Cloud Computing EU fordert Regeln für die Cloud

Die Wolke soll sicherer werden: Die EU-Kommissarin Neelie Kroes will einheitliche Regeln erarbeiten für mehr Rechtssicherheit und Datenschutz. Nutzer sollen zudem unkompliziert "ihre" Wolke wechseln können.

Arbeiten in der Cloud (Symbolbild): Nutzer sollen die Wolke schneller wechseln können
Corbis

Arbeiten in der Cloud (Symbolbild): Nutzer sollen die Wolke schneller wechseln können


Die EU-Kommission strebt bei Dienstleistungen in der digitalen Wolke (Cloud) gemeinsame europäische Standards für Datenschutz und IT-Sicherheit an. Kommissarin Neelie Kroes wolle noch "diesen Sommer" eine Strategie vorlegen, sagte ihr Sprecher auf Anfrage am Montag in Brüssel. Die Kommission hat seit längerem den Plan, Verbrauchern, Firmen und Behörden das Nutzen der Wolke zu erleichtern.

Vor allem die mangelnde Rechtssicherheit ist in Kroes Augen ein Problem. Es geht etwa um die Haftung, wenn in die Wolke ausgelagerte Daten verlorengehen oder gar gestohlen werden. "Derzeit ist die Situation ziemlich verwirrend", sagte Kroes in einer Rede Ende Juni.

Auch die Regeln für Daten, deren Speichern womöglich ein Copyright-Vergehen darstelle, seien nicht immer eindeutig, sagte ihr Sprecher. Zum Beispiel sei dies der Fall, wenn der mutmaßliche Rechteverletzer in einem anderen Land beheimatet ist als der Server, auf dem die Daten liegen.

Beim Cloud Computing sind Fotos, Musikstücke und andere Dateien oder Anwendungen nicht mehr auf einem festen Rechner gespeichert, sondern in das Netz ausgelagert. Die Daten befinden sich auf großen Servern irgendwo in der Welt und werden von den Nutzern über ihren Internetbrowser aufgerufen. Das kann von jedem Computer oder Smartphone aus geschehen.

Cloud Computing ist ein Milliardengeschäft

Die EU-Strategie, aus deren Entwurf die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Montag vorab zitierte, will der unübersichtlichen Lage mit einheitlichen Regeln entgegenwirken. Das großflächige Auslagern von Daten käme einer "Revolution" gleich, sagte Kroes im Juni. "In einem Land wie Deutschland könnte das Cloud Computing nach verschiedenen Schätzungen über fünf Jahre mehr als 200 Milliarden Euro einbringen."

In dem Entwurf der Mitteilung schlägt Kroes laut "FTD" ein Zertifikat vor, das dem Nutzer zeigt, inwieweit die Anbieter Datenschutz und Sicherheit garantieren. Außerdem sollten demnach die sogenannten Standardvertragsklauseln für die Verarbeitung personenbezogener Daten neu formuliert werden.

Einen Dialog zum Thema will die EU unter anderen mit den USA führen - Daten europäischer Nutzer könnten schließlich auch in Übersee gespeichert werden, wie ihr Sprecher sagte. Außerdem will Kroes den Verbrauchern ermöglichen, ihre Daten ohne viel Aufwand zu einem neuen Anbieter zu verlagern, wenn sie mit ihrer alten Wolke nicht zufrieden sind.

juh/afp

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