EU-Kartellverfahren: Microsoft gesteht schweren Fehler ein
Die EU hat ein Verfahren gegen Microsoft eingeleitet, weil der Konzern eine Vereinbarung gebrochen haben soll. Windows-Nutzern sollten verschiedene Browser zur Auswahl angeboten werden, das aber unterblieb offenbar bei vielen. Der Fehler könnte teuer werden.
Brüssel - Der "Browser Choice"-Bildschirm war der Kompromiss, auf den EU und Microsoft sich im Jahr 2009 geeinigt hatten. Die Europäische Kommission hatte dem Software-Konzern vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen, um den hauseigenen Internet Explorer als Standardbrowser auf Windows-Rechnern unterzubringen. Um weitere Strafzahlungen nach Brüssel abzuwehren, verpflichtete Microsoft sich damals, Nutzer gleich beim Windows-Start vor die Wahl zu stellen: Soll's der Internet Explorer sein - oder doch Firefox, Googles Chrome, Opera oder Apples Safari?
Ab März 2010 war es dann soweit. Windows-Nutzer in ganz Europa bekamen nach einem Update des Betriebssystems den Auswahlbildschirm angezeigt. Genau das hätte auch bei allen Nutzern geschehen sollen, die nach diesem Stichtag neue Windows-Rechner kauften oder ein neues Betriebssystem aus dem Hause Microsoft installierten. Bei einer bestimmten Nutzergruppe unterblieb das offenbar.
"Aufgrund eines technischen Fehlers haben wir es verpasst, den Browser-Wahlbildschirm auf PC zu bringen, die mit dem Service Pack 1 für Windows 7 ausgeliefert wurden", erklärte Microsoft am Dienstag. Man bedaure diese Fehler zutiefst, entschuldige sich und habe "sofortige Schritte ergriffen, um das Problem zu lösen".
Microsoft erklärte weiterhin, man habe bereits begonnen, wieder Software mit der Browser-Auswahl zu verteilen und erklärte sich bereit, die Phase, in der diese Option angeboten werden soll, freiwillig um 15 Monate zu verlängern. Außerdem nutzten "die meisten Computernutzer frühere Versionen von Windows", deshalb schätze man, dass "etwa 90 Prozent der PC die Browserwahl-Software bekommen haben sollten".
Ob das allerdings ausreicht, um die Europäische Kommission milde zu stimmen, ist fraglich. "Wir nehmen die Umsetzung unserer Entscheidungen sehr ernst", erklärte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Man habe "darauf vertraut, dass die Berichte des Unternehmens der Wahrheit entsprechen", aber "es scheint, als sei das nicht der Fall gewesen". Wenn ein Verstoß festgestellt werde, "sollte Microsoft mit Sanktionen rechnen", so Almunia. In einer Pressemitteilung betonte Almunias Büro, "Millionen von Nutzern" seien möglicherweise nicht vor die Browser-Wahl gestellt worden.
Die EU-Kommission hatte bereits 2008 ein Zwangsgeld von fast 900 Millionen Euro gegen Microsoft verhängt, damals wegen zu hoher Lizenzgebühren für technische Informationen. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Luxemburger EU-Gericht die Strafe im Grundsatz für rechtens erklärt, die Summe jedoch auf 860 Millionen Euro reduziert. Insgesamt wurde Microsoft im Zuge mehrerer Brüsseler Kartellverfahren bereits zu Zahlungen in Höhe von weit über 1,6 Milliarden Euro verpflichtet.
cis
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- Dienstag, 17.07.2012 – 14:39 Uhr
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| 75,68% | |
| Baidu | 11,95% |
| Yahoo | 5,92% |
| Bing | 4,24% |
| Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications | |
| 88,35% | |
| Yahoo | 6,63% |
| Baidu | 3,34% |
| Bing | 1,08% |
| Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications | |
| Microsoft Internet Explorer | 58,35% |
| Firefox | 23,72% |
| Chrome (Google) | 11,50% |
| Safari (Apple) | 4,15% |
| *weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications | |
| Safari (Apple) | 54,03% |
| Opera Mini | 21,42% |
| Android Browser | 12,74% |
| Symbian | 6,89% |
| *weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications | |
| Windows | 91,92% |
| Mac | 6,92% |
| Linux | 1,16% |
| *weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications | |
| Android (Google) | 49,7 |
| iOS (Apple) | 30,1 |
| Symbian | 6,9 |
| RIM | 2,1 |
| Nokia | 1,8 |
| andere | 9,4 |
| Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar | |
| Umsatz gesamt* | Umsatz Google* | Anteil Google (in %) | |
| Internet | 72,842 | 36,531 | 50,15 |
| Magazine | 43,122 | 0 | |
| TV | 184,29 | 0 | |
| Zeitungen | 91,495 | 0 | |
| gesamt | 458,385 | 36,531 | 7,97 |
| *Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011 | |||
| Angebot | Unique Visitors (Mio.) | Ø-Stunden |
| Webnutzer gesamt | 366,8 | 26,75 |
| 333,4 | 3.,14 | |
| Microsoft | 270,8 | 3,22 |
| 240,0 | 5,43 | |
| Wikimedia | 161,3 | 0,22 |
| Yahoo | 141,0 | 1,23 |
| eBay | 107,6 | 0,99 |
| Amazon | 91,4 | 0,27 |
| Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix | ||
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- Netzwelt-Ticker: Browser-Streit um Windows 8 (15.05.2012)
- Aktion Browser Choice: Wahltag im Windows-Land (26.02.2010)
- Streit um Internetbrowser: EU-Kommission lässt Microsoft vom Haken (16.12.2009)
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