Offizielles Gutachten Deutschland digitalisiert sich zu zaghaft

Mein Feind, der Roboter: Von der Bundesregierung engagierte Gutachter kritisieren ihre Auftraggeber. Nachholbedarf sehen sie unter anderem bei der Robotik. Auch die Flüchtlingskrise zeige Versäumnisse auf.

Roboter auf der "Hannover Messe": Deutschland ist nicht innovativ genug
REUTERS

Roboter auf der "Hannover Messe": Deutschland ist nicht innovativ genug


Es ist noch viel Luft nach oben: So lassen sich die Ergebnisse einer Expertenkommission zur Digitalisierung zusammenfassen. Im Auftrag der Bundesregierung hat die Runde untersucht, wie innovativ Deutschland ist und wie gut die Chancen der Digitalisierung hierzulande genutzt werden. Die Gutachter geben ihren Auftraggebern aus der Politik einige Hausaufgaben mit auf den Weg, und üben Kritik: Deutschland drohe, die Digitalisierung zu verpassen.

"Die derzeitige Situation ist alarmierend: Deutsche Unternehmen sind in der Gesamtschau der Digitalisierungsaktivitäten nach 40 Jahren allenfalls internationales Mittelmaß", sagte Dietmar Harhoff, als er am Mittwoch das Gutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überreichte. Er ist der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). Das Gutachten benennt vier Bereiche, in denen die Deutschen aus Sicht der Autoren aufholen müssen:

  • Deutschland vernachlässigt seine elektronische Verwaltung. Welche Probleme das schaffen kann, zeige sich beim Thema Flüchtlinge: Es gibt keine länderübergreifend funktionierenden Systeme, sondern Doppelstrukturen und viel Bürokratie. Es müsse endlich ein zentrales E-Government-Portal geben, Verwaltungs- und Regierungsdaten müssten leichter zugänglich gemacht werden.

  • Deutschland setzt zu wenig auf Automatisierung. Im internationalen Vergleich sei die größte Volkswirtschaft Europas zwar bei der industriellen Robotik gut aufgestellt, stellt das Gremium fest. Außerhalb des verarbeitenden Gewerbes sei die Zahl der genutzten Roboter aber "noch ausgesprochen gering". Anders gesagt: In Deutschland bauen Roboter Autos, aber in der klinischen Pflege sind sie fast nicht im Einsatz, ebenso wenig in der Logistik, wo Maschinen Transportaufträge abwickeln könnten. Die Deutschen hätten Angst davor, dass ihre Arbeit bald von einer Maschine gemacht werde, solchen Ängsten müsse die Politik entgegenwirken.

  • Der deutsche Mittelstand ist nicht innovativ genug. "Die Bereitschaft der kleinen und mittleren Unternehmen, in Innovationsaktivitäten wie auch in Forschungsprojekte zu investieren, hat seit Jahren abgenommen", kritisiert der Bericht. Der Staat handle ebenfalls zu zaghaft: In vielen anderen Ländern investierten staatliche Stellen doppelt so viel in Forschung wie die Deutschen. Die Kommission plädiert deshalb für eine steuerliche Förderung von Investitionen in diesem Bereich. "Die Bundesregierung muss hier endlich handeln", mahnt das Gremium.

  • Die Digitale Wirtschaft ist für viele deutsche Unternehmen ein leeres Schlagwort. Anstatt sich auf neue Geschäftsfelder zu stürzen, hätten Unternehmen nur in wenigen Ausnahmefällen neue Stärken in digitalen Geschäftszweigen entwickelt.

Das Fazit des EFI-Gremiums: Insgesamt sei die deutsche Politik derzeit zu sehr darauf bedacht, etablierte deutsche Stärken zu verteidigen. Die Bundesregierung hat die Kommission vor zehn Jahren eingerichtet. Seitdem veröffentlicht sie jedes Jahr ein Gutachten, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dieses Mal ging es um die Digitalisierung.

gru/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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dbeck90 18.02.2016
1. nein echt?
unser deutschland ist nicht digital genug? wirklich? und dafür wurde ein Gutachter eingeschaltet? Ist denen langweilig oder ist denen der Unterschied zwischen mirko - und ChioChips bis heute noch nicht bekannt?
Bürger Icks 18.02.2016
2. Neuland eben
Was will man da erwarten, was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht! "Die Deutschen hätten Angst davor, dass ihre Arbeit bald von einer Maschine gemacht werde, solchen Ängsten müsse die Politik entgegenwirken." Wie soll man diesen "Ängsten" entgegenwirken, es wird doch so kommen, und das ist ein guter Grund für das bedingungslose Grundeinkommen. Hat der Deutsche etwa Angst davor, nicht mehr sein Leben lang von der Arbeit eingenommen zu werden, sein Leben vom Job diktiert zu bekommen? Angst vor der Freizeit und vor einem Leben, in dem einem niemand mehr vorschreibt, was man wie, wo zu tun hat, wie man sich zu verhalten hat, wann zu Katzbuckeln hat? Angst vor einer Zukunft ohne ständige Probleme mit Job, Chef, Lohn usw? Kann ich mir schwer vorstellen, wenn Roboter Arbeit erledigen können, und der Mensch davon profitiert wie z.B. bei einem BGE, dann geht der Lohn der erledigten Arbeit eben an die Menschen, die ihren Job durch eben jene Roboter verloren haben. Doch leider wird in unserer Welt niemals der arbeitslos gewordene Mensch profitieren, aber die Konzerne, die Roboter statt Menschen "beschäftigen" werden. Davor hat man wohl zu Recht Angst!
Bürger Icks 18.02.2016
3. Hier, von wegen Neuland:
Glasfaser-Verbreitung: Deutschland schafft die 1-Prozent-Hürde http://www.heise.de/netze/meldung/Glasfaser-Verbreitung-Deutschland-schafft-die-1-Prozent-Huerde-3110949.html Jawoll, wir sind kein digitales Dritte-Welt-Land mehr. Oder? Bei dem Fortschritt...
schnuckrusch, 18.02.2016
4. Dafür braucht man von der Regierung engagierte
Experten? Für solch einen Simpelkram? Um das festzustellen , muß man doch nur mal ein Auto anmelden. Wann sind denn endlich mal engagierte Experten am Werk? Diese Regierung schmeißt die Kohle nur so raus
cptlars 19.02.2016
5. zu teuer
neue Technik ist auch immer eine Frage des Geldes. Wenn neue Technik nicht gefördert wird dann können sich die meisten mittelständischen Firmen diese auch nicht leisten. Der Verbraucher will alles billig haben. Da sind die kleinen Firmen froh wenn die Mitarbeiter bezahlt werden können.
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