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Entertainmentbranche: Copyright-Lobby nimmt Streaming aufs Korn

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Die Filmbranche sieht ihr Geschäftsmodell zunehmend durch Streaming-Dienste und Filehoster gefährdet. Jetzt trommelt die Brancheninitiative Respect Copyrights für eine privatwirtschaftliche Variante der Three-Strikes-Politik. Provider sollen gegen ihre Kunden disziplinierend tätig werden.

Längst im Netz: James Cameron Hightech-Epos - allerdings in mieser Qualität Zur Großansicht
20th Century Fox

Längst im Netz: James Cameron Hightech-Epos - allerdings in mieser Qualität

Natürlich hat es nicht lang gedauert: Knapp eine Woche nach dem Filmstart begann James Camerons monumentales Epos Avatar, sich im Netz zu verbreiten. Es gibt zahlreiche eMule- und Bittorent-Tracker, die eine knapp 400 Pixel breite, mit einer Handkamera mitgefilmte Version in erbärmlicher Qualität vorhalten. Der gleiche "Cam"-Mitschnitt flackert über die Web-Seiten von mindestens 47 von 50 Streaming-Portalen, die wir gezielt daraufhin überprüften. Manche von diesen bieten ihren Besuchern Direktlinks zu Filehostern, wo man die Datei herunterladen kann.

Und doch ist es unwahrscheinlich, dass so etwas für James Cameron nennenswerte Verdienstausfälle bedeutet: Wahrscheinlicher ist es, dass es in diesem Fall wie ein Appetizer wirkt, werblich Hunger macht auf eine Vorführung, die man wirklich genießen kann. Denn Cam-Raubkopien sind wirklich nur für die hartnäckigsten und geizigsten Fans erträglich. Man schaut für ein paar Minuten hinein und entscheidet dann, ob man den Film in guter Qualität sehen will oder nicht. Dass sie überhaupt im Netz erscheinen, hat mehr sportliche Gründe: Die sogenannten Release Groups liefern sich einen Wettlauf darum, wer als erstes eine auch nur einigermaßen brauchbare Raubkopie veröffentlicht.

So manche "Film vorab im Netz"-Meldung klingt also schlimmer, als sie ist. Ein Grund für Entwarnung ist das aber absolut nicht: Spätestens, wenn die erste sogenannte R5-Version in nahezu HD-Qualität über das Netz geht, wird die digitale Raubkopie zu einem Faktor, der an den Umsätzen kratzt und gräbt. Es wird auch bei Avatar geschehen, irgendwann bevor die DVD auf den Markt kommt. Denn das ist die Regel: Die Release Groups sind immer schneller als der legale Vertrieb.

Trotzdem hat die Film- und TV-Branche die Streaming-Portale und Filehoster seit einigen Jahren hartnäckig ignoriert.

Branche entdeckt Streaming

Sie konzentrierte ihren Kampf gegen unlizenzierte Vervielfältigung auf schwarz gebrannte DVDs und die P2P-Börsen. Inzwischen, sagt die Branchen-Lobbygruppe Respect Copyrights, geschähen rund 90 Prozent aller Urheberrechtsverletzungen im Bereich Film über das Internet. Fast ist man überrascht, dass das so wenig ist.

Knapp 53 Prozent des gesamten Datenverkehrs, verbreiteten in diesen Tagen die Piratenjäger von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU), entfielen hierzulande auf irgendwelche Streams und Downloads. Das wäre ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, aber ein Rückgang gegenüber der Hochzeit der P2P-Börsen. Denn diese, die einst bis über 60 Prozent des Datenverkehrs verbuchen konnten, haben für viele Internetnutzer längst ausgedient: Seit Jahren sind es vor allem die Streamingseiten (Anteil am Datenverkehr: sieben Prozent) und Filehoster wie Rapidshare (Anteil am Datenverkehr: alle zusammen ca. 10 Prozent) , über die sich deutsche Cine- und TV-Fans mit frischem Stoff versorgen - nicht zuletzt, weil zumindest im Hinblick auf die Stream-Dienste die Rechtslage durchaus nicht so klar ist, wie GVU und Respect Copyrights Glauben machen wollen.

Denn Streams ähneln Radio, ob sie eine nutzbare Kopie generieren, ist Stoff für Debatten. Zumindest unter normalen Umständen, denn natürlich gibt es Werkzeuge und Methoden, um Streams als Dateien zu sichern: Wenn man so etwas einsetzt, leistet man sich möglicherweise einen Download aus klar illegaler Quelle, was einen Verstoß gegen das Urheberrecht bedeutet.

Für die Filmlobby ist es dagegen eine klare Sache, dass das sogar grundsätzlich immer gilt, wie einem Statement auf der Webseite von Respect Copyright zu entnehmen ist: "Vollständige aktuelle Kinofilme stehen niemals legal auf Streaming-Seiten, wie etwa YouTube. Wenn man sich so ein illegales Streaming-Angebot anschaut, begeht man eine Straftat, da aufgrund der Technik beim Streamen eine Zwischenspeicherung auf dem eigenen Rechner durchgeführt und damit rechtlich gesehen eine Raubkopie erzeugt wird."

Noch ist Streaming eine Grauzone

Das kommt darauf an, denn viele Streams puffern nur wenige Megabyte, um Wackler im Datenstrom auszugleichen. Doch selbst wenn es im Puffer zu einer temporären Kopie kommt: Vor Gericht dürfte die Frage, ob eine Kopie auch dann noch eine ist, wenn man gar nicht an sie herankommt und diese sich am Ende auch noch selbst löscht, für reichlich Unsicherheiten sorgen. Ob das der Grund ist, dass es entsprechende Klagen und Prozesse noch nicht gegeben hat?

Während die Zurverfügungstellung einer Raubkopie ohne jeden Zweifel einen Straftatbestand darstellt, ist das bloße Ansehen weit schwerer zu fassen. Zeitweilig empfahlen Schulpolitiker in Deutschland Schülern die Nutzung von Streaming-Diensten statt P2P-Börsen, um einen Rechtsbruch zu vermeiden. Ein Programm zum Mitschnitt von Internetradio wurde zeitweilig in Kooperation mit einer Kultusbehörde vertrieben. Inzwischen herrscht da jedoch Unsicherheit, Musik- wie Filmlobby drängen auf eine rechtliche Klarstellung.

"Illegale Streaming-Angebote, wie sie zum Beispiel auf kino.to zur Verfügung stehen, stellen ein großes Problem dar, da immer mehr Nutzer auf solche Angebote zurückgreifen", weiß auch Jan Oesterlin, Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH und Initiator der Kampagne Respect Copyrights. "Als Grund wird zum Beispiel häufiger angeführt, dass User nicht wissen, dass auch das Streamen von Filmen aus einer illegalen Quelle verboten ist. Ein anderer genannter Grund ist, dass manche Internetnutzer aus Angst vor zivilrechtlichen Abmahnungen bei der illegalen Nutzung von Tauschbörsen auf Streaming-Angebote ausweichen", so Oesterlin weiter: "Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, bei der Bekämpfung von Raubkopien alle illegalen Verbreitungswege im Internet zu berücksichtigen."

Jugendliche wissen in der Regel wirklich genau, wo sie ihre frische Film- und TV-Kost bekommen: Sie sehen ihre Lieblingsserien lieber "on demand" als nach Programmschema, echte Serienjunkies dazu vorzugsweise im Original. Das alles ist den Lizenzinhabern von TV- und Filmrechten, die entsprechende Dinge nicht anbieten, natürlich ein Dorn im Auge.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
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1. Streaming nicht immer illegal
ose 25.12.2009
Im Artikel zitieren sie die Seite Respect Copyright mit der Aussage "Vollständige aktuelle Kinofilme stehen niemals legal auf Streaming-Seiten, wie etwa YouTube." Dies ist falsch. Youtube stellt auch in Deutschland zahlreiche (meist ältere) Filme legal zum Anschauen bereit (http://www.youtube.com/movies). Auch auf den Webseiten der deutschen Fernsehsender können TV-Sendungen gestreamt werden und in den USA gibt es auf hulu.com ebenfalls Serien und Filme legal als Stream. Für den Benutzer ist damit nicht eindeutig erkennbar, ob eine Streaming-Webseite legal oder illegal ist. Gerade gut gemachte illegale Streaming-Seiten sehen häufig ebenso professionell aus wie die oben genannten legalen Angebote. Wenn aber die Quelle nicht eindeutig als illegal zu erkennen ist, ist die Strafbarkeit für den Benutzer nicht mehr gegeben, die gesamte Argumentation der Rechteinhaberlobby fällt in sich zusammen, eine Internetsperre wäre vermutlich nicht rechtskonform. Es wäre schön, wenn SPON die Argumentation der Rechteinhaber einmal hinterfragt hätte. Ein kurzer Blick auf Youtube hätte geholfen.
2. Erst mal an die eigene Nase fassen
justAmoonwalker 25.12.2009
Die sollen sich mal nicht wundern bei so horrormäßigen Preisen! Ich habe vorgestern 11,70 + 1 Euro 3D Brille für den Kino Film Avatar bezahlt! Hallo? Das sind fast 13 Euro, dafür bekomme ich ein Blu-Ray Film den ich mir so oft in HD Qualität angucken kann wie ich will. Das ist doch echt abartig wie viel man heut zu Tage für ein Kino Film bezahlen muss -.- (Man vergesse ja nicht die 1Liter Cola für 4.50 und das Poppkorn für 3 Euro, sprich 20,20 Euro!)
3. pft
stordyr 25.12.2009
Zitat von sysopDie Filmbranche sieht ihr Geschäftsmodell zunehmend durch Streamingdienste und Filehoster gefährdet. Jetzt trommelt die Brancheninitiative Respect Copyrights für eine privatwirtschaftliche Variante der Three-Strikes-Politik. Provider sollen gegen ihre Kunden disziplinierend tätig werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668359,00.html
Die Provider sollten sich vorsehen, mit wem sie da Geschäfte machen und in welcher Form sie Datenschutzrelevantes Territorium betreten. Filehoster z.B. zu überwachen dürfte nur mit deep packet scanning gehen, denn diese onlinefestplatten sind nicht per definition nur mit urheberrechtlich geschütztem Kram belegt. Wer keinen FTP-Server hat, kann grössere Datenmengen dort auch so bequem hochladen und weitergeben (z.B. Urlaubsvideos usw.) Ich wage einfach mal zu behaupten, dass der Zugriff auf solche FIles eine gewisse Problematik hätte. Streaming kann ich schwer beurteilen... Abgesehen davon sieht sich die filmindustrie immer durch alles bedroht. Diese arme arme Film- und Musikindustrie. Ich behaupte ja immernoch, dass Leute, die sich zeug des Runterladens runterladen, das ohnehin nicht kaufen würden und leute, die's runterladen, weil sie nicht auf die DVD warten wollen, sich die DVD ohnehin kaufen würden, wenn sie denn rauskommt. Bei Musik kann ich's garnicht sagen. Einzelne Titel kauft man inzwischen online für'n Appel und'n Ei. Alben mit 90% Schrott und remixes von einstigen Hits oder FLops (wobei letzteres scheinbar auch zunimmt), kauft man ohnehin nicht. Ich denke, Qualität setzt sich beim Kauf durch, wenn der Preis stimmt. Onlinekäufe nehmen weltweit zu und das mit Recht. Wer vor diesem Hintergrund dann über sinkende Verkäufe der Hardcopy jammert hat 1. den Begriff Nachfrage nicht verstanden und kann 2. den Hals scheinbar nicht voll kriegen.
4. teuer
stordyr 25.12.2009
Zitat von justAmoonwalkerDie sollen sich mal nicht wundern bei so horrormäßigen Preisen! Ich habe vorgestern 11,70 + 1 Euro 3D Brille für den Kino Film Avatar bezahlt! Hallo? Das sind fast 13 Euro, dafür bekomme ich ein Blu-Ray Film den ich mir so oft in HD Qualität angucken kann wie ich will. Das ist doch echt abartig wie viel man heut zu Tage für ein Kino Film bezahlen muss -.- (Man vergesse ja nicht die 1Liter Cola für 4.50 und das Poppkorn für 3 Euro, sprich 20,20 Euro!)
da waren sie ja noch günstig dabei ;) Also beim Food. Das is übrigens der einzige bEreich, in dem die Kinos noch Geld verdienen. Die Verleihpreise der Blockbuster sind inzwischen derartig hoch, dass die Kinos die Preise für Food und stuff so hoch packen müssen, um zu existieren. Krass oder? :) Deswegen gehe ich btw. nur noch in kleine Regionalkinos. Dort sind die eintrittspreise zwar ähnlich hoch, aber das Popcorn is frisch und die GEtränke noch erschwinglich.
5. asldkjs
BerndTaunusstein, 25.12.2009
Zitat von sysopDie Filmbranche sieht ihr Geschäftsmodell zunehmend durch Streamingdienste und Filehoster gefährdet. Jetzt trommelt die Brancheninitiative Respect Copyrights für eine privatwirtschaftliche Variante der Three-Strikes-Politik. Provider sollen gegen ihre Kunden disziplinierend tätig werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,668359,00.html
Danke Frank Patalong, einer der wenigen, der sachlich fundiert und untendenziös bei SPON berichtet! Natürlich ist der GVU klar, dass eine solche Überwachung ohne Grundrechtseingriffe nicht geht. Die Provider, ausgenommen vieleicht die, die UvdL schon vorsorglich die Schuhsohlen geleckt haben, werden sich hüten , noch einmal auf solche "Vorschläge" einzugehen. Dass die "Rechteinhaber" sehr viel mehr Vorsicht werden walten lassen, haben wir den engagierten Netzaktivisten zu verdanken, die mit aller Macht dafür gekämpft haben, dass in unserem noch-freien Internet keine Einschränkungen greifen. Danke auch ihnen! Die nächste Baustelle ist die EU-Telecom-Verordnung. Alle sind aufgerufen, hier mitzumachen und Unfug zu verhindern. Leider ist es ja so, dass wir im Krieg mit unserer eigenen Regierung sind und uns verfassungswidrig eine verfassungswidrige EU übergestülpt wurde, deren einziger Zweck es ist, Bürger- und Menschenrechte auszuhebeln. Auch dieser Dreck muss verschwinden!
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