mittlerweile bestätigt hat. Ein russisches Visum hat er nicht, darf den Flughafen nicht verlassen. Im Transitbereich trifft er offenbar mit dem ecuadorianischen Botschafter zusammen. Am Montag tritt der Außenminister von Ecuador, Ricardo Patiño, vor die Kameras und liest aus einem Asylantrag Snowdens vor - den wolle man nun prüfen. Über Kuba und Venezuela könnte Snowden nach Ecuador fliegen.

Doch ein Ticket von Moskau nach Kuba, das auf seinen Namen gebucht war, lässt er am Montag verfallen. Auch am Dienstag sitzt er offenbar nicht in der Aeroflot-Maschine nach Havanna. Die Transitzone des Flughafens hat Snowden bisher nicht verlassen, wie der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstagabend sagte.

Der Kreml als Fluchthelfer? Die US-Regierung schäumt, Putin winkt ab: Snowden habe kein Verbrechen in Russland begangen. Gesehen hat ihn allerdings noch keiner der zahlreichen Journalisten in Moskau-Scheremetjewo. Ob das auch für die Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB gilt, die den Transitbereich bewachen, darf bezweifelt werden.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 227 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
moev 25.06.2013
Zitat von sysopAPEr fliegt von Hawaii nach Hongkong. Mit dem Material über die NSA-Überwachung. Er checkt in einem Fünf-Sterne-Hotel ein, wechselt seinen Standort. Bei Geheimtreffen müssen die Helfer ihre Handys im Kühlschrank deponieren. Jetzt befindet sich Edward Snowden in Moskau. Die Rekonstuktion seiner Flucht. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/edward-snowdens-flucht-rekonstruktion-a-907709.html
Hoffen wir für Ihn mal das er sich in Moskau auf der Flucht vor den USA befindet und nicht in Moskau in Gewahrsam des russischen Geheimdienstes die versuchen alles aus ihm rauszuquetschen was er sonst noch über die US-Dienste weiß
2. Flucht?
arxan131 25.06.2013
warum berichtet ihr über die Flucht und nicht darüber dass Merkel und Co _nicht_ massiv druck auf unsere amerikanischen Freunde ausüben dass die Prism Geschichte eine Riesensauerei ist. Frau Merkel hat den Oberüberwacher ja sogar noch empfangen in Berlin :( Run snowden run!
3. ...
arakiel 25.06.2013
Zitat von sysopAPEr fliegt von Hawaii nach Hongkong. Mit dem Material über die NSA-Überwachung. Er checkt in einem Fünf-Sterne-Hotel ein, wechselt seinen Standort. Bei Geheimtreffen müssen die Helfer ihre Handys im Kühlschrank deponieren. Jetzt befindet sich Edward Snowden in Moskau. Die Rekonstuktion seiner Flucht. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/edward-snowdens-flucht-rekonstruktion-a-907709.html
Wie wärs wenn Ihr euch ein wenig auf das wichtige Thema konzentriert nämlich das was Snowden aufgedeckt hat. Wenn ich sowas lesen will, besorge ich mir einen Agentenroman. Vernünftiger Journalismus ist etwas anderes.
4. Lenkt nicht ab, ihr 'Journalisten'...
Daniel 1956 25.06.2013
...sondern bleibt beim Thema und recherchiert über "Prism" und all die Schweinereien. Wir wollen Aufklärung, kein Minutenprotokoll über über irgendwessen "Flucht". Edward Snowden ist ein HELD!
5.
franko_potente 25.06.2013
Zitat von sysopAPEr fliegt von Hawaii nach Hongkong. Mit dem Material über die NSA-Überwachung. Er checkt in einem Fünf-Sterne-Hotel ein, wechselt seinen Standort. Bei Geheimtreffen müssen die Helfer ihre Handys im Kühlschrank deponieren. Jetzt befindet sich Edward Snowden in Moskau. Die Rekonstuktion seiner Flucht. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/edward-snowdens-flucht-rekonstruktion-a-907709.html
Den Pass für ungültig erklärt, Kreditkarten gesperrt, Konten eingefroren, Anklage erhoben... so geht es ab, wenn das System sich rächt. Und ich bin mir sicher, bevor Snowden gen Ecuador abhebt, wird das eine oder andere Arbeitsessen beim FSB obligat sein. Hoffen wir, das es der Russe wirklich gut mit ihm meint.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: