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Enthüllungsportal: Anonymous stellt Rechte an den Web-Pranger

Namen, Adressen, Telefonnummern: Auf einem Enthüllungsportal veröffentlicht Anonymous jetzt unter anderem Daten von angeblichen NPD-Unterstützern und Kunden rechter Versandhäuser. Zwar sind nicht alle Informationen neu, doch nun sind sie erstmals komplett abrufbar.

Web-Guerilla Anonymous: Machen im Web Jagd auf Rechte Zur Großansicht
dapd

Web-Guerilla Anonymous: Machen im Web Jagd auf Rechte

Berlin/Hamburg - Anhänger des Web-Kollektivs Anonymous haben es auf die rechte Szene und ihre mutmaßlichen Sympathisanten abgesehen. Unter dem Namen "Operation Blitzkrieg" wurden schon mehrfach Neonazi-Websites blockiert oder gehackt. Nun haben die Unbekannten ein Internetportal in Betrieb genommen, auf dem sie persönliche Daten über angebliche Unterstützer der rechten Szene veröffentlichen - ein öffentlicher Web-Pranger.

Zur Zeit sind auf dem Portal mehrere Adresslisten einsehbar. Darunter von NPD-Spendern sowie Kundendaten von Versendern rechtsextremer Mode wie Nationales Versandhaus, Odin Versand und Thor Steinar. Außerdem eine Autorenliste der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit". Der Umfang der Listen ist dabei sehr unterschiedlich. Mal enthalten sie nur Namen und E-Mail-Adressen, mal komplette Datensätze inklusive Adressen und Telefonnummern.

Weil einige Namen doppelt in verschiedenen Listen auftauchen, lassen sich die Datensätze einiger Personen per Kreuzreferenz stückweise komplettieren. Zudem tauchen teils auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens darin auf. In der Autorenliste der "Junge Freiheit" etwa wird auch ein bekannter Journalist, der als Korrespondent für ARD und ZDF arbeitete, samt persönlicher Daten aufgeführt.

Viel altes Material

Neu sind viele auf dem Portal veröffentlichten Daten allerdings nicht. Aber daraus machen die Betreiber der Seite auch keinen Hehl. So stammen etwa die Thor-Steinar-Kundendaten aus einem Hackerangriff von 2009. Ein Teil der nun gesammelt veröffentlichten Informationen scheint aber erst nach dem Start der Seite am 23. Dezember erbeutet worden zu sein. Die Betreiber hatten damals ihre Unterstützer zur Mithilfe aufgerufen.

Diesem Aufruf scheinen zumindest einige Teilnehmer des Chaos Communication Congress (28C3) gefolgt zu sein, der vom 27. bis zum 30. Dezember in Berlin stattfand. Mehrere rechtsextreme Websites wurden lahmgelegt und dabei wurde wohl auch in Server eingebrochen. Die neueren Datensätze jedenfalls sind überwiegend auf den 27. Dezember datiert.

Die "Operation Blitzkrieg" erklärte sich unterdessen verantwortlich für weitere Website-Blockaden von Sonntag und Montagvormittag. Das Altermedia-Forum, der DS-Versand und die "Deutsche Stimme" waren zeitweise nicht erreichbar, auf Twitter finden sich entsprechende Aufrufe eines Nutzers namens "Anonymous Anarchists".

In der rechtsextremen Szene herrschte nun Verunsicherung. "Operation Blitzkrieg hat wieder einmal zugeschlagen", hieß es etwa von einem anonymen Nutzer im Forum von "Thiazi", worauf ein anderer entgegnete: "Da werden noch ein paar folgen, fürchte ich." Teilweise wurde dazu aufgerufen, die von Anonymous veröffentlichten Listen nach Bekannten zu durchforsten, um diese sodann gegen die Hacker aufzuhetzen.

Der rechtsextremen Szene kommen regelmäßig interne Daten abhanden; mehrfach wurden in der Vergangenheit Tausende E-Mails der NPD veröffentlicht. Im Rahmen der "Operation Blitzkrieg" war im August eine Liste mit Nutzern der Neonazi-Website Blood and Honour ins Netz gestellt worden.

mak

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insgesamt 149 Beiträge
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    Seite 1    
1. Frechheit
omega84 02.01.2012
Zitat von sysopNamen, Adressen, Telefonnummern: Auf einem Enthüllungsportal veröffentlicht Anonymous jetzt unter anderem Daten von NPD-Unterstützern und Kunden rechter Versandhäuser. Zwar sind nicht alle Informationen neu, doch nun sind erstmals komplett abrufbar. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,806649,00.html
Es ist eine absolute Frechheit zu behaupten, dass vom Kongress des CCC aus irgendetwas gehackt wurde. Woher hat der Spiegel diese Information? Oder wurde das einfach mal miteinander assoziiert, so nach dem Motto: DDoS-Attacken, während irgendwo ein Hacker-Kongress stattfindet, dass MUSS ja quasi miteinander zu tun haben!!1
2. Politischer Affentanz
Umbriel 02.01.2012
Wenn nun bald "Anonymous" Linke an den "Web Pranger" stellt, dann weiß der Leser., daß dieses "Anonymous" keine Splittergruppe des NRW Verfassungsschutzes ist?
3. Awww...
Stelzi 02.01.2012
Ich hole gleich mal die kleinste Violine der Welt aus dem Keller und spiele ein tauriges Liedchen für die Braunen...
4. Forum wählen Zurück Kommentar zum Thema: Enthüllungsportal: Anonymous*stellt Rech
sunhaq 02.01.2012
Zitat von UmbrielWenn nun bald "Anonymous" Linke an den "Web Pranger" stellt, dann weiß der Leser., daß dieses "Anonymous" keine Splittergruppe des NRW Verfassungsschutzes ist?
Warum sollte Anonymous "Links" sein? Gegen rechtsextreme Menschenhasser zu sein, dürfte selbst bei CDU oder CSU-Wählern auf Zustimmung stossen. Oder ist für Sie alles "links", was nicht NPD/DVU wählt?
5. ...
rufus008 02.01.2012
Zitat von sysopNamen, Adressen, Telefonnummern: Auf einem Enthüllungsportal veröffentlicht Anonymous jetzt unter anderem Daten von NPD-Unterstützern und Kunden rechter Versandhäuser. Zwar sind nicht alle Informationen neu, doch nun sind erstmals komplett abrufbar. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,806649,00.html
Auf vergleichbare Art und Weise setzen auch totalitäre Regime oppositionelle Kräfte und deren Unterstützer unter Druck. Womit endgültig klar wäre, was von "Anonymus" zu halten ist.
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Anonymous: Die Maske des Protests
Die Web-Guerilla Anonymous
Die Namenlosen
Anonymous ist eine lose Gruppierung, die ihren Ursprung einst im anarchischen Bilderforum 4Chan hatte. Zunächst konzentrierten sich Aktivisten auf Aktionen gegen Scientology. Inzwischen werden DDoS-Attacken, bei denen Websites durch massenhafte Anfragen überlastet werden, gegen eine Vielzahl von Zielen durchgeführt. Die Gruppe erklärte sich solidarisch mit den Aufständischen in Ägypten, Libyen, Syrien und anderswo, sie verteidigt WikiLeaks und bekämpft die Branchenverbände der Musik- und Filmbranche. Freie Information und das Recht auf Anonymität gehören zu den wenigen geteilten Zielen der zahlreichen Netznutzer weltweit, die sich zu Anonymous zählen.
Masken und Anzüge
Die Maske kommt aus Alan Moores Kultcomic "V wie Vendetta" und steht dort als Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung, Überwachung und Zensur: Man erkennt die Gruppenzugehörigkeit, nicht aber den anynomen Träger. Angelehnt ist die Maske an Guy Fawkers, einen englischen Offizier, der 1605 den König und das Parlament in die Luft sprengen wollte, um die Verfolgung der Katholiken anzuprangern. Der Mann im Anzug ohne Kopf, das Logo der Bewegung, steht für eine Organisation ohne Anführer: Jeder kann Anonymous sein. Eine Vielzahl von Websites und Foren, Social-Network-Profilen und YouTube-Angeboten propagiert die Grundideen und -ziele der Bewegung.
Dauerfeuer aus Ionenkanonen
Anonymous setzt häufig auf Distributed-Denial-of-Service- oder kurz DDoS-Attacken. Darunter versteht man Angriffe über das Internet, bei der eine Vielzahl von Rechnern für so massenhafte Seitenaufrufe sorgt, dass die angegriffenen Server mit der Überlast nicht mehr fertig werden und kollabieren. Meist sind sie Stunden später aber wieder am Netz. Die "Niederorbit-Ionenkanone" ist ein Tool, das DDoS-Attacken für jedermann ermöglicht - und den freiwilligen Anschluss an ein Botnetz. Klingt cool, ist bei Einsatz aber kriminell. Anonymous hat mehrere zehntausend dieser DDoS-Tools für sogenannte Raids in Umlauf gebracht.
Anonymous gegen Scientology
Anlass zur Gründung der Bewegung waren 2008 Versuche von Scientologen, das Internet zensieren zu lassen: Ein ganz besonders wirres Video, in dem der Schauspieler Tom Cruise über Scientology redet, sollte aus dem Web entfernt werden. In den Foren einiger Imageboards (vor allem 4Chan, wo alle Teilnehmer Anonymous heißen) wurde daraufhin eine DDoS-Attacke verabredet. Seitdem protestiert ein "Arm" von Anonymous regelmäßig, auch ganz in echt auf der Straße, gegen Scientology.
Unterstützung für WikiLeaks
Bekannt wurde Anonymous durch Blockade-Angriffe auf Mastercard und Visa, die "Operation Payback". Die Finanzdienstleister hatte der Enthüllungsplattform WikiLeaks die Unterstütung entzogen. Später startete Anonymous "Operation Leakspin", eine Crowdsourcing-Initiative, um die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente nach interessanten Geschichten zu durchsuchen. Sympathisanten sollen ihre Energie darin investieren, Enthüllungen in "bürgerjounalistischer" Aufmachung auf allen denkbaren Kanälen so weit wie möglich zu verbreiten.
Anonymous und Sony
Sony möchte nicht, dass die Nutzer der Playstation auf der Spielkonsole eigene Software laufen lassen. Der Hacker GeoHot veröffentlichte eine Anleitung, wie es trotzdem geht - und bekam deshalb juristischen Ärger. Anonymous blies als Reaktion Mitte April zum DDoS-Angriff, zur "Operation Sony". Unbekannte stahlen parallel mehr als hundert Millionen Nutzerdaten des Playstation-Networks, weitere Hacker-Angriffe folgten - und Sony verdächtigt Anonymous, beschuldigt die Gruppe der Mittäterschaft.
Im Visier der Ermittler
Die Website-Blockaden provozieren staatliche Gegenwehr: Das FBI ermittelt, Anfang des Jahres wurden Wohnungen durchsucht und Verdächtige festgenommen. In Deutschland durchsuchten Ermittler im Mai, mitten im Wahlkampf, Server der Piratenpartei: Auf einer offenen Plattform soll, ohne Wissen der Partei, ein DDoS-Angriff geplant worden sein. Im Juni nahm die Polizei in Spanien drei mutmaßliche Anonymous-Mitglieder fest, mehr als zwei Millionen Chat-Protokolle sollen ausgewertet worden sein. Auch das Militärbündnis Nato, das sich für den Cyber-War rüstet, hat Anonymous im Visier.

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Chaos Computer Club: Anonymous irritiert die Hacker


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