ThemaCopyrightsRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Entertainmentbranche Copyright-Lobby nimmt Streaming aufs Korn

Längst im Netz: James Cameron Hightech-Epos - allerdings in mieser QualitätZur Großansicht
20th Century Fox

Längst im Netz: James Cameron Hightech-Epos - allerdings in mieser Qualität

2. Teil: Der Provider als freiwilliger Hilfspolizist? Wie die Copyright-Lobby Streaming-Nutzern den Saft abdrehen will

In Berlin stellte "Respect Copyrights" eine Initiative vor, um diese Form des unlizenzierten Mediengenusses "nach dem Vorbild anderer europäischer Länder zu bekämpfen": Internetnutzer sollen beim ersten Mal auf ihre Urheberrechtsverletzung hingewiesen werden. Zugleich sollen ihnen legale Online-Angebote als Alternative aufgezeigt werden. Im Wiederholungsfall sollen sie einen Warnhinweis mit den möglichen rechtlichen Konsequenzen erhalten. Bei abermaligem Verstoß soll nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sanktioniert werden.

Als Strafe ist zunächst die Sperrung des Zugangs zu einzelnen illegalen Seiten denkbar oder die vorübergehende Drosselung der Bandbreite des Internetzugangs, um die weitere Nutzung illegaler Angebote zu erschweren. Zudem müssen Urheberrechtsverletzer mit weiteren zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Auf welcher Rechtsbasis das alles geschehen soll, dürfte im Einzelfall für einige Diskussionen sorgen. Denn natürlich erfordert es, dass abgegriffen und erfasst wird, wer da welche Seite zu welchem Zweck aufruft und was er von dort im Stream oder Download bezieht - anders, als den Provider hier zum Hilfspolizisten zu machen, ist das kaum denkbar. Das Problem ist nur, dass dem die Überwachung des Kommunikations- und Konsumverhaltens seiner Kunden gesetzlich untersagt ist.

Auch was er im Rahmen der stark umstrittenen Vorratsdatenspeicherung erfasst, gibt er nur dann weiter, wenn eine Strafanzeige vorliegt - Lobbygruppen oder Firmen haben kein direktes Einsichtsrecht in die Daten. Selbst wenn, erfahren sie dort nur, welcher Teilnehmer zu einem gegebenen Zeitpunkt mit welcher IP-Adresse im Netz unterwegs war - nicht aber, welche Web-Seiten er besuchte.

Politisch gescheitert, aber nicht vergessen: Hadopi durch die Hintertür

Natürlich orientiert sich die Strategie der Initiative an der sogenannten Three-Strikes-Regel respektive dem französischen Hadopi-Gesetz. Mit dieser französischen Spielart einer Internetsperre liebäugelten längere Zeit so einige Regierungen und auch Teile der EU-Kommission. Die unterstützt solche Modelle inzwischen allerdings nicht mehr und spricht sich dagegen aus. Auch in Deutschland gilt die digitale Sippenhaft, DSL-Anschlüsse zu kappen, wenn auch nur einer von mehreren Nutzern sündigt, als politisch nicht durchsetzbar.

Respect Copyright weiß das alles und setzt - das Vorbild Ursula von der Leyen mit ihren rechtlich bedenklichen Provider-Verträgen über Internet-Sperrlisten lässt grüßen - auf freiwillige Zusammenarbeit. "Wir hätten uns durchaus mehr Unterstützung aus der Politik gewünscht, jedoch ist unser Modell, das wir zusammen mit Verbänden der Kreativwirtschaft für Deutschland entwickelt haben, auch ohne eine Gesetzesänderung umsetzbar", glaubt Matthias Leonardy, Geschäftsführer der GVU.

Die Internet-Serviceprovider wären nach dem von der GVU befürworteten Modell nicht dazu angehalten, auf eigene Rechnung das Internet nach Raubkopien ihrer Kunden zu durchsuchen. Klar, aber sie müssten den Datendurchsatz, den ihre Kunden verursachen, beobachten - man könnte auch sagen: überwachen. Das wäre kein Novum: Einige Serviceprovider versuchten in der Vergangenheit, allzu fleißige Downloader durch Drosselung der DSL-Geschwindigkeit zu frustrieren - Download-Kunden sind teuer, weil sie ihre Leitungen wirklich ausnutzen. Doch so lange die Provider hier nicht zwischen illegalen Nutzungen, die möglicherweise gegen ihre AGB verstoßen, und legalen unterscheiden können, setzen sie sich einem Klagerisiko durch ihre Kunden aus. Gerade in Hinblick auf die Filehoster ist der Nachweis illegalen Tuns aber kaum zu leisten. Zudem könnten Kunden davon ausgehen, dass sie ihren Provider als DSL-Dienstleister und nicht als Denunzianten bezahlten.

Die Herausforderung, heißt es in einer Presseerklärung von Respect Copyright, liege also darin, "eine Kooperationsvereinbarung mit den Internetserviceprovidern zu erzielen". Im Klartext: Es gibt sie noch nicht, die Lobby sucht bisher nur die öffentliche Diskussion darüber. Nach dem Widerstand der Provider gegen Vorratsdatenspeichung und die umstrittenen Sperrlisten ist kaum zu erwarten, dass diese mit Begeisterung daran gehen werden, ihre DSL-Kunden mit Drosselungen und Mahnungen zu frustrieren.

Abklemmen vom Netz, wie das Hadopi-Gesetz das vorsieht, können sie sie so oder so nicht. Das weiß auch Respect Copyrights: "Sie (die Netz-Trennung, Anm. d. Red.) sollte stets einer staatlichen und im Rechtswege überprüfbaren Entscheidung vorbehalten bleiben und kommt allenfalls nur in Extremfällen in Betracht", heißt es dazu in der Respect-Copyright-Erklärung.

Das klingt nach Einsicht und Milde, ist aber vor allem eines: Geltende Rechtslage.

mit Informationen von ddp

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 45 Beiträge
ose 25.12.2009
Im Artikel zitieren sie die Seite Respect Copyright mit der Aussage "Vollständige aktuelle Kinofilme stehen niemals legal auf Streaming-Seiten, wie etwa YouTube." Dies ist falsch. Youtube stellt auch in Deutschland [...]
Im Artikel zitieren sie die Seite Respect Copyright mit der Aussage "Vollständige aktuelle Kinofilme stehen niemals legal auf Streaming-Seiten, wie etwa YouTube." Dies ist falsch. Youtube stellt auch in Deutschland zahlreiche (meist ältere) Filme legal zum Anschauen bereit (http://www.youtube.com/movies). Auch auf den Webseiten der deutschen Fernsehsender können TV-Sendungen gestreamt werden und in den USA gibt es auf hulu.com ebenfalls Serien und Filme legal als Stream. Für den Benutzer ist damit nicht eindeutig erkennbar, ob eine Streaming-Webseite legal oder illegal ist. Gerade gut gemachte illegale Streaming-Seiten sehen häufig ebenso professionell aus wie die oben genannten legalen Angebote. Wenn aber die Quelle nicht eindeutig als illegal zu erkennen ist, ist die Strafbarkeit für den Benutzer nicht mehr gegeben, die gesamte Argumentation der Rechteinhaberlobby fällt in sich zusammen, eine Internetsperre wäre vermutlich nicht rechtskonform. Es wäre schön, wenn SPON die Argumentation der Rechteinhaber einmal hinterfragt hätte. Ein kurzer Blick auf Youtube hätte geholfen.
justAmoonwalker 25.12.2009
Die sollen sich mal nicht wundern bei so horrormäßigen Preisen! Ich habe vorgestern 11,70 + 1 Euro 3D Brille für den Kino Film Avatar bezahlt! Hallo? Das sind fast 13 Euro, dafür bekomme ich ein Blu-Ray Film den ich mir so oft in [...]
Die sollen sich mal nicht wundern bei so horrormäßigen Preisen! Ich habe vorgestern 11,70 + 1 Euro 3D Brille für den Kino Film Avatar bezahlt! Hallo? Das sind fast 13 Euro, dafür bekomme ich ein Blu-Ray Film den ich mir so oft in HD Qualität angucken kann wie ich will. Das ist doch echt abartig wie viel man heut zu Tage für ein Kino Film bezahlen muss -.- (Man vergesse ja nicht die 1Liter Cola für 4.50 und das Poppkorn für 3 Euro, sprich 20,20 Euro!)
stordyr 25.12.2009
Die Provider sollten sich vorsehen, mit wem sie da Geschäfte machen und in welcher Form sie Datenschutzrelevantes Territorium betreten. Filehoster z.B. zu überwachen dürfte nur mit deep packet scanning gehen, denn diese [...]
Zitat von sysopDie Filmbranche sieht ihr Geschäftsmodell zunehmend durch Streamingdienste und Filehoster gefährdet. Jetzt trommelt die Brancheninitiative Respect Copyrights für eine privatwirtschaftliche Variante der Three-Strikes-Politik. Provider sollen gegen ihre Kunden disziplinierend tätig werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668359,00.html
Die Provider sollten sich vorsehen, mit wem sie da Geschäfte machen und in welcher Form sie Datenschutzrelevantes Territorium betreten. Filehoster z.B. zu überwachen dürfte nur mit deep packet scanning gehen, denn diese onlinefestplatten sind nicht per definition nur mit urheberrechtlich geschütztem Kram belegt. Wer keinen FTP-Server hat, kann grössere Datenmengen dort auch so bequem hochladen und weitergeben (z.B. Urlaubsvideos usw.) Ich wage einfach mal zu behaupten, dass der Zugriff auf solche FIles eine gewisse Problematik hätte. Streaming kann ich schwer beurteilen... Abgesehen davon sieht sich die filmindustrie immer durch alles bedroht. Diese arme arme Film- und Musikindustrie. Ich behaupte ja immernoch, dass Leute, die sich zeug des Runterladens runterladen, das ohnehin nicht kaufen würden und leute, die's runterladen, weil sie nicht auf die DVD warten wollen, sich die DVD ohnehin kaufen würden, wenn sie denn rauskommt. Bei Musik kann ich's garnicht sagen. Einzelne Titel kauft man inzwischen online für'n Appel und'n Ei. Alben mit 90% Schrott und remixes von einstigen Hits oder FLops (wobei letzteres scheinbar auch zunimmt), kauft man ohnehin nicht. Ich denke, Qualität setzt sich beim Kauf durch, wenn der Preis stimmt. Onlinekäufe nehmen weltweit zu und das mit Recht. Wer vor diesem Hintergrund dann über sinkende Verkäufe der Hardcopy jammert hat 1. den Begriff Nachfrage nicht verstanden und kann 2. den Hals scheinbar nicht voll kriegen.
BerndTaunusstein 25.12.2009
Danke Frank Patalong, einer der wenigen, der sachlich fundiert und untendenziös bei SPON berichtet! Natürlich ist der GVU klar, dass eine solche Überwachung ohne Grundrechtseingriffe nicht geht. Die Provider, ausgenommen [...]
Zitat von sysopDie Filmbranche sieht ihr Geschäftsmodell zunehmend durch Streamingdienste und Filehoster gefährdet. Jetzt trommelt die Brancheninitiative Respect Copyrights für eine privatwirtschaftliche Variante der Three-Strikes-Politik. Provider sollen gegen ihre Kunden disziplinierend tätig werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668359,00.html
Danke Frank Patalong, einer der wenigen, der sachlich fundiert und untendenziös bei SPON berichtet! Natürlich ist der GVU klar, dass eine solche Überwachung ohne Grundrechtseingriffe nicht geht. Die Provider, ausgenommen vieleicht die, die UvdL schon vorsorglich die Schuhsohlen geleckt haben, werden sich hüten , noch einmal auf solche "Vorschläge" einzugehen. Dass die "Rechteinhaber" sehr viel mehr Vorsicht werden walten lassen, haben wir den engagierten Netzaktivisten zu verdanken, die mit aller Macht dafür gekämpft haben, dass in unserem noch-freien Internet keine Einschränkungen greifen. Danke auch ihnen! Die nächste Baustelle ist die EU-Telecom-Verordnung. Alle sind aufgerufen, hier mitzumachen und Unfug zu verhindern. Leider ist es ja so, dass wir im Krieg mit unserer eigenen Regierung sind und uns verfassungswidrig eine verfassungswidrige EU übergestülpt wurde, deren einziger Zweck es ist, Bürger- und Menschenrechte auszuhebeln. Auch dieser Dreck muss verschwinden!
stordyr 25.12.2009
da waren sie ja noch günstig dabei ;) Also beim Food. Das is übrigens der einzige bEreich, in dem die Kinos noch Geld verdienen. Die Verleihpreise der Blockbuster sind inzwischen derartig hoch, dass die Kinos die Preise für [...]
Zitat von justAmoonwalkerDie sollen sich mal nicht wundern bei so horrormäßigen Preisen! Ich habe vorgestern 11,70 + 1 Euro 3D Brille für den Kino Film Avatar bezahlt! Hallo? Das sind fast 13 Euro, dafür bekomme ich ein Blu-Ray Film den ich mir so oft in HD Qualität angucken kann wie ich will. Das ist doch echt abartig wie viel man heut zu Tage für ein Kino Film bezahlen muss -.- (Man vergesse ja nicht die 1Liter Cola für 4.50 und das Poppkorn für 3 Euro, sprich 20,20 Euro!)
da waren sie ja noch günstig dabei ;) Also beim Food. Das is übrigens der einzige bEreich, in dem die Kinos noch Geld verdienen. Die Verleihpreise der Blockbuster sind inzwischen derartig hoch, dass die Kinos die Preise für Food und stuff so hoch packen müssen, um zu existieren. Krass oder? :) Deswegen gehe ich btw. nur noch in kleine Regionalkinos. Dort sind die eintrittspreise zwar ähnlich hoch, aber das Popcorn is frisch und die GEtränke noch erschwinglich.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Netzpolitik
alles zum Thema Copyrights

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP