EU-Kartellverfahren Google-Suche bevorzugt angeblich Google-Dienste

Wettbewerbshüter gegen Google-Gebaren: Insidern zufolge sieht die EU-Kommission die Bevorzugung von Google-Diensten in Suchtreffern kritisch und verlangt grundsätzliche Änderungen. Noch kann der US-Konzern mit freiwilligen Zugeständnissen Sanktionen zuvorkommen.

Google / Connie Zhou

Hamburg - Die EU-Kommission ist beim Kartellverfahren gegen Google angeblich zur Auffassung gekommen, dass der US-Konzern bei Suchtreffern eigene Dienste bevorzugt, selbst wenn es relevantere Treffern von Konkurrenzangeboten gibt. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf EU-Beamte.

Die Kommission ist dem Bericht zufolge vor allem über die Gestaltung von Suchtreffern zu Spezialangeboten wie Landkarten, Börseninformationen und Wettern besorgt. Hier bevorzugt Google eigene Angebote, bei entsprechenden Anfragen blendet die Google-Suche an hervorgehobener Stelle Inhalte von Google-Diensten ein. Änderungen fordert die EU-Kommission angeblich auch bei der Kennzeichnung von bezahlten Suchtreffern - es sei für Nutzer nicht leicht genug, zwischen Anzeigen und echten Suchtreffern zu ihren Anfragen zu unterschieden.

Google muss in dieser Woche der EU-Kommission ein endgültiges Angebot unterbreiten, wie der Konzern durch Zugeständnisse Sorgen der Wettbewerbshüter ausräumen könnte. Wenn Googles freiwillige Konzessionen der Kommission genügen, könnte das Sanktionen abwenden. Sollten die Informationen der "Financial Times" stimmen, wird Google in Europa die Präsentation seiner Suchergebnisse substantiell ändern müssen.

EU-Kommissar fordert von Google "echte Wahlmöglichkeiten"

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat mehrmals angedeutet, dass er Googles Gebrauch der Suchmaschine als Werbeinstrument für eigene Dienste kritisch sieht. Schon Anfang des Jahres sagte Almunia der "Financial Times", er fürchte, Google "missbrauche" die "dominante Stellung" seiner Suchmaschine und leite Nutzer "bevorzugt" zu eigenen Diensten um.

Am Dienstag sagte Almunia der "New York Times", die EU-Kommission könnte von Google zum Beispiel verlangen, dass bei bestimmten Suchtreffern klar die relevanten Dienste von Konkurrenten präsentiert werden. Es müsse eine "echte Wahl" geben.

US-Kartellbehörde FTC stellt Google-Untersuchung ein

Anfang des Jahres hatte die US-Kartellbehörde FTC eine Untersuchung von Googles Praktiken eingestellt. Die FTC kam zu der Erkenntnis, dass Google in Suchtreffern eigene Dienste prominent platziert. Warum Google das tut, wollte die FTC aber nicht weiter untersuchen. Begründung: "Wir sind der Ansicht, dass man Googles Platzierung eigener Inhalte als plausible Verbesserung der Gesamtqualität der Suchergebnisse sehen könnte."

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
fjr 10.04.2013
1. ?
Wird denn jemand gezwungen, kostenlos mit Google zu googlen? Es gibt doch auch andere Suchmaschinen? Und, wer für Werbung bei Google bezahlt, dessen Werbung erscheint auch. Wer nicht bezahlt, dessen Werbung erscheint ebenfalls, aber halt deutlich weiter hinten. Wo ist das Problem? Mir jedenfalls wäre lieber, die EU würde sich bei Kartellverfahren mal mit den Mineralölkonzernen oder mit den großen Lebensmittelkonzernen beschäftigen, da hätte ich als Verbraucher wahrscheinlich wirklich was davon.
criticalsitizen 10.04.2013
2. Es wird Zeit, diese Internet-ffinität zu prüfen und die
und jedwiger Business-Kultur entflohene Ultrakapitalisten und Armutsmacher. Auch Frau Merkel sollte das mal etwas kritisch besehen, statt nunmehr mit angeblich so sicherem Google-Telefon fasziniert bunte Bildhcne zu betrachten und deise als Kultur mittels "Breitband für alle" statt Schulen für alle zu subentioneiren.
blob123y 10.04.2013
3. Habe gerade so eine Sache gesehen
Zitat von sysopGoogle / Connie ZhouWettbewerbshüter gegen Google-Gebaren: Insidern zufolge sieht die EU-Kommission die Bevorzugung von Google-Diensten in Suchtreffern kritisch und verlangt grundsätzliche Änderungen. Noch kann der US-Konzern mit freiwilligen Zugeständnissen Sanktionen zuvorkommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eu-kartellverfahren-google-suche-bevorzugt-angeblich-google-dienste-a-893529.html
da gings um ein exotisches Land wo wenigstens 10 bis 20 gute Seiten dawaren, aber die Nummer 3 in den Suchergebnissen war eine Seite mit nichts ausser einer Google map und ein Haufen links, keinerlei Inhalt (Content) auf der Seite. Da sich solche Seiten seit etwa einen Jahr haeuffen und Google auch sonst immer abstrakt irrelevanter wird werden die sich eher kurzfristig selbst hinauswerfen denn wer geht da noch zu Google wenn MS und Yahoo mit Abstand wesentlich relevantere Ergebnisse bringen.
cyn 10.04.2013
4. nö
Zitat von blob123yda gings um ein exotisches Land wo wenigstens 10 bis 20 gute Seiten dawaren, aber die Nummer 3 in den Suchergebnissen war eine Seite mit nichts ausser einer Google map und ein Haufen links, keinerlei Inhalt (Content) auf der Seite. Da sich solche Seiten seit etwa einen Jahr haeuffen und Google auch sonst immer abstrakt irrelevanter wird werden die sich eher kurzfristig selbst hinauswerfen denn wer geht da noch zu Google wenn MS und Yahoo mit Abstand wesentlich relevantere Ergebnisse bringen.
Kennen Sie "bing it on"? Mit VPN auch von D aus ausprobierbar. Und raten Sie mal, was bei mir und in meinem Kollegenkreis die bessere Suchmaschine war!
bikenstrings 10.04.2013
5. Viel schlimmer ...
... als dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen schaut, dass mehr Kohle reinkommt finde ich das Gebahren der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Hier hat man doch ohne Vetter überhaupt keine Chance. Wer´s versteht, was ich meine-ok, wer nicht, mir wurscht.
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