Eric Schmidt vor Senatsausschuss: Pantomimen protestieren gegen Google

Bevorzugt Google bei seinen Suchergebnissen die eigenen Webdienste? Am Mittwoch muss sich Verwaltungsratschef Eric Schmidt vor einem US-Wettbewerbsausschuss rechtfertigen. Datenschutz-Aktivisten haben ungewöhnlichen Protest angekündigt.

Eric Schmidt: Am Mittwoch wird der Verwaltungsratschef in Washington angehört Zur Großansicht
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Eric Schmidt: Am Mittwoch wird der Verwaltungsratschef in Washington angehört

Sie werden futuristische "Wi-Spy"-Brillen und weiße Trainingsanzüge mit der Aufschrift "Google Track Team" tragen. Als wäre das nicht verdächtig genug, sollen die professionellen Pantomimen den Mitarbeitern des US-Senats auch noch auf Schritt und Tritt folgen. So sollen diese persönlich erleben, wie unangenehm es ist, bei den eigenen Aktivitäten beobachtet zu werden.

Spionage-Teams im Senat - mit dieser ungewöhnlichen Protestaktion will die US-Datenschutzorganisation Consumer Watchdog in dieser Woche auf Googles umfangreiches Datensammeln aufmerksam machen. Im echten Leben würde es kaum jemand tolerieren, dass ihn jemand verfolgt, erläutert die Organisation laut Cnet.com ihren Ansatz - im Internet dagegen schon.

Anlass der Flashmobs ist die Anhörung eines Wettwerbsausschusses des US-Senats, bei der sich Google für seine Firmenpolitik rechtfertigen muss. Dabei muss am Mittwochnachmittag auch der Verwaltungsratschef und ehemalige Geschäftsführer Eric Schmidt aussagen. Seine Anhörung ist überschrieben: "Die Macht von Google: Gut für den Konsumenten oder bedrohlich für den Wettbewerb?"

Im Mittelpunkt des Hearings steht die Frage, ob Google seine Marktposition missbraucht und bei den Suchergebnissen eigene Angebote bevorzugt. Das behaupten die Anbieter mehrerer Webdienste. Mit der Aussage, dass sich die Ranglisten verändert hätten, seit Google mit Places selbst im Empfehlungssegment mitmischt, zitiert die "New York Times" etwa Jeremy Stoppelmann, den Mitgründer des Restaurant-Empfehlungsdienstes Yelp. Google hat sich vor kurzem einen eigenen Service gekauft, der ebenfalls Speiselokale empfiehlt. Der Suchmaschinenkonzern, so die Sorge seiner Kritiker, verleibt sich mehr und mehr typische Web-Funktionen selbst ein, nutzt seine Macht dazu, die eigenen Angebote an den Nutzer zu bringen und macht so die Konkurrenz platt.

Google beteuert, die eigenen Angebote nicht zu bevorzugen. Die Suchergebnisse seien das Ergebnis umfangreicher Benutzertests. Zudem könnten unzufriedene Kunden jederzeit zu anderen Suchmaschinen wie Bing wechseln. "Google zu benutzen ist eine bewusste Entscheidung", schrieb Google-Manager Amit Singhal im Juni im Firmen-Blog. Es gebe viele andere Möglichkeiten, sich Informationen zu beschaffen.

Vor dem selben Ausschuss wie Google wurde 1998 schon Microsoft angehört. Der Konzern musste sich damals wegen seiner Monopolstellung im Software- und Betriebssystemmarkt verteidigen. Zwei Jahre später wurde Microsoft wegen Monopolmissbrauchs verurteilt.

mbö

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Alternativen
bismarck_utopia 19.09.2011
Ehrlich gesagt, traue ich Google auch nicht besonders über den Weg, uns dass sie eigene Suchergebnisse etwas bevorzugen, ist auch nicht unwahrscheinlich. Aber die haben recht: Mit bing (http://www.bing.de) gibt es eine kleine Alternative. Dann aber heißt es wiederum: "Ich habe mich aber schon an Google gewöhnt." Ja, mein Gott, dann google doch mit alernia (http://www.alernia.de), wo google.de-Links und dieser ganze yasni- und 123people-Spam in den Suchergebnissen automatisch unterdrückt wird. So klein ist das Internet auch wieder nicht. Na ja, zumindest solange wie das nicht von Google aufgekauft wird.
2. Beides ist nicht optimal...
xwolpertinger 19.09.2011
Zitat von bismarck_utopiaEhrlich gesagt, traue ich Google auch nicht besonders über den Weg, uns dass sie eigene Suchergebnisse etwas bevorzugen, ist auch nicht unwahrscheinlich. Aber die haben recht: Mit bing (http://www.bing.de) gibt es eine kleine Alternative
Was mich bei Bing stört ist dass sie eben NICHT ihre eigenen Ergebnisse bevorzugen. Wenn ich nach "Microsoft Security Essential" suche möchte ich bitte gleich zu Microsoft und nicht zu obskuren Downloadportalen. Ich will ja einen Virenscanner und nicht die Viren.
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