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Einsprüche gegen Street View Wie Sie Googles Auge blenden

Google Street View: So lassen Sie Ihr Haus löschen
Fotos

Die Widerspruchsfrist hat begonnen: Ab diesem Dienstag können Bürger von Google verlangen, dass ihr Zuhause im Straßenfotoatlas Street View verpixelt wird. SPIEGEL ONLINE erklärt, wie's geht.

An diesem Dienstag ist die Maschinerie angelaufen: Wie angekündigt hat der Internetkonzern Google eine Web-Seite online gestellt, auf der Bürger Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Fotos ihrer Häuser und Wohnungen im Street-View-Dienst erheben können. Zwar war die Site per Internetbrowser zeitweise nicht erreichbar, doch das dürften nur Anfangsprobleme gewesen sein. Eigentümer und Mieter sollen jetzt schnell und einfach dafür sorgen können, dass ihr Zuhause in Googles Straßenfotoatlas verpixelt wird.

Über das Verfahren hatte es im Vorfeld bereits heftige Diskussionen gegeben. Politiker und Datenschützer fühlten sich übergangen, weil sie von dem US-Unternehmen nicht in die Planung und Gestaltung des Widerspruchsverfahrens eingebunden worden waren. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar beispielsweise wurde erst kurz vor der Presse von Google über den geplanten Starttermin und die Funktionsweise des Widerspruchsverfahrens informiert. Er kritisierte die Eile, mit der Google plötzlich vorgehe, und meldete Zweifel an, dass "Google an einer einfachen und bürgerfreundlichen Umsetzung der Widersprüche interessiert ist". Google bestätigte im Rahmen einer Telefonkonferenz zur Einführung von Street View in Deutschland, Caspar erst kurz vor der Presse über das Widerspruchsverfahren informiert zu haben. Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE, ob auch Verbraucherschutz- und Justizministerium erst so spät informiert wurden, beantwortete Google am Dienstag nicht.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erklärten, sie seien von der Nachricht im Urlaub überrascht worden. Entsprechend knapp fielen ihre Reaktionen aus. Während Aigner die gebotenen Widerspruchsmöglichkeiten zunächst noch als begrüßenswert bewertete, änderte sie ihren Standpunkt, nachdem sie das Verfahren genauer ergründet hatte. Das Widerspruchsverfahren müsse transparenter werden, die Einspruchsfrist verlängert werden, verlangte sie. Zudem kritisierte sie Googles Timing. Mit der Ankündigung sei Google "mitten in die Sommerferien mehrerer Bundesländer geplatzt" und habe damit "viele Bürgerinnen und Bürger überrumpelt".

Das Kanzlerinnenhaus darf jeder sehen

Sollte der Konzern wirklich diese Hoffnung gehegt haben, erfüllte sie sich nicht. Stattdessen stürzten sich Politiker aller Parteien auf das Thema, so wie FDP-Chef Guido Westerwelle, der sein Haus in Street View verpixeln lassen will. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewahrte Ruhe und erklärte, sie werde ihr Haus nicht verpixeln lassen. Es sei ohnehin schon vielfach abgelichtet worden. Mit dieser Gelassenheit hebt sich die Kanzlerin von einer Vielzahl ihrer Politikerkollegen ab, die sich mit Ich-lasse-mein-Haus-aus-Google-löschen-Parolen in den Vordergrund zu reden versuchen - was vielfach auch gelingt.

Was bei all dem Geschrei um die neuen Straßenfotos gerne vergessen wird: Deutschland ist längst digital per Internet durchschaubar, ohne dass sich jemand groß daran stört. Google Maps, Google Earth und Bing Maps liefern schon lange detaillierte Satellitenfotos des ganzen Landes, auf denen sich Details wie etwa ein Pool im Garten mühelos aus der Vogelperspektive erkennen lassen. Microsofts Bing geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet neben den Draufsichten auch schräg fotografierte Luftbilder an, auf denen Nutzer nicht nur Dächer, sondern auch Fassaden der Gebäude erkennen können. Wer Haus und Garten mit einer hohen Hecke vor fremden Blicken zu schützen versucht und nun auch Googles Street View keinen Einblick gewähren will, kommt also sowieso schon zu spät.

Häuserfotos im Web? Nichts Neues!

In Großbritannien etwa amüsierten sich Jugendliche schon im Jahr 2008 mit Hilfe von Google Earth auf Kosten Fremder. Über das Google-Angebot suchten sie geeignete Plätze für nächtliche Poolpartys in den Gärten urlaubender Nachbarn. Ein amerikanischer Poolputzer wiederum erkannte schon ein Jahr zuvor die Möglichkeiten des Satellitenbilderdienstes und suchte auf den Online-Karten neue Kunden, die er dann gezielt ansprach.

Trotzdem: Die Bildqualität der Street-View-Fotos ist um einiges besser, lässt viel mehr Details erkennen als Satelliten- oder Flieger-Fotos. Die Debatte weckt offenbar bei manchen die Furcht, Fremde könnten ihnen damit sozusagen ins Wohnzimmer schauen - wobei vergessen wird, dass Googles Fotos oft schon Jahre alt sind, also ein Abbild der Vergangenheit darstellen. Mit Echtzeitdarstellungen, wie man sie von Webcams kennt, hat Street View nichts zu tun. Wer meint, sein Haus oder seine Wohnung dennoch bei Street View verpixeln lassen zu müssen, kann dies auf verschiedenen Wegen beantragen.

Per Post, per E-Mail, per Web-Seite - SPIEGEL ONLINE erklärt, wie Sie bei Google die Verpixelung ihres Heims verlangen können:

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insgesamt 1564 Beiträge
FrankB 17.08.2010
Genau wie die anderen Dienste, die übrigens nicht nur Google anbietet, ist Streetview nur ein zusätzlicher nützlicher Dienst, nur haben das noch nicht alle gemerkt, weil sie ihn noch nicht nutzen. Sobald man einen Dienst aber [...]
Genau wie die anderen Dienste, die übrigens nicht nur Google anbietet, ist Streetview nur ein zusätzlicher nützlicher Dienst, nur haben das noch nicht alle gemerkt, weil sie ihn noch nicht nutzen. Sobald man einen Dienst aber länger nutzt, google Suche, E-Mail, Maps und Street View (letzteres nutze ich seit 3 Jahren), wird er "unverzichtbar" und man erkennt den hohen Wert und Nutzen. Klar, meine Oma kommt ohne diese ganzen Dienste aus und ihr geht es gut. Ihr ist auch egal, ob ihr Haus im Internet zu sehen ist oder nicht, sie hat daraus keinen Nachteil und keinen Vorteil. Ich habe ihr letztens mit meinen Laptop ein paar Orte gezeigt, wo sie mal war, mit google maps, mit bing Vogelperspektive und mit streetview. Sie fand es toll. Kann mir jetzt jemand erklären, was daran ganz genau und ganz konkret für meine Oma gefährlich sein soll?
Toerpe Schweiz 17.08.2010
Dieser Dienst ist erst der Anfang einer wesentlich grösseren Vision von Google. Die Vision heisst augmented reality und bedeutet, dass Google step by step ein um zusätzliche Informationen angereichertes virtuelles Abbild der [...]
Dieser Dienst ist erst der Anfang einer wesentlich grösseren Vision von Google. Die Vision heisst augmented reality und bedeutet, dass Google step by step ein um zusätzliche Informationen angereichertes virtuelles Abbild der realen Welt schaffen will. Es handelt sich um ein kühnes Projekt mit unvorstellbarem Umfang und es wird netzbasiert eine weitere digitale Revolution auslösen. Google ist nicht der einzige Konzern, der daran baut, aber Google Earth, Street View und viele andere Dienste bilden Vorstufen und sollen dereinst dafür sorgen, dass die Basis dieser augmented reality durch Google bereitgestellt und auch beherrscht wird. Man kann Bedenken dagegen haben, aufhalten wird sich diese Entwicklung nicht mehr, Google hin oder her. Mit dem überall vorhandenen Internetzugang, den Kameras und den GPS Modulen ist im Prinzip alles bereit, was man dafür braucht und die Vision ist absolut bestechend. Wie alle neuen Technologien birgt auch und vielleicht noch mehr die Augmented Reality Gefahren für Missbrauch und diesen muss auch Datenschutztechnisch durch gescheite regulatorische Massnahmen begenet werden. Leider ist es aber scheinbar so, dass unsere Politiker technologisch völlig unterbelichtet sind und gar nicht erfassen, was sich hier tut. Daher scheinen sie auch nicht in der Lage, die geeigneten Regulatorien zu entwerfen, welche diese neuen Technologien in korrekte Bahnen lenken könnten ohne sie komplett abzuwürgen. Eines ist klar: Auch diese Revolution wird in den USA entworfen und von dort aus die Welt erobern - unaufhaltsam, denn der Nutzen ist derart übermächtig, dass sich niemand ein Abseitsstehen wird leisten können. Es müsste nun schon in dieser frühen Phase durch die technologietreibenden Konzerne ein umfassender code of conduct entworfen werden, welcher zukünftige Regulierungen vorwegnehmen und einen Pfad aufzeigen könnte, auf welchem die Entwicklung der zu grunde liegenden Technologien und deren Anwendungen erfolgen sollte. Da die Politik nicht mitkommt, müssen die Konzerne dies selber in die Hand nehmen. Ansonsten werden sie Vertrauen verspielen und es mit inkompetenten und populistischen Politiker- und Bürgerinitiativen zu tun bekommen. In diesem Sinne hoffe ich auf ein frontrunning von Google selber.
dale_gribble 17.08.2010
Ein Glück, dass ich 9 Monate/Jahr im abseitsstehenden Südamerika wohne. Der "übermächtige Nutzen" erschliesst sich mir nämlich nicht. Ein "Abseitsstehen" leiste ich mir gerne.
Zitat von Toerpe SchweizEines ist klar: Auch diese Revolution wird in den USA entworfen und von dort aus die Welt erobern - unaufhaltsam, denn der Nutzen ist derart übermächtig, dass sich niemand ein Abseitsstehen wird leisten können.
Ein Glück, dass ich 9 Monate/Jahr im abseitsstehenden Südamerika wohne. Der "übermächtige Nutzen" erschliesst sich mir nämlich nicht. Ein "Abseitsstehen" leiste ich mir gerne.
Mulharste 17.08.2010
ICh bin ja da ein ganz doller Skeptiker und egtl gerne gegen alles - aber hier seh ich echt kein Problem.
Zitat von sysopJetzt startet Google wie angekündigt mit dem umstrittenen Street View: ein hilfreicher Online-Dienst oder gefährliche Verletzung der Privatsphäre?
ICh bin ja da ein ganz doller Skeptiker und egtl gerne gegen alles - aber hier seh ich echt kein Problem.
waldbaer! 17.08.2010
... nur diejenigen sollten widersprechen dürfen, die keine Payback-Karte haben ...
Zitat von sysopJetzt startet Google wie angekündigt mit dem umstrittenen Street View: ein hilfreicher Online-Dienst oder gefährliche Verletzung der Privatsphäre?
... nur diejenigen sollten widersprechen dürfen, die keine Payback-Karte haben ...
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