Buch "The New Digital Age": Google-Männer wollen die Welt retten

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Was passiert, wenn zwei Google-Manager gemeinsam ein Buch schreiben? Eric Schmidt und Jared Cohen wollen in ihrem Gemeinschaftswerk "Die Vernetzung der Welt" erklären, wie das Digitale unser Leben verändert. Dabei aber blenden sie einen zentralen Faktor weitgehend aus: Google selbst.

Eric Schmidt: Der Google-Manager hält Google für gut und hat darüber ein Buch geschrieben Zur Großansicht
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Eric Schmidt: Der Google-Manager hält Google für gut und hat darüber ein Buch geschrieben

Zwei Milliarden Menschen haben Zugang zum Internet - und in den nächsten Jahren kommen fünf Milliarden dazu, vor allem über mobile Geräte. Wir würden in der rasantesten und spannendsten Zeit in der Geschichte der Menschheit leben, schreiben Google-Manager Eric Schmidt und der Google-Mitarbeiter Jared Cohen in ihrem Buch "Die Vernetzung der Welt" (die deutsche Version erscheint am 2. Mai bei Rowohlt). Im Original klingt der Titel dann auch weniger nach Kabelverlegen und historischem Roman, mehr nach Umbruch: "The New Digital Age", das neue digitale Zeitalter.

Zuerst die gute Nachricht: Computer werden uns laut Schmidt und Cohen lästige Alltagsaufgaben abnehmen. Die Waschmaschine wird wissen, welche Kleidung gerade sauber im Schrank liegt, im Kalender nachschauen und ein passendes Outfit für den Tag vorschlagen.

Wichtiger sind den Autoren aber jene fünf Milliarden Menschen, die in Entwicklungsländern und autoritären Regimen leben und nun binnen kurzer Zeit mit Hilfe von Mobiltelefonen Zugang zum Netz finden werden. Schmidt und Cohen sagen weitere Umstürze voraus, selbst der chinesischen Führung werde die Kontrolle über ihre Bürger entgleiten.

Starkes Rechtssystem, starke Zivilgesellschaft

Die Vernetzung sei nicht aufzuhalten: Einerseits werde kein Land seine Bürger offline halten können. Andererseits würden Staaten versuchen, vom übrigen Internet getrennte Bereiche zu schaffen, nach ihren eigenen Regeln. Ob es künftig weiter ein Internet gebe oder viele, staatlich kontrollierte Netze, werde sich in den kommenden Jahren entscheiden. Autoritäre Staaten würden sich dabei die neuen Möglichkeiten zur Überwachung ihrer Bürger nicht entgehen lassen. Als Ausweg aus der digitalen Tyrannei empfehlen die beiden ein starkes Rechtssystem und eine wachsame Zivilgesellschaft.

Künftig, prophezeien sie, werde die Online-Identität eines Menschen aus einer Vielzahl von Profilen bestehen, einige davon staatlich verifiziert. Staaten würden dazu übergehen, Datenbanken mit verdächtigen Offlinern anzulegen, die dann etwa bei einem Grenzübertritt besonders kontrolliert würden. Alle anderen haben ja Datenspuren, die sich automatisch auswerten lassen.

Vor allem an biometrischen Daten seien Staaten interessiert, riesige, vernetzte Datenbanken würden entstehen. Die Gesichtserkennung werde es Ermittlern einfacher machen. Mit der Fotofunktion seines Smartphones könne bald jeder Verbrecher suchen und eine Belohnung kassieren. Schmidt und Cohen wollen so Kriegsverbrecher von der Uno finden lassen. Was sie nicht schreiben: Genau so könnte Googles Datenbrille auch ein Gesicht erkennen und einblenden, wie viel die Polizei (oder ein Gangster) für einen Tipp zahlen würde.

Sorge vor selbstgebauten Drohnen

Schmidt und Cohen warnen vor unbemannten Flugobjekten aus dem Spielzeugladen, die mit Hilfe von Anleitungen aus dem Netz zu ferngesteuerten Bomben werden. Sie schlagen vor, die Verbreitung der Drohnentechnik über internationale Abkommen zu reglementieren. Doch letztlich, schreiben sie, treffe bei militärischen Drohnen immer noch ein Mensch die Entscheidung zum tödlichen Angriff - und die Angreifer müssten sich nicht in Gefahr begeben.

Allzu weit in die Zukunft blicken die beiden nicht. Sie stellen nicht die ganz großen Fragen nach Staatlichkeit und der Rolle von Konzernen, sondern beschreiben nur den nächsten Schritt längst begonnener Entwicklungen. Wie werden Staaten mit den Milliarden neuen Nutzern und dem damit einhergehenden Kontrollverlust umgehen?

Wenig überraschend sind die Passagen zum Cyber-Terrorismus: Mit wenig Aufwand könnten Hacker großen Schaden anrichten. Dabei sei nur schwer zu unterscheiden zwischen Anonymous-Aktivisten, kriminellen Hackern und Cyber-Soldaten. Künftig würden angehende Kämpfer nicht in Terror-Camps nach Afghanistan und Pakistan reisen, sondern umgekehrt in Richtung Europa und USA, um dort das Hacken zu lernen. Diese Analyse ist nicht neu.

Nur mal schnell die Welt retten

Ähnlich bekannt sind die Ideen zum Datenschutz: Bisher verstehe kaum ein Politiker die Auswirkungen des Internets. Der Kampf für Privatsphäre sei zwar wichtig, aber so gut wie hoffnungslos. Ein bisschen Regulierung ja, aber bitte für die Nutzung, nicht für die Speicherung: Schmidt und sein Co-Autor können sich Regeln vorstellen, nach denen beispielsweise Firmen bei der Einstellung von Mitarbeitern keine Daten aus dem Internet verwenden dürfen, die vor dem 18. Lebensjahr des Bewerbers angefallen sind.

Passagenweise ist das Buch durchaus lesenswert - besonders dort, wo es um die Veränderungen in verschiedenen Weltregionen geht. Welche Auswirkungen die digitale Revolution in Asien, Afrika und Lateinamerika hat, schildern Cohen und Schmidt mit konkreten Beispielen und leicht nachvollziehbar.

Googles eigene Rolle aber reflektieren die Autoren nicht sehr kontrovers. Die Technologie an sich betrachten sie als vollkommen neutral. Für Konzerne wie ihren sei es daher einfacher als für Staaten, in internationale Konflikte einzugreifen - mit Internetaufbauhilfe zum Beispiel.

Die beiden Manager stellen es sehr einfach dar: Firmen sorgen für Vernetzung und technische Plattformen, die Bürger nutzen diese Technik, und dadurch wird die Welt transparenter, freier, besser. Dass es nicht ganz leicht ist, das Richtige zu tun, zeigt das widersprüchliche Verhalten des Konzerns selbst - beim Sperren von Videos, Suchergebnissen und Zensurwarnungen etwa.

Das Buch der Google-Manager dokumentiert: Das gesamte Wissen dieser Welt zu organisieren und zugänglich zu machen, reicht dem Konzern offenbar nicht mehr. Geht es nach Schmidt und Cohen, haben Unternehmen wie Google heute auch die Aufgabe, die Welt zu retten.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Vom Regen in die Traufe
mwinter 28.04.2013
Wenn die Entwicklung, wie sich abzeichnet, dahin geht, dass unser Leben statt von einer Staatsdiktatur von vielen "kleinen" Konzerndiktaturen wie Google beherrscht wird, die unser digitales Leben bestimmen und alle Details kennen, sehe ich nicht, worin der Fortschritt liegt. Sicherlich keine rosige Utopie der Zukunft.
2. Google ist für alle da
rhodensteiner 28.04.2013
Wenn man so liest, dass in Deutschland von der Telekom geplant wird, den Internetzugang zu begrenzen und nur für zahlungskräftige Kunden noch unbegrenzt zu ermöglichen, dann muss man über Konzerne wie Google schon sehr froh sein, die sich Gedanken über Gegenwart und Zukunft machen und denen etwas an Weiterentwicklung und Netzausbau liegt und die nicht nur bis zur nächsten Gewinnausschüttung denken, wie die Telekom u.a. Unternehmen von gestern.
3. Marken
pewehh 28.04.2013
Noch haben wir Nationalstaaten mit Parlameneten, die allerdings von multinationalen Konzeren abhängig sind. Mittelfristig brauchen die aber die Nationalstaaten nicht mehr, im Gegenteil, und die Welt wird dann endlich ganz offen aufgeteilt. Die Kriege werden dann nur noch um Marktanteile geführt, ganz sicher nicht weniger grausam als heute um Bodenschätze. Schönes Buch dazu ist der Thriller von Max Barry: Logoland.
4.
Targut 28.04.2013
Wenn meine Waschmaschine es wagen sollte mir etwas zum Anziehen zu empfehlen kann sie sich auf ein schnelles und grausames Ende einstellen :).
5. an #2 Heute 13:01 von rhodensteiner
wurzelbär 28.04.2013
. . . den Internetzugang vom Betreiber nur für zahlungskräftige Kunden . . . Diese Primitiviät - der Menschenbeherrschung, sich über den allgemeinen Menschen zu erheben, in dem man das > WISSEN und die Möglichkeiten < für seine eigene Macht, Bereicherung, Ausbeutung, Versklavung, Finanzgier, etc. etc. heute noch benützt, (Prister,Schamanen waren nicht anders!) so wie vor tausend Jahren, zeigen doch auch heute noch die menschlich immer noch primitivste Veranlagung auf, die man einer "Tierart" im Laufe seiner Evolution, selbst nach so langer Zeit nicht verändert, zusprechen kann ! Der Mensch sollte wirklich in der Lage sein, eigenständig und selbstständig zu Denken, Verantwortung zu übernehmen und Handeln. Dann, wäre man diesen Blendern, Lügnern, Priester und "Volksdumm-, und primitivhalter" nicht mehr ausgeliefert. Wer will das schon sein?
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